Mit der Ausstellung „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ präsentiert der Kunstpalast Düsseldorf vom 12. März bis 9. August 2026 erstmals eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen französischer Kunst der Öffentlichkeit. Rund 180 Exponate führen durch mehr als zwei Jahrhunderte Kunstgeschichte und versammeln Meisterwerke von Claude Monet, Paul Cézanne, Pierre-Auguste Renoir, Henri Matisse, Pierre Bonnard und vielen weiteren Wegbereitern der Moderne.
Die Scharf Collection blieb lange Zeit weitgehend verborgen und war nur durch vereinzelte Leihgaben bekannt. Nun ermöglicht die Ausstellung einen seltenen Einblick in eine Sammlung, die über vier Generationen hinweg gewachsen ist und den Bogen vom französischen Impressionismus über die klassische Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst spannt. Für mich gehört sie schon jetzt zu den spannendsten Ausstellungen des Kulturjahres 2026 in Düsseldorf.
- Was ist die Scharf Collection?
- Warum diese Ausstellung der Scharf Collection etwas Besonderes ist
- Mehr als Impressionismus: Goya als Ausgangspunkt
- Die Highlights der Ausstellung der Scharf Collection
- Von Impressionismus bis Gegenwart
- The Scharf Collection – Ein Rundgang durch elf Räume
- Warum Du die Ausstellung der Scharf Collection sehen solltest
- Praktische Informationen für Deinen Besuch
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Was ist die Scharf Collection?
Wenn Du den Namen Scharf bislang nicht kanntest, bist Du damit nicht allein. Das ging mir auch so. Obwohl zahlreiche Werke der Sammlung in den vergangenen Jahrzehnten als Leihgaben in internationalen Museen zu sehen waren, trat die Familie Scharf als Sammler lange Zeit bewusst nicht öffentlich in Erscheinung.
Die Wurzeln der Sammlung reichen zurück bis zum Berliner Unternehmer Otto Gerstenberg (1848–1935), der um 1900 begann, Kunst auf höchstem Niveau zu sammeln. Seine Leidenschaft für die französische Moderne legte den Grundstein für eine Sammlung, die über mehrere Generationen hinweg erweitert wurde. Nach den Verlusten und Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs gelang es der Familie, einen großen Teil der Werke zu bewahren und weiterzuführen.
Heute führen René und Christiane Scharf diesen Teil der Sammlung bereits in vierter Generation fort. Besonders spannend finde ich, dass die Sammlung nicht bei Monet und Matisse endet, sondern bis in die Gegenwart hinein weitergedacht wird. Immer wieder ergänzt und verdichtet durch Schlüsselwerke.

Foto: Anne Orthen
Doch mit Otto Gerstenberg begann auch die Verbindung zum Kunstpalast Düsseldorf. Gerstenberg war Geschäftsführer der Victoria-Versicherung in Berlin. Nach seinem Tod und dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Victoria nach Düsseldorf und hat heute ihren Sitz als Ergo-Versicherung in unmittelbarer Nähe zum Kunstpalast.

Zwischen beiden herrscht seit Längerem ein partnerschaftliches Verhältnis. Oftmals ist die Ergo auch Sponsor – so auch bei dieser Ausstellung. Dadurch fand auch die einzige Leihgabe der Ausstellung – ein Porträt von Gerstendorf, gezeichnet von Max Liebermann – erstmals ihren Weg in eine Ausstellung. Der Leihweg ist aber auch mit etwa 100 m sehr kurz und versichert ist es sicherlich auch direkt.
Warum diese Ausstellung der Scharf Collection etwas Besonderes ist
Schon die Namen im Titel lassen aufhorchen. Doch die Ausstellung lebt nicht allein von den prominenten Künstlern. Beeindruckend ist vor allem die Konsequenz, mit der sich über Jahrzehnte eine Sammlung entwickelt hat, ohne dabei kurzfristigen Trends zu folgen.
Nach ihrem großen Erfolg in der Berliner Alten Nationalgalerie mit rund 170.000 Besucherinnen und Besuchern kam die Ausstellung Mitte März 2026 nun nach Düsseldorf. Für den Kunstpalast wurde sie sogar erweitert: Mehr als 60 zusätzliche Werke sind hinzugekommen, manche davon exklusiv gezeigt, darunter Arbeiten von Edgar Degas, Henri Matisse sowie Grafiken von Toulouse-Lautrec. Die Düsseldorfer Station bietet damit einen noch umfassenderen Einblick in die Scharf Collection.
Was mir besonders gefallen hat: Die Ausstellung wirkt nie wie eine bloße Aneinanderreihung berühmter Namen. Stattdessen erzählt sie eine Geschichte darüber, wie sich Kunst und Sammlung weiterentwickeln und Künstlerinnen und Künstler über Generationen hinweg miteinander in Beziehung stehen.

