Stuttgart: zwischen Kunst und Weißenhofsiedlung

Ein Hotel mit Kunstkonzept

Auf meiner Reise nach Stuttgart durfte ich im Waldhotel übernachten. Ein wirklich tolles Hotel. Super Service, sehr schöne Zimmer, großartige Küche (ich habe das wohl beste Wiener Schnitzel meines Lebens gegessen) und ein so konsequent umgesetztes Kunstkonzept, wie ich es bis jetzt noch nirgendwo gesehen habe.

Restaurant des Waldhotels
Restaurant des Waldhotels

Christa Winter

Die Künstlerin Christa Winter hat nahezu im gesamten Hotel Gemälde ihrer Serie “Waldrausch” ausgestellt. Jeder Besucher hat so die Gelegenheit, unter einen oder zwei ihrer Originale zu schlafen. Die Arbeiten Winters sind in den Zimmern allesamt auf Büttenpapier, aber mit unterschiedlichen Techniken ausgeführt. Die großen Formate in der Lobby sind in Öl auf Holz.

Immer haben die Bilder Mensch, Flora und Fauna in fragilem Gleichgewicht als Motiv. Das Waldhotel zeigt gerne die Bilder, wenn ihr fragt.

Mit dem Panoramabus zur Weißenhofsiedlung

Da Stuttgart in einem Talkessel liegt, bietet sich eine Fahrt mit den Panoramabus an. Wir sind zum Beispiel durch erstaunlich nah an der Stadt liegende Weinberge gefahren. Im Bus gab es natürlich einen Audioguide. Ich habe die Schwäbische Tonspur nur ganz kurz ausprobiert – sonst hätte ich doch die ganzen Anekdoten, die so eine Fahrt ausmachen, nicht verstanden. ;)

Tonspuren im Hop-on/Hop-Off-Bus Stuttgart
Tonspuren im Hop-on/Hop-Off-Bus Stuttgart

Während wir an einer Waldorfschule vorbei fuhren, erfuhr ich, dass sie ein Erfindung aus Stuttgart ist. Gegründet wurde sie von Rudolf Steiner, der damit der Bitte des Stuttgarters Emil Molts nachkam. Molts war Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik und wollte hier die Kinder der bei ihm beschäftigten Arbeiter betreut wissen. Steiner übernahm die Ausbildung und Beratung des Lehrerkollegiums und war bis zu seinen Tod im Jahr 1925 Spiritus Rector der Schule. Die Astoria Betriebsschule auf der Uhlandshöhe wurde so Modell für alle späteren Waldorfschulen.

Weiter ging es durch Stuttgart. Ich lernte, dass “Halt die Gosch – ich schaff beim Bosch” eine geflügelte Redensart in Stuttgart ist, um zu bekunden, wie wertschätzend der Umgang des Unternehmers Bosch mit seinen Angestellten war. Außerdem weiß ich jetzt, wie die Ritter Sport-Schokolade zu ihrem Namen und Form kam. Die Eheleute Ritter aus Cannstatt besaßen schon einige Jahrzehnte eine Schokoladenfabrik, als Clara Ritter auf die Idee kam, “Machen wir doch eine Schokolade, die in jedes Sportjacket passt ohne zu brechen und das gleiche Gewicht hat, wie die normale Langtafel!” – die Geburt der Ritter Sport-Schokolade.

Als wir Mercedes und Porsche hinter uns gelassen haben, sind wir endlich da, wo wir eigentlich hin wollten: die Weißenhofsiedlung.

Die Weißenhofsiedlung

Die Weißenhofsiedlung entstand 1927 im Rahmen der Bauausstellung “Die Wohnung”, organisiert vom Deutschen Werkbund. Die Stadt Stuttgart und der Werkbund suchten nach dem ersten Weltkrieg neue Lösungen zur Bekämpfung der Wohnungsnot und legten die experimentelle Siedlung an.

Unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe präsentierten 17 internationale Architekten hier ihre Entwürfe für modernes, erschwingliches Wohnen. Darunter befinden sich Namen wie Walter Gropius, Hans Scharoun, Peter Behrens und Le Corbusier. Dadurch wurde die Weißenhofsiedlung zur Ikone der Architektur der Moderne.

Weißenhofmuseum im Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret, Weißenhofsiedlung Stuttgart Foto/Copyright: González
Weißenhofmuseum im Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret, Weißenhofsiedlung Stuttgart
Foto/Copyright: González

Das von Le Corbusier und Pierre Jeanneret gestaltete und miteinander verbundene Doppelhaus beherbergt heute in der einen Hälfte das Weißenhofmuseum (Museum für Architekturgeschichte, Rathenaustr. 1). Die seit den 1920ern vorgenommenen baulichen Veränderungen wurden zum Großteil beibehalten. Die andere Haushälfte (Rathenaustr. 3) wurde in den Originalzustand der Bauzeit zurückversetzt, so dass die Möblierung und Farbgebung einen ein gutes Gefühl es Originalhauses geben – ein begehbares Exponat.

Bei Nacht: Weißenhofmuseum im Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret, Weißenhofsiedlung Stuttgart Foto/Copyright: González
Bei Nacht: Weißenhofmuseum im Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret, Weißenhofsiedlung Stuttgart
Foto/Copyright: González

Im Juli 2016 wurden insgesamt weltweit 17 Bauten von Le Corbusier als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet. Dazu zählt auch das Doppelhaus sowie das Haus Citrohan (Bruckmannweg 2) der Weißenhofsiedlung in Stuttgart.

Details

Waldhotel

Waldhotel Stuttgart GmbH
Guts-Muths-Weg 18
D-70597 Stuttgart-Degerloch

Telefon +49 711 185 72 0

Website: waldhotel-stuttgart.de

Stadtrundfahrt Stuttgart

Hop-on/Hop-off mit der STUTTGART Citytour
Abfahrt direkt an der Tourist-Information Stuttgart

Königstraße 1a
70173 Stuttgart

Website: stuttgart-tourist.de/stuttgart-citytour

Preise

Das Hop-on/Hop-off-Ticket ist 24 Stunden gültig und kostet pro Person 15 €.

Weißenhofmuseum

Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier
Rathenaustraße 1-3
70191 Stuttgart

Telefon: +49 (0)711-2579187

Website: weissenhofmuseum.de

Öffnungszeiten

Dienstag – Freitag: 11-18 Uhr
Samstag/Sonntag: 10-18 Uhr

Montags geschlossen.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 EUR
ermäßigt: 2 Euro

Alle Fotos unterliegen dem Urheberrecht (wenn nicht anders angegeben) von Andrea Kessler.
Bearbeitung: Romy Mlinzk

Der Beitrag entstand im Rahmen der Bloggerreise #kulturherbststuttgart, die von der Stuttgart-Marketing GmbH und ausgewählten Partnern initiiert und finanziert wurde. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt. 

Andrea lebt in Dortmund und arbeitet nach vielen Irrungen und Wirrungen jetzt an der Kaffeefront.
Als Botschafterin des guten Filterkaffees liegt der (Kunst-)Historikerin die Liebe zur Oper, der Musik und den schönen Künsten immer noch im Blut.
So oft es ihr möglich ist reist und schreibt sie auch für snoopsmaus.