Auf einem großen Plakat an einem dunklen Backsteingebäude steht „MISCHANLAGE“ und wirbt für eine Bauhaus-Fotoausstellung von Jean Molitor, auf dem ein Schwarz-Weiß-Foto eines modernistischen Gebäudes zu sehen ist. Die Veranstaltungstermine und der Name des Fotografen sind angegeben. Links sind rote Fensterrahmen zu erkennen.

bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara, Kokerei Zollverein

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Die Stiftung Zollverein zeigt noch bis zum 2. August 2026 in der Mischanlage der Kokerei Zollverein die Ausstellung bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara. Rund 300 Fotografien des in Berlin geborenen Fotografen Jean Molitor, in Zusammenarbeit mit Dr. Kaija Voss, sind auf der Bunkerebene der Mischanlage zu sehen.

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Seit 2009 arbeitet Jean Molitor bereits an seinem bau1haus-Projekt und reist dafür durch Afrika, Nord- und Südamerika, Europa und den Nahen Osten. Seit ich mich im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 intensiver mit dem Bauhaus und seinen Ideen beschäftigt habe, begegnen mir die Arbeiten von Jean Molitor immer wieder. Zuletzt im Haus der Mikwe in Rothenburg ob der Tauber.

Am 18.06. traf ich mich mit Freunden in Essen für die Ausstellung bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara auf Zeche Zollverein. Die Ausstellungen in der Kokerei habe ich zu meiner Schande selten auf dem Zettel. Nun habe ich mich aber für den Newsletter eingetragen, denn fast hätte ich diese Ausstellung verpasst. Danke daher an Maik & Claudia!

Von einer Dachterrasse mit Metallgeländern blickt man auf eine grüne Landschaft, die von Backstein-Industriegebäuden durchsetzt ist. In der Ferne ist unter einem bewölkten Himmel ein großer Förderturm zu sehen. Rechts davon erhebt sich ein Aufzugs- oder Treppenhaus.
Blick vom Dach der Mischanlage über das Gelände der Zeche Zollverein

Leider gab es vor Ort keinen Katalog zur Ausstellung zu erwerben. Für den Rundgang durch die Bunkerebene der Mischhalle wurde lediglich ein Begleitheft mit Erklärtexten zu den einzelnen Bildern zur Verfügung gestellt. Dieses Heft musste jedoch am Ende der Ausstellung abgegeben werden. Leider. Denn im Nachgang kann ich auch keinen expliziten Katalog der Ausstellungswerke online finden. Nur ein neues Buch, welches Jean Molitor und Dr. Kaija Voss im Juni vorstellten, befasst sich jedoch ausschließlich mit moderner Architektur und dem Bauhaus in Nordrhein-Westfalen*.

Aufsicht auf das Buch "Bauhaus Reisebuch - Weimar, Dessau, Berlin", Prestel-Verlag

Lese- & Shoppingtipp

Mein bevorzugtes Buch zum Bauhausjahr 2019* und darüber hinaus für vertiefenden Einstieg rund um Bauwerke/Locations.

Moderne Architektur in Nordrhein-Westfalen – Architekturmoderne vor der eigenen Haustür

Zu Beginn der Ausstellung ging es auch stark um Nordrhein-Westfalen. Dazu lief u.a. auf einem Monitor eine Bilder-Slideshow mit Jean Molitors Fotos, u.a. aus Krefeld, Oberhausen, Köln, aber auch aus Dortmund, Duisburg, Aachen, Bielefeld und natürlich Essen. Fein säuberlich alphabetisch geordnet. Einiges davon kannte ich bereits, doch es gab auch viele spannende Gebäude, die ich noch nicht kannte, und einige, die bei mir immer noch auf der To-Do-Liste stehen.

Auch in Raum 2 kannst Du viel Zeit verbringen. Videos zeigen die Entstehung und den Aufbau der Ausstellung auf Zollverein sowie Molitors Arbeit in verschiedenen Ländern. Ganz spannend, aber teilweise auch etwas langatmig. Die rund zehn Minuten über Anfahrt und Ausstellungsaufbau waren mir allerdings etwas zu ausführlich.

Die nachfolgenden Ausstellungsplakate zu ähnlichen Ausstellungen in den vergangenen Jahren waren ein farblicher Tupfer, der den Räumen gut tat. Hätte es aber für mich eigentlich auch nicht gebraucht.

Bauhaus-Klassiker und moderne Architektur aus aller Welt

Auch die weiteren der insgesamt neun Ausstellungsräume sind thematisch gegliedert. Es ging um Kinogebäude, Bildungseinrichtungen, Sozialer Wohnungsbau, aber auch Gebäude, die u.a. zum UNESCO-Welterbe Bauhaus und seinen Städten in Weimar, Dessau und Bernau, Siedlungen der Berliner Moderne oder das architektonische Werk von Le Corbusier gehören.

Klassiker, wie das Bauhaus-Gebäude sowie die Meisterhäuser in Dessau, das Fagus-Werk in Alfeld, das Corbusier-Haus in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die Bundesschule Bernau bei Berlin, aber auch das Chilehaus in Hamburg und die Hufeisensiedlung in Berlin.

