An einer blauen Wand ist neben einem Text, der in fetten goldenen Buchstaben lautet: „Monet, Cézanne, Matisse – Die Scharf-Sammlung“, ein großes Gemälde mit abstrakten Blumenmotiven zu sehen. Die Szene ist sanft beleuchtet, wodurch die Namen und das Kunstwerk besonders hervorgehoben werden.

Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection, Kunstpalast Düsseldorf

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Mit der Ausstellung „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ präsentiert der Kunstpalast Düsseldorf vom 12. März bis 9. August 2026 erstmals eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen französischer Kunst der Öffentlichkeit. Rund 180 Exponate führen durch mehr als zwei Jahrhunderte Kunstgeschichte und versammeln Meisterwerke von Claude Monet, Paul Cézanne, Pierre-Auguste Renoir, Henri Matisse, Pierre Bonnard und vielen weiteren Wegbereitern der Moderne.

Die Scharf Collection blieb lange Zeit weitgehend verborgen und war nur durch vereinzelte Leihgaben bekannt. Nun ermöglicht die Ausstellung einen seltenen Einblick in eine Sammlung, die über vier Generationen hinweg gewachsen ist und den Bogen vom französischen Impressionismus über die klassische Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst spannt. Für mich gehört sie schon jetzt zu den spannendsten Ausstellungen des Kulturjahres 2026 in Düsseldorf.

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Was ist die Scharf Collection?

Wenn Du den Namen Scharf bislang nicht kanntest, bist Du damit nicht allein. Das ging mir auch so. Obwohl zahlreiche Werke der Sammlung in den vergangenen Jahrzehnten als Leihgaben in internationalen Museen zu sehen waren, trat die Familie Scharf als Sammler lange Zeit bewusst nicht öffentlich in Erscheinung.

Die Wurzeln der Sammlung reichen zurück bis zum Berliner Unternehmer Otto Gerstenberg (1848–1935), der um 1900 begann, Kunst auf höchstem Niveau zu sammeln. Seine Leidenschaft für die französische Moderne legte den Grundstein für eine Sammlung, die über mehrere Generationen hinweg erweitert wurde. Nach den Verlusten und Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs gelang es der Familie, einen großen Teil der Werke zu bewahren und weiterzuführen.

Heute führen René und Christiane Scharf diesen Teil der Sammlung bereits in vierter Generation fort. Besonders spannend finde ich, dass die Sammlung nicht bei Monet und Matisse endet, sondern bis in die Gegenwart hinein weitergedacht wird. Immer wieder ergänzt und verdichtet durch Schlüsselwerke.

Eine Frau in schwarzer Kleidung mit einem leuchtend rosa Schal und ein Mann im Anzug mit einem blauen Schal stehen in einer Kunstgalerie. Hinter ihnen ist ein großes, farbenfrohes abstraktes Gemälde zu sehen; im Vordergrund steht eine verschwommene abstrakte Skulptur.
René und Christiane Scharf.
Foto: Anne Orthen

Doch mit Otto Gerstenberg begann auch die Verbindung zum Kunstpalast Düsseldorf. Gerstenberg war Geschäftsführer der Victoria-Versicherung in Berlin. Nach seinem Tod und dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Victoria nach Düsseldorf und hat heute ihren Sitz als Ergo-Versicherung in unmittelbarer Nähe zum Kunstpalast.

An einer blauen Wand hängt ein gerahmtes Porträt eines älteren Mannes in einem dunklen Anzug. Er hat graues Haar, trägt eine Brille und hat die Hände im Schoß gefaltet. Der Rahmen ist verziert und goldfarben. Darunter ist auf einer flachen blauen Fläche eine Tafel mit einem Museumstext angebracht.
Bildnis Generaldirektor Otto Gerstenberg – Max Liebermann, 1919, Öl auf Leinwand, 93 × 73 cm, ERGO Group AG

Zwischen beiden herrscht seit Längerem ein partnerschaftliches Verhältnis. Oftmals ist die Ergo auch Sponsor – so auch bei dieser Ausstellung. Dadurch fand auch die einzige Leihgabe der Ausstellung – ein Porträt von Gerstendorf, gezeichnet von Max Liebermann – erstmals ihren Weg in eine Ausstellung. Der Leihweg ist aber auch mit etwa 100 m sehr kurz und versichert ist es sicherlich auch direkt.