Lesetipp: Katalog zur Ausstellung
Weitere Informationen und alle in der Sammlung vorkommenden Gemälde und Skulpturen finden sich im Katalog. Den gibt es im Museumshop oder online, u.a. bei amazon* zu kaufen.
Mehr als Impressionismus: Goya als Ausgangspunkt
Wer den Ausstellungstitel liest, erwartet vor allem Impressionismus und Moderne. Umso spannender fand ich, dass die Reise eigentlich schon deutlich früher beginnt. Werke von Francisco de Goya machen sichtbar, dass die Scharf Collection ihre Wurzeln im europäischen 19. Jahrhundert hat und nicht erst mit den französischen Impressionisten Monet oder Cézanne einsetzt.
Gerade Goyas Arbeiten zeigen, wie sich die Malerei Schritt für Schritt von traditionellen Bildwelten löste und den Weg für die Moderne bereitmachte. Dadurch wirken die späteren Werke von Monet, Degas oder Matisse nicht wie ein plötzlicher Bruch, sondern als Teil einer kontinuierlichen Entwicklung. Mir hat dieser kunsthistorische Spannungsbogen besonders gut gefallen, weil er der Ausstellung zusätzliche Tiefe verleiht.

Besonders gelungen fand ich in diesem Raum auch die zahlreichen Bilder und Statuen von Honoré Daumier. Auch fand ich hier mein Lieblingsbild der ganzen Ausstellung, Die lachende Spinne von Odilon Redon (1887).




Die Highlights der Ausstellung der Scharf Collection
Monets berühmte Waterloo Bridge
Zu den absoluten Höhepunkten gehört für mich Claude Monets Waterloo Bridge aus dem Jahr 1903. Das Gemälde stammt aus einer Serie von rund vierzig Ansichten der Londoner Brücke, die Monet unter unterschiedlichen Licht- und Wetterbedingungen zwischen 1900 und 1904 malte.

Cézanne als Wegbereiter der Klassischen Moderne
Paul Cézanne ist mit mehreren Werken vertreten und zeigt eindrucksvoll, warum er als einer der wichtigsten Wegbereiter des Postimpressionismus gilt. Seine Landschaften wirken auf den ersten Blick ruhig und vertraut, offenbaren aber bei genauerem Hinsehen eine völlig neue Auffassung von Raum und Form. Keiner fasste die Landschaftsmalerei so radikal auf wie er.
Ich wollte aus dem Impressionismus etwas Solides und Dauerhaftes machen wie die Kunst der Museen.
Paul Cézanne

mittig: Haus mit rotem Dach/Jas de Bouffan (1887-1890), Öl auf Leinwand
rechts: Landschaft in der Provence (1895-1897)
Gerade im Kontext der Ausstellung wird sichtbar, wie stark spätere Künstlergenerationen von seinen Ideen profitiert haben. Seine Experimente mit Form und Materialität waren wegweisend für die Klassische Moderne. Für mich gehören die Cézanne-Werke zu den stilleren, aber nachhaltigsten Begegnungen der Ausstellung.
Matisse und das legendäre „Jazz“
Ein weiteres Highlight ist das Künstlerbuch Jazz von Henri Matisse aus dem Jahr 1947. Die berühmten Papierschnitte zählen zu den Ikonen der Moderne und wirken auch heute noch erstaunlich frisch.

Besonders das Blatt Ikarus (Tafel 8, links oben) zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Obwohl die Motive auf wenige Formen reduziert sind, entfalten sie eine enorme Wirkung. Mir hat gefallen, wie modern und zeitlos diese Arbeiten auch fast achtzig Jahre nach ihrer Entstehung wirken.
Besonders beeindruckt haben mich aber auch die Auseinandersetzungen Matisses mit dem weiblichen Körper. Sein bevorzugtes Modell dafür war die Künstlerin Henriette Darricarrière, die oft stundenlang für Kohle- und Tuschezeichnungen in den Posen verharren musste.