Zwölf Schwarz-Weiß-Fotos von Gebäuden im Stil der Moderne sind in drei Reihen an einer dunklen, strukturierten Wand ausgestellt; jedes Bild zeigt unterschiedliche Blickwinkel und architektonische Stile. Die Ausstellung strahlt eine minimalistische, galerieähnliche Atmosphäre aus.
“Highlights” der klassischen Moderne, u.a. Scharoun-Haus Weißenhofsiedlung (Stuttgart, Mitte obere Reihe), Haus am Horn (Weimar, rechts obere Reihe), Corbusier-Haus Weißenhofsiedlung (Stuttgart, 2. von links mittlere Reihe), Meisterhäuser (Dessau, 2. von rechts mittlere Reihe), Weiße Stadt (Tel Aviv, rechts untere Reihe)

Besonders fasziniert hat mich eine Aufnahme des Hauses Fieger in Dessau. Solch ein Foto ist eigentlich kaum möglich, denn das Grundstück direkt neben dem Stahlhaus in Dessau ist in Privatbesitz und bei meinen Besuchen stets extrem zugewachsen. Die Perspektive lässt darauf schließen, dass er auf dem Grundstück des Stahlhauses stand und durchs Grün fotografiert hat. Eine solche Perspektive war mir bei meinen bisherigen Besuchen leider nicht vergönnt. Da bin ich ein wenig neidisch drauf. ;)

In einer schwach beleuchteten Kunstgalerie sind an strukturierten Wänden Schwarz-Weiß-Architekturfotos von Jean Molitor ausgestellt. Im Hintergrund sitzt eine einzelne Person auf einer Bank und betrachtet die gerahmten Kunstwerke auf der anderen Seite eines schmalen Ganges. Die Atmosphäre ist ruhig und besinnlich.
links unten: Haus Fieger (Dessau)

Jean Molitors Bildsprache: Architektur ohne Menschen

Eines meiner Lieblingsfotos ist aber die dänische Tankstelle, die modern, aber auch verlassen wirkt. Generell sind Jean Molitors Fotos geprägt von einer Leere, die darauf schließen lässt, dass er entweder unfassbares Glück beim Timing während der Aufnahme hatte oder extrem früh am Morgen unterwegs war, um solche menschenleere Fotos der Gebäude zu schießen. Oder er retuschiert gut. ;)

In einer schwach beleuchteten, modernen Galerie sind an rauen, strukturierten Betonwänden große Schwarz-Weiß-Fotos von Tankstellen ausgestellt. Das zentrale Bild, aufgenommen von Jean Molitor, zeigt eine alte Tankstelle mit einem runden Vordach. An den angrenzenden Wänden hängen kleinere Fotos.
Tankstelle in Dänemark

Schön war es für mich auch, bestimmte Gebäude zu entdecken, die ich auch schon einmal vor der Linse hatte, zum Beispiel ein Kaufhaus in Chemnitz oder die AEG-Turbinenfabrik in Berlin – wobei ich diese nur von außen fotografieren konnte.

Doch so viel rumgekommen wie Jean Molitor bin ich bei Weitem noch nicht. Als Künstler konnte er eine Residency im berühmten Thomas-Mann-Haus in Kalifornien wahrnehmen und damit das Haus in Szene setzen.

Eine Ausstellung zeigt eine verwitterte Betonwand mit großen Schwarz-Weiß-Fotos von modernistischen Gebäuden von Jean Molitor. Auf dem Boden sind kleine weiße Architekturmodelle mit roten Dächern gruppiert, die unter den ausgestellten Fotografien ein Miniaturviertel bilden.
Thomas Mann Haus in Los Angeles (links)

Auch zahlreiche Bauten in Afrika faszinierten mich in der Ausstellung, z.B. die Gebäude der eritreischen Hauptstadt Asmara. Dort war man in manchen Ländern in vielerlei Hinsicht experimentierfreudig und beauftragte moderne Gebäude für verschiedene Zwecke. Auch die Weiße Stadt von Tel Aviv, die ebenfalls zum UNESCO-Welterbe gehört, kam immer wieder vor.

In einer Kunstgalerie mit Betonwänden sind Schwarz-Weiß-Architekturfotos von Jean Molitor ausgestellt, darunter eine großformatige Aufnahme eines modernen Gebäudes mit einem hohen zentralen Turm. An einer angrenzenden Wand sind kleinere gerahmte Fotos zu sehen, die alle in einem Raum im Industriestil unter sanfter, warmer Beleuchtung präsentiert werden.
Fiat-Tagliero Tankstelle (Asmara, Eritrea, rechts)

Genau darin liegt die zentrale Stärke des Projekts: Die Moderne wird nicht als ausschließlich europäische Bewegung dargestellt, sondern vielmehr in ihren unterschiedlichen internationalen Ausprägungen. Molitor hat dafür inzwischen in rund 70 Ländern fotografiert.