Warum diese Ausstellung der Scharf Collection etwas Besonderes ist

Schon die Namen im Titel lassen aufhorchen. Doch die Ausstellung lebt nicht allein von den prominenten Künstlern. Beeindruckend ist vor allem die Konsequenz, mit der sich über Jahrzehnte eine Sammlung entwickelt hat, ohne dabei kurzfristigen Trends zu folgen.

Nach ihrem großen Erfolg in der Berliner Alten Nationalgalerie mit rund 170.000 Besucherinnen und Besuchern kam die Ausstellung Mitte März 2026 nun nach Düsseldorf. Für den Kunstpalast wurde sie sogar erweitert: Mehr als 60 zusätzliche Werke sind hinzugekommen, manche davon exklusiv gezeigt, darunter Arbeiten von Edgar Degas, Henri Matisse sowie Grafiken von Toulouse-Lautrec. Die Düsseldorfer Station bietet damit einen noch umfassenderen Einblick in die Scharf Collection.

Was mir besonders gefallen hat: Die Ausstellung wirkt nie wie eine bloße Aneinanderreihung berühmter Namen. Stattdessen erzählt sie eine Geschichte darüber, wie sich Kunst und Sammlung weiterentwickeln und Künstlerinnen und Künstler über Generationen hinweg miteinander in Beziehung stehen.

Ein gebundenes Buch mit dem Titel „Monet Cézanne Matisse: The Scharf Collection“ liegt auf einer dunklen Oberfläche. Den grünen Einband zieren ein auffälliger gelber Schriftzug und ein farbenfrohes impressionistisches Gemälde mit Blumen in einer Vase.

Lesetipp: Katalog zur Ausstellung

Weitere Informationen und alle in der Sammlung vorkommenden Gemälde und Skulpturen finden sich im Katalog. Den gibt es im Museumshop oder online, u.a. bei amazon* zu kaufen.

Mehr als Impressionismus: Goya als Ausgangspunkt

Wer den Ausstellungstitel liest, erwartet vor allem Impressionismus und Moderne. Umso spannender fand ich, dass die Reise eigentlich schon deutlich früher beginnt. Werke von Francisco de Goya machen sichtbar, dass die Scharf Collection ihre Wurzeln im europäischen 19. Jahrhundert hat und nicht erst mit den französischen Impressionisten Monet oder Cézanne einsetzt.

Gerade Goyas Arbeiten zeigen, wie sich die Malerei Schritt für Schritt von traditionellen Bildwelten löste und den Weg für die Moderne bereitmachte. Dadurch wirken die späteren Werke von Monet, Degas oder Matisse nicht wie ein plötzlicher Bruch, sondern als Teil einer kontinuierlichen Entwicklung. Mir hat dieser kunsthistorische Spannungsbogen besonders gut gefallen, weil er der Ausstellung zusätzliche Tiefe verleiht.

Zehn gerahmte Schwarz-Weiß-Kunstwerke der Scharf Collection sind in zwei Reihen an einer dunkelblaugrünen Wand ausgestellt. Jeder Rahmen enthält eine kleine Illustration mit breitem weißem Passepartout. Rechts neben den Rahmen sind Texttafeln mit Beschreibungen angebracht. Die Szene ist gut beleuchtet und minimalistisch gestaltet.
Francisco de Goya, Drucke um 1855 bzw. 1863

Besonders gelungen fand ich in diesem Raum auch die zahlreichen Bilder und Statuen von Honoré Daumier. Auch fand ich hier mein Lieblingsbild der ganzen Ausstellung, Die lachende Spinne von Odilon Redon (1887).

Die Highlights der Ausstellung der Scharf Collection

Monets berühmte Waterloo Bridge

Zu den absoluten Höhepunkten gehört für mich Claude Monets Waterloo Bridge aus dem Jahr 1903. Das Gemälde stammt aus einer Serie von rund vierzig Ansichten der Londoner Brücke, die Monet unter unterschiedlichen Licht- und Wetterbedingungen zwischen 1900 und 1904 malte.