Mitte: Akt mit blauem Kissen neben einem Kamin (1925)
links: Akt mit blauem Kissen/Akt auf einem Sessel (1924)
Lithographien auf Papier
Daneben hängt ein Werk, das gleichermaßen schön ist, aber mit seinem Namen verwirrt: Die Mulattin (1938), Kohlezeichnung auf Papier.

Das Museum sowie der Audioguide bieten jedoch eine gute Einordnung. Denn der Begriff „Mulattin“ ist rassistisch und diskriminierend. Der Titel stammt aus der Entstehungszeit des Werks und spiegelt den Sprachgebrauch jener Zeit wider. In der kunsthistorischen Forschung wurde er stets beibehalten.
Toulouse-Lautrec, Bonnard und Degas
Neben den bekannten Publikumsmagneten lohnt es sich, auch den vermeintlichen Nebenfiguren Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders beeindruckt hat mich die Präsentation von Henri de Toulouse-Lautrec. Seine Plakate und Grafiken vermitteln ein lebendiges Bild des Pariser Nachtlebens am Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere des Rotlichtmilieus.

Außerdem vereint keine andere Sammlung so viele Werke von ihm wie The Scharf Collection. Gerstenberg erwarb fast die gesamte Druckgrafik Toulouse-Lautrecs. Berühmt wurde der Künstler vor allem mit seinen innovativen Plakaten in leuchtenden Farben und der Darstellung von Bühnenkünstler:innen, denen er zu Ruhm verhalf und damit früh den Starkult prägte.

Ebenso sehenswert ist die Malerei Pierre Bonnards. Sein Gemälde Die große Badewanne besitzt eine Intimität, die viele Besucherinnen und Besucher lange vor dem Bild verweilen lässt.

Unweit davon findest Du eines der Bilder aus René und Christiane Scharfs gemeinsamer Sammlung zeitgenössischer Werke, das unmittelbar auf die historische Sammlung verweist: Mel Ramos’ Bonnard’s Bath.

Hinzu kommen Arbeiten von Edgar Degas, die in Düsseldorf teilweise exklusiv gezeigt werden. Darunter finden sich Motive, die sich durch die Ausstellung ziehen: Frauenkörper. Der weibliche Körper spielte in der französischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts eine große Rolle. So auch bei Degas, der sie auf der Bühne, dahinter und bei intimen Tätigkeiten beobachtend malte.

Dem gegenübergestellt wurden Plastiken seines jüngeren Künstlerkollegen Aristide Maillol, der Frauenkörper in ruhigen, harmonischen Posen festhielt.



Der Einfluss Japans auf die Moderne
Ein kleines Highlight sind für mich auch die japanischen Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts, die eigens für die Düsseldorfer Ausstellung ergänzt wurden. Auf den ersten Blick wirken sie wie ein Exkurs, tatsächlich erzählen sie jedoch eine zentrale Geschichte der europäischen Kunst.

Als sich Japan Mitte des 19. Jahrhunderts nach Jahrhunderten der Abschottung öffnete, entdeckten viele europäische Künstler die japanischen Druckgrafiken für sich. Die flächigen Farbkompositionen, ungewöhnlichen Bildausschnitte und klaren Konturen beeinflussten unter anderem Monet, Degas, Toulouse-Lautrec und Bonnard nachhaltig. Vergleichst Du die Holzschnitte und die Gemälde in der Ausstellung miteinander, erkennst Du erstaunlich viele Parallelen.
Von Impressionismus bis Gegenwart
Wer bei der Scharf Collection ausschließlich an den Impressionismus denkt, wird überrascht sein. Die Ausstellung endet nicht mit Matisse oder Bonnard.
Kubismus und der Blick nach Spanien
Dabei spielt Pablo Picasso eine wichtige Rolle. Seine Werke markieren den Übergang vom Postimpressionismus zu einer völlig neuen Bildsprache, die schließlich im Kubismus mündete.

Spannend finde ich, dass sich in der Ausstellung nachvollziehen lässt, wie eng die europäischen Kunstströmungen miteinander verbunden waren. Französische und spanische Künstler beeinflussten einander, griffen Ideen auf und entwickelten sie weiter. Bereits Francisco de Goya legte mit seiner freien, oft unkonventionellen Malweise den Grundstein für spätere Generationen. Picasso wiederum führte diese Erneuerung konsequent fort und prägte gemeinsam mit Künstlern wie Georges Braque und Fernand Léger den Kubismus – eine Stilrichtung, die den Blick auf die Malerei grundlegend veränderte.