In einer Galerie mit Sichtbetonwänden sind Schwarz-Weiß-Architekturfotos ausgestellt, die eindrucksvollen Werke von Jean Molitor. An der linken Wand hängen zwei gerahmte Bilder; im hinteren rechten Bereich sind weitere Fotos und eine Person in der Nähe eines Geländers zu sehen, alles in sanftem Licht.
Blick in die Ausstellung mit internationalen Gebäuden

Jean Molitors Werk über das Bauhaus und die Moderne, die Neue Sachlichkeit und das Neue Bauen ist vielfältig, und die Ausstellung hebt bewusst nicht nur einen Teil hervor, sondern spannt einen Bogen über alle seine zahlreichen Reisen, die er für seine Architekturfotografie unternommen hat, und vermittelt somit klar den Eindruck einer weltweiten Baubewegung.

Foto einer rustikalen Galerie mit rauen Steinwänden. An den Wänden hängen gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien, Werke von Jean Molitor, und in der Ferne sind durch eine Tür weitere zu sehen. Die Beleuchtung hebt die Kunstwerke hervor und schafft eine stimmungsvolle, besinnliche Atmosphäre. Über dem Eingang leuchtet ein Ausgangsschild.
Blick durch den Ausstellungsrundgang zurück auf Raum 1, rechts vorne Gebäude von Mies van der Rohe (Neue Nationalgalerie, Berlin – oben, Haus Lemke, Berlin – Mitte, Deutscher Pavillon, Barcelona – unten)

Das einzig Irritierende: Fast alle Fotos sind in Schwarz-Weiß bzw. in Grautönen gehalten, aber zwei Bilder hatten mit Braun eine leichte Farbigkeit.

Warum Du die Ausstellung besuchen solltest

Die Ausstellung bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara ist vor allem für alle interessant, die sich für Architektur, Fotografie oder das Bauhaus und seine weltweiten Einflüsse begeistern. Besonders überzeugt hat mich, dass bekannte Ikonen der Moderne neben Gebäuden stehen, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Nicht jede Videoinstallation und jedes zusätzliche Ausstellungselement hätte es für mich gebraucht. Die Fotografien selbst und die ungewöhnliche Präsentation in der Mischanlage sind jedoch sehenswert. Für den Rundgang solltest Du mindestens anderthalb bis zwei Stunden einplanen – mit Blick für Details und vielen Notizen entsprechend länger.

Die Mischanlage der Kokerei Zollverein ist kein neutraler Ausstellungsraum, sondern ein Ort mit eigener Präsenz. Gerade im Zusammenspiel mit den Fotografien von Jean Molitor entsteht hier ein besonderer Dialog zwischen Industriekultur und globaler Architekturmoderne.

Stefanie Reichart, Mitglied des Vorstands der Stiftung Zollverein

bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara!

UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein
Mischanlage, Bunkerebene – Kokerei Zollverein
Areal C
45141 Essen
Deutschland

Website zur Ausstellung

📷 Jean Molitor
📆 10. Mai bis 02. August 2026
⏰ Donnerstag, Freitag: 14-20 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage: 12-18 Uhr
⏳ meine empfohlende Dauer: ca. 1,5 Stunden
💶 Pay what you want – empfohlen 3-5 Euro
Aufsicht auf das Buch "bauhaus" sowie "bauhausarchiv berlin"" und Name der Autorin "magdalena droste" (Kleinbuchstaben beabsichtigt), weiterhin die Zahlen 1919 und darunter 1933, TASCHEN Bibliotheca Universalis.

Lesetipp

Das wohl umfangreichste Nachschlagewerk zum Bauhaus und all seinen Facetten – gibt’s u.a. bei amazon.* Es gibt noch eine kürzere Fassung* (Basic Art-Reihe).

FAQ zur Ausstellung

Wo findet die Ausstellung bau1haus statt?

In der Mischanlage, auf der Bunkerebene (3. Stockwerk) in der Kokerei Zollverein, die sich im Areal C des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein in Essen befindet.

Wie lange ist bau1haus auf Zollverein zu sehen?

Was kostet der Eintritt?

Welche Fotografien zeigt Jean Molitor?

Wie viel Zeit sollte man für die Ausstellung einplanen?

Ist die Mischanlage der Kokerei Zollverein barrierefrei?

Darf man in der Ausstellung fotografieren?

Gibt es einen Katalog zur Ausstellung?


Fotos: Diese und weitere Fotos der Ausstellung findest für einen Überblick und zur Inspiration auf Flickr. Sie unterliegen meinem Urheberrecht. Die in der Ausstellung gezeigten Fotos unterliegen dem Urheberrecht des Künstlers, die Hängung und Konzeption bei Künstler, seinem Team und der Stiftung Zollverein, manche Gebäude unterliegen noch Urheberrechten der Architekt:innen.

Offenlegung: Ich war privat in der Ausstellung und wurde von Freunden zur Ausstellung eingeladen. Es wurde der empfohlene Betrag von 5 Euro pro Person bezahlt. Unsere Anreise haben wir ebenfalls privat getragen.


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Romy

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund und arbeitet als Bloggerin und Freelancerin im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Übers Reisen regelmäßiger seit 2013. Wenn sie Zeit dazu findet.

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