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In Roombeek ist die Industrievergangenheit noch gut zu sehen

Enschede entdecken – Proef Eet & Shopping kurz hinter der Grenze

So nah an den Niederlanden und doch so selten dort. Doch seinen wir mal ehrlich: Es gibt diejenigen im Ruhrgebiet (oder in Grenznähe in NRW/Niedersachsen), die oft über die Grenze fahren, z.B. nach Venlo oder Maastricht zum Einkaufen oder ans Meer. Und es gibt diejenigen wie mich, die immer einen Anlass brauchen. Wie das Proef Eet Foodfestival in Enschede, welches jährlich Ende August/Anfang September in der niederländischen Grenzstadt stattfindet.

Proef Eet – das jährliche Foodfestival

Proef Eet ist ein Foodfestival, das an einem Wochenende die Altstadt von Enschede in einen riesigen Street Food Markt verwandelt. Bereits seit 1985 veranstalten die Niederländer dieses Foodfestival und ist wohl somit eines der ältesten Street Food Märkte Europas. Drei Tage lang kannst Du Dich hier durch die Köstlichkeiten der Stadt schlemmen. Denn die Stände rund um die Grote Kerk auf dem Oude Markt und seinen Seitenstraßen bestehen aus Ständen der Restaurants und Cafés der Stadt.

Willkommen beim Proef Eet
Willkommen beim Proef Eet

Die weißen Zelte sind zum Teil wunderbar geschmückt, überall stehen fröhliche Menschen, Essen, Trinken, Genießen. Die leckersten Gerüche umgeben mich, während ich zwischen den Ständen von Proef Eet laufe, um mir eine Übersicht zu verschaffen.

Vielfältige Richtungen – von Sushi bis BBQ – werden für wenige Euro pro Gericht angeboten. Von Vorspeise bis Nachspeise, Hauptgang oder kleinen Zwischengänge – Proef Eet (“Probieren & Essen”) ist das Feinschmeckermekka an diesen drei Tagen. Auch ich machte einen Abend lang das Festival unsicher und probierte mich durch allerlei Köstlichkeiten. Dabei bin ich den Desserts wie immer nicht abgeneigt.

Ananas mit Vanielleeis
Ananas mit Vanielleeis

Sushi von Blue Sakura, eine gegrillte Ananas mit Vanilleeis und Karamel, aber auch die typischen holländischen Fritten mit (Trüffel-)Mayo darf nicht fehlen. Auch einem kleinen Raclette kann ich nicht widerstehen. Zum Abschluss genehmige ich mir noch einen hausgemachten Schokoladenbrownie mit Vanilleeis und Himbeersoße sowie einem Schaum aus Gin.  …und an der Ecke erklingt Jazz.

Schokoladenbrownie mit Vanilleeis, Himbeersoße und Ginschaum
Schokoladenbrownie mit Vanilleeis, Himbeersoße und Ginschaum
...and all that Jazz
…and all that Jazz

Doch mit Bargeld kommst Du hier nicht weiter. An einer der Kassen – entweder bar oder mit Karte – tauschst Du vorab Deine Euros gegen “Duyten” zu einem Kurs von 1,25 Euro = 1 Duyt umtauschen. Natürlich funktioniert das auch in die entgegengesetzte Richtung, so dass Du nur das bezahlst, was Du auch wirklich getrunken oder gegessen hast.

Kassen beim Proef Eet
Kassen beim Proef Eet

Enschede, die Einkaufsstadt

Doch Enschede ist auch ohne das Foodfestival eine Reise wert. Die Stadt mit den rund 160.000 Einwohnern im Osten der Niederlande, in der Region Twente, etabliert sich gerade als Einkaufsstadt. Vor allem die zahlreichen verkaufsoffenen Sonntage (jeder erste und letzte Sonntag im Monat) locken (Deutsche) Besucher an. Aus eigener Erfahrung kann ich jetzt sagen: ja, Enschede lohnt sich. Zahlreiche kleine Lädchen und Boutiquen laden neben den üblichen Ketten zum shoppen ein.

Enschede - Stadt zum Bummeln & Shoppen
Enschede – Stadt zum Bummeln & Shoppen

Die Altstadt mit ihren ringförmig angeordneten Straßen lädt geradezu zum Bummeln ein. Hinter jeder Ecke gibt es neue Läden und kleine Cafés zu entdecken. So wie die Patisserie Mrs. Brown, die auch mit ihren Pralinen und Küchlein einen Stand auf dem Proef Eet haben.