An einer dunkelgrauen Wand in einem Museum hängen zwei gerahmte impressionistische Gemälde der Scharf Collection. Das linke Bild zeigt eine Küstenklippe, während das rechte eine im Dunst verschleierte Brücke über einen Fluss darstellt. Unter jedem Gemälde sind Informationstafeln angebracht.
rechts: Claude Monet (1840-1926) Waterloo Bridge, 1903, Öl auf Leinwand

Cézanne als Wegbereiter der Klassischen Moderne

Paul Cézanne ist mit mehreren Werken vertreten und zeigt eindrucksvoll, warum er als einer der wichtigsten Wegbereiter des Postimpressionismus gilt. Seine Landschaften wirken auf den ersten Blick ruhig und vertraut, offenbaren aber bei genauerem Hinsehen eine völlig neue Auffassung von Raum und Form. Keiner fasste die Landschaftsmalerei so radikal auf wie er.

Ich wollte aus dem Impressionismus etwas Solides und Dauerhaftes machen wie die Kunst der Museen.

Paul Cézanne
Ein Museumsraum mit drei gerahmten Kunstwerken der Scharf Collection an einer grauen Wand: zwei farbenfrohe Landschaftsbilder im impressionistischen Stil und eine Schwarz-Weiß-Skizze. Unter jedem Kunstwerk befindet sich eine Erläuterungstafel auf einer schlichten, hellgrauen Bank, die entlang der Wand verläuft.
links: Paul Cézanne, Flusslandschaft mit Häusern (circa 1904), Öl auf Leinwand
mittig: Haus mit rotem Dach/Jas de Bouffan (1887-1890), Öl auf Leinwand
rechts: Landschaft in der Provence (1895-1897)

Gerade im Kontext der Ausstellung wird sichtbar, wie stark spätere Künstlergenerationen von seinen Ideen profitiert haben. Seine Experimente mit Form und Materialität waren wegweisend für die Klassische Moderne. Für mich gehören die Cézanne-Werke zu den stilleren, aber nachhaltigsten Begegnungen der Ausstellung.

Matisse und das legendäre „Jazz“

Ein weiteres Highlight ist das Künstlerbuch Jazz von Henri Matisse aus dem Jahr 1947. Die berühmten Papierschnitte zählen zu den Ikonen der Moderne und wirken auch heute noch erstaunlich frisch.

An einer dunkelblauen Galeriewand hängen vier gerahmte abstrakte Kunstwerke der Scharf Collection, die in einem 2×2-Raster angeordnet sind. Rechts wird ein einzelnes Kunstwerk aus der Ferne von einem Scheinwerfer angestrahlt. Die Galeriebeleuchtung wirft sanfte Schatten und bringt die Farben und Formen der ausgestellten Kunstwerke besonders gut zur Geltung.
Bilder aus “Jazz” (Tafel 7, 8, 16 und 18) von Henri Matisse (1947), Schablonendruck auf Papier

Besonders das Blatt Ikarus (Tafel 8, links oben) zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Obwohl die Motive auf wenige Formen reduziert sind, entfalten sie eine enorme Wirkung. Mir hat gefallen, wie modern und zeitlos diese Arbeiten auch fast achtzig Jahre nach ihrer Entstehung wirken.

Besonders beeindruckt haben mich aber auch die Auseinandersetzungen Matisses mit dem weiblichen Körper. Sein bevorzugtes Modell dafür war die Künstlerin Henriette Darricarrière, die oft stundenlang für Kohle- und Tuschezeichnungen in den Posen verharren musste.

An einer dunkelblauen Wand hängen drei gerahmte Schwarz-Weiß-Zeichnungen einer nackten Frau, die auf einem gemusterten Sessel liegt. Jedes Kunstwerk weist leichte Abweichungen in der Pose der Frau und den Details des Hintergrunds auf. Die Rahmen sind schlicht und mit weißen Passepartouts versehen.
rechts: Große Odaliske in gestreiften Pentalons (1925)
Mitte: Akt mit blauem Kissen neben einem Kamin (1925)
links: Akt mit blauem Kissen/Akt auf einem Sessel (1924)
Lithographien auf Papier

Daneben hängt ein Werk, das gleichermaßen schön ist, aber mit seinem Namen verwirrt: Die Mulattin (1938), Kohlezeichnung auf Papier.