Zeitgenössische Kunst in der Scharf Collection
René und Christiane Scharf haben die Sammlung um Positionen der klassischen Moderne, des Abstrakten Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst erweitert. Werke von Sam Francis, Sean Scully, Robert Longo oder Katharina Grosse schlagen die Brücke ins 20. und 21. Jahrhundert.



Gerade dieser Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen hat mich überzeugt. Die Ausstellung macht deutlich, dass künstlerische Innovation selten aus dem Nichts entsteht. Vielmehr entwickeln sich Ideen weiter, werden aufgegriffen, verändert und neu interpretiert. Auch wenn der letzte Raum absolut nicht meinem Geschmack entspricht. Aber der ist ja bekanntlich subjektiv. Martin Eders Werke sind für mich der reinste Fiebertraum.

The Scharf Collection – Ein Rundgang durch elf Räume
Die Ausstellung erstreckt sich über elf Räume und folgt einer chronologischen Struktur. Das klingt zunächst klassisch, funktioniert aber erstaunlich gut.
Statt einer reinen Zeitleiste entsteht ein Dialog zwischen den Werken. Immer wieder lassen sich Verbindungen zwischen Künstlern, Epochen und Stilrichtungen entdecken. Genau diese Querverweise gehören für mich zu den spannendsten Aspekten des Rundgangs.
Ich empfehle deshalb, genügend Zeit mitzubringen. Wenn Du Dich auf die Ausstellung einlässt, wirst Du vermutlich länger bleiben als ursprünglich geplant.
Warum Du die Ausstellung der Scharf Collection sehen solltest
„Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ ist für mich eine der interessantesten Ausstellungen, die der Kunstpalast in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Natürlich ziehen die großen Namen wie Monet, Cézanne oder Matisse die Aufmerksamkeit auf sich. Was mich jedoch mindestens ebenso begeistert hat, ist die Geschichte hinter der Sammlung selbst: die Leidenschaft einer Familie, die über vier Generationen hinweg Kunst gesammelt, bewahrt und weiterentwickelt hat. Die die Werke ganz normal in ihrem Haus hängen haben, im Wohnzimmer, in der Küche und ständig mit den Kunstwerken, die Geschichte schrieben, leben.

Besonders gefallen hat mir, dass die Ausstellung nicht nur Meisterwerke präsentiert, sondern auch Zusammenhänge sichtbar macht. Der chronologische Rundgang zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler voneinander lernen, Ideen weiterentwickeln und neue Wege einschlagen. Dadurch entsteht weit mehr als eine klassische Impressionismus-Schau.
Ich empfehle, für den Besuch ausreichend Zeit einzuplanen und nicht nur auf die bekanntesten Werke zu achten. Gerade die weniger prominenten Positionen und die Dialoge zwischen den Epochen machen den Reiz der Ausstellung aus. Du interessierst Dich für die Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts? Dann solltest Du Dir diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Praktische Informationen für Deinen Besuch
Monet – Cézanne – Matisse
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Website
📅 Laufzeit: 12. März bis 09. August 2026
⏰ Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr
Donnerstag: 11-21 Uhr
Montags geschlossen
🎟️ Eintritt: ab 16 €, eermäßigt12 Euro
Kinder/Jugendliche unter 18 Jahren: frei
🎧 Audioguide: 45 Minuten, knapp 3 Euro
Stand: Juni 2026
Für Familien gibt es außerdem ein kostenloses Entdeckerheft für Kinder ab sechs Jahren. Wer tiefer in die Sammlung eintauchen möchte, kann den Audioguide nutzen, der neben kunsthistorischen Informationen auch persönliche Einblicke des Sammlers René Scharf bietet. Bis zum Ende der Ausstellung steht der Audioguide in der Kunstpalast-App zum Download bereit – für 2,99 Euro.
Fotos: Diese und viele weitere Fotos findest Du zur Inspiration auf Flickr. Die Fotos unterliegen, sofern nicht anders angegeben, meinem Urheberrecht. Die Rechte an den Kunstwerken liegen ggf. bei den jeweiligen Künstler:innen bzw. ihren Nachfahren, die Rechte an Hängung und Gestaltung liegen beim Kunstpalast.
Offenlegung: Ich war als Teil der Presse zur Pressekonferenz eingeladen und konnte die Ausstellung vorab am 11. März 2026 kostenfrei besichtigen. Meine Meinung bleibt davon unbeeindruckt. Fahrtkosten nach Düsseldorf habe ich selbst getragen.





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