Mrs. Brown
Mrs. Brown

In einer anderen Seitenstraße entdecke ich einen Spielzeugladen, der zahlreiche altmodische Spielzeugautos vor dem Geschäft stehen hat und einen Comicbuchladen. Doch auch eine Kondomerie gibt es in Enschede. Aber auch die zahlreichen Concept Stores aus dem Einrichtungs- und Küchenbereich könnten mir ein Vermögen aus der Tasche ziehen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht so das Shoppingopfer.

Spielzeugladen
Spielzeugladen

Enschede mit dem Rad erkunden

Jede Stadt in den Niederlanden ist prädestiniert, um mit dem Rad erkundet zu werden. Enschede bildet da keine Ausnahme. Vom Hotel De Broeierd bekam ich vor Ort ein E-Bike gestellt und radelte durch die Stadt. Bei Regen werden hier sogar die Ampeln für Radfahrer schneller grün. Wie genial ist das denn, bitte?!

Robin ist glühender Fan
Robin ist glühender Fan

Mit Guide Robin ging es zuerst zum Stadion “De Grolsch Veste”, dem Spielort des FC Twente Enschede, der ersten Fußballmannschaft der Niederlande. 2011 stürzte während der Bauphase ein Dach über der Tribüne ein und töte zwei Bauarbeiter und verletzte 14 weitere.

Katastrophale Stadt

Robin meint nicht zu Unrecht, Enschede sei “die katastrophalste Stadt der Niederlande”. Keine Stadt hat mehr Katastrophen hinter sich, wie ich bei dieser Radtour später noch weiter erfahren werde. Doch die Stadt und seine Einwohner haben nie aufgegeben und nach jeder Katastrophe neu aufgebaut, gekämpft, sich vergrößert und verbessert.

In Roombeek ist die Industrievergangenheit noch gut zu sehen
In Roombeek ist die Industrievergangenheit noch gut zu sehen

Die Unglücksserie fing spätestens 1862 mit einem Großbrand an, der die Stadt fast zerstörte. Doch dann siedelte sich hier Textilindustrie an und die Stadt erblühte in neuem Glanz. Erinnert mich von der Geschichte her ein wenig an Tampere. Mit dem zweiten Weltkrieg kamen weitere Probleme. Als grenznahe Stadt wurde Enschede als einer der ersten niederländischen Städte von der Wehrmacht besetzt und auch bei den Luftangriffen der Alliierten oftmals mit Gronau (Westfalen) verwechselt und zerbombt. Nach dem Krieg und mit der wachsenden Konkurrenz aus Südostasien verschwand auch die Textilindustrie.

Doch die Katastrophe, die die Stadt wohl immer noch stark prägt, ist die Explosion im Stadtteil Roombeek am 13.05.2000. Dabei verloren 23 Menschen ihr Leben und 42 Hektar Stadtgebiet wurde zerstört. Während der Fahrradtour kann ich das ganze Ausmaß erfassen. Nur wenige Häuser sind hier stehen geblieben und zeigen immer noch große Einschläge. Andere Gebiete wurden großflächig durch Architekten aus aller Welt neu gestaltet – Wohnsiedlungen und moderne Architektur. Viele Bauwerke sind originell und einzigartig und prägen nun den Stadtteil, den die Bewohner mit gestalten konnte. Die Erinnerung an die Katastrophe wird dennoch aktiv aufrecht erhalten.

Denkmal für das Unglück der explodierten Feuerwerksfabrik
Denkmal für das Unglück der explodierten Feuerwerksfabrik

Jüdisches Leben in Enschede

Zwischen Roombeek und dem Stadion komme ich auch am Campus der Universität Twente und dem nahegelegenen Abraham Ledeboerpark vorbei. Der Park wurde nach dem Textilfabrikanten Abraham Ledeboer benannt, der von den Nazis im KZ Neuengamme bei Hamburg 1944 umgebracht wurde. Er war einer der damals 1.300 Juden in Enschede. Nur rund 500 jüdische Mitbürger konnten fliehen oder durch mutige Einwohner gerettet werden.

Universität Twente
Universität Twente
Am Campus
Am Campus

Der Park war früher das Anwesen von Abraham Ledeboer und seiner Familie. Nach dem Abriss der Villa 1956 ging das Grundstück an die Stadt über. Heute steht nur noch das alte Kutscherhaus (heute Bienenhaus) und ein 1890 gepflanzter Riesenmammutbaum, der zu den ältesten Bäumen der Niederlande zählt.

Das Bienenhaus
Das Bienenhaus
Der Mammutbaum
Der Mammutbaum

In der Altstadt entdecke ich noch weitere Spuren des jüdischen Lebens und stoße auf ein unscheinbares Gebäude mit bunten Fenstern in der Stadsgravenstraat. Die ehemalige Synagoge, die in den 1920ern zu klein für die wachsende Gemeinde war, wurde durch eine neue Synagoge 1927/28 etwas außerhalb der Altstadt ersetzt. Das monumentale Gebäude gilt als architektonisches Juwel des niederländischen Architekten Karel de Bazel, auf dessen Entwürfen die Synagoge basiert. Heute wird die ehemalige Synagoge mit den Bleiglasfenstern als Gebetsraum genutzt und kann besichtigt werden. Deutschsprachige Führungen finden jeden 2. Sonntag im Monat um 13:00 Uhr statt (Ausnahme: jüdische Feiertage).

Synagoge von Enschede
Synagoge von Enschede

Enschede kulinarisch

Zeit für eine Pause! Im Café Stoet gibt es Stullen nach der Fahrt durch Parks und enge Straßen. Die Wohnzimmeratmosphäre des Cafés gefällt nicht nur mir. Das Café ist gut gefüllt mit Alt und Jung. Ecke Pijpenstraat/Zuiderhagen, neben der Zentralbibliothek, liegt das hippe Lunchcafé, in dem viele Grünpflanzen die Stimmung heben und Steckdosenkubus von der Decke hängen. Perfekt, um beim freien WLAN ein wenig zu arbeiten. Cafés gibt es einige Gute in Enschede. Probiere auch das “Meisje” und das “de Broodbode”.

Café Stoet
Café Stoet

Du magst asiatisch, dann wirst Du das Yuzu Asian Grand Café lieben! Das Restaurant bietet Sushi und asiatische Küche auf hohem Niveau. Allein die Einrichtung ist schon der Knaller! Goldener Käfig, grüner Samt, viel Holz – genau die nötige Prise Extravaganz für ein besonderes Abendessen. Im beliebten Restaurant solltest Du daher besser vorab reservieren. und dazu das Sharing Menü für zwei Personen (42,50 Euro pro Person) ordern! Ein Überraschungsmenü mit Sushi, Sashimi und Currys in großartiger Qualität und wunderbar angerichtet. Definitiv ein Must Do in Enschede!

Yuzu Asian Grand Café
Yuzu Asian Grand Café

Kochworkshop im Il Cuoco

Wenn Du Dienstag oder Samstag in der Stadt bist, dann ab auf den Wochenmarkt auf dem Platz Hendrik Jan van Heekplein! Der riesige Markt hat eine Auswahl, die nahezu grenzenlos scheint. Frisches Obst, Gemüse und auch holländischer Käse darf natürlich nicht fehlen! Hier haben wir fast alles gefunden, was für unseren Kochworkshop in der Trattoria Il Cuoco und unserem Menü benötigt wird.

Auf dem Wochenmarkt
Auf dem Wochenmarkt

Gemeinsam haben wir dann die frischen Zutaten zu einem großartigen Menü verarbeitet und uns vor der Rückreise ins Ruhrgebiet erneut den Bauch vollgeschlagen. Selbst gemachte Nudeln, Antipasti, Bruschetta und vieles mehr trugen zu einem grandiosen Fresskoma bei. Unbedingt empfehlenswert!

Gemeinsam Kochen in der Trattoria
Gemeinsam Kochen in der Trattoria

Enschede ist eine Stadt mit vielen Gesichtern, vielen Möglichkeiten und nur ca. 130 km von Dortmund entfernt. Vor allem die kleinen Läden und die zahlreichen Möglichkeiten, im Food Heaven zu landen, lohnen einen Besuch – ob nun nur für einen Tag oder auch ein ganzes Wochenende. Auch wegen der Street Art.

Mehr Shopping- und Leckereientipps:

Diese Fotos und viele mehr findest Du auch auf Flickr. 

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Enschede kulinarisch und fürs Shoppen entdecken

 

In Enschede war ich am 01./02.09.2017 im Rahmen einer kostenlosen und unbezahlten Presse-/Bloggerreise, dem Blogger-Café by Seidl der PR-Agentur Seidl PR sowie deren Kunde Enschede Promotie. Mit auf Reisen waren Emilia (Emilia und die Detektive), Sylvana (Sylvis Lifestyle), Monika (Mo Beads),  Katrin (FOURhang auf), Manuela und Bernd (Urlaubshappen) sowie Anika (Nikes Herz tanzt). Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt. 

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