An einer dunkelblauen Wand hängt eine gerahmte Schwarz-Weiß-Skizze einer liegenden nackten Figur. Neben dema Kunstwerk ist eine kleine Tafel mit einer Beschreibung angebracht, die Informationen zum Werk und zum Künstler enthält.
Henri Matisse, Die Mulattin (1938), Kohlezeichnung auf Papier

Das Museum sowie der Audioguide bieten jedoch eine gute Einordnung. Denn der Begriff „Mulattin“ ist rassistisch und diskriminierend. Der Titel stammt aus der Entstehungszeit des Werks und spiegelt den Sprachgebrauch jener Zeit wider. In der kunsthistorischen Forschung wurde er stets beibehalten.

Toulouse-Lautrec, Bonnard und Degas

Neben den bekannten Publikumsmagneten lohnt es sich, auch den vermeintlichen Nebenfiguren Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders beeindruckt hat mich die Präsentation von Henri de Toulouse-Lautrec. Seine Plakate und Grafiken vermitteln ein lebendiges Bild des Pariser Nachtlebens am Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere des Rotlichtmilieus.

An einer dunklen Galeriewand hängen zwölf gerahmte Vintage-Plakate aus der Scharf Collection mit farbenfrohen Illustrationen und französischen Texten. Die Plakate zeigen Tänzer, Musiker und lebhafte Szenen. Vor der Wand steht auf dem glänzenden Boden eine schlichte Holzbank.
Plakate von Toulouse-Lautrec

Außerdem vereint keine andere Sammlung so viele Werke von ihm wie The Scharf Collection. Gerstenberg erwarb fast die gesamte Druckgrafik Toulouse-Lautrecs. Berühmt wurde der Künstler vor allem mit seinen innovativen Plakaten in leuchtenden Farben und der Darstellung von Bühnenkünstler:innen, denen er zu Ruhm verhalf und damit früh den Starkult prägte.

An einer dunklen Wand hängen zwei gerahmte Kunstwerke. Der linke Rahmen zeigt eine Bleistiftskizze einer Frau, die sich den Kopf hält, während der rechte Rahmen ein farbenfrohes Poster derselben Frau mit der Aufschrift „Jane Avril“ zeigt, die wallendes rotes Haar und ein auffälliges schwarz-orangefarbenes Kleid trägt.
Henri de Toulouse-Lautrec, Jane Avril, Vorzeichnung und Zustand II (1899), Lithografie auf Plakatpapier

Ebenso sehenswert ist die Malerei Pierre Bonnards. Sein Gemälde Die große Badewanne besitzt eine Intimität, die viele Besucherinnen und Besucher lange vor dem Bild verweilen lässt.

In einer durchsichtigen Vitrine steht eine dunkelbronzefarbene Frauenstatue. Dahinter hängen zwei gerahmte Gemälde an einer tiefblauen Wand; das eine ist ein abstraktes Bild mit wirbelnden Farben, das eine Frau in einer Badewanne zeigt, das andere eine Landschaft. Die Galerie ist schwach beleuchtet, wodurch die Kunstwerke besonders gut zur Geltung kommen.
Rechts im Hintergrund: Pierre Bonnard, Die große Badwanne (1937-1939), Öl auf Leinwand

Unweit davon findest Du eines der Bilder aus René und Christiane Scharfs gemeinsamer Sammlung zeitgenössischer Werke, das unmittelbar auf die historische Sammlung verweist: Mel Ramos’ Bonnard’s Bath.

Eine Person mit einer Umhängetasche geht durch eine Kunstgalerie mit violetten und blauen Wänden. An beiden Wänden hängen gerahmte Kunstwerke der Scharf Collection; an der blauen Wand ist ein großes Gemälde einer liegenden nackten Figur zu sehen, während an der violetten Wand drei kleinere gerahmte Bilder hängen.
Mel Ramos, Bonnard’s Bath (1979), Lithografie auf Papier

Hinzu kommen Arbeiten von Edgar Degas, die in Düsseldorf teilweise exklusiv gezeigt werden. Darunter finden sich Motive, die sich durch die Ausstellung ziehen: Frauenkörper. Der weibliche Körper spielte in der französischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts eine große Rolle. So auch bei Degas, der sie auf der Bühne, dahinter und bei intimen Tätigkeiten beobachtend malte.

Ein gerahmtes Pastellbild zeigt eine nackte Figur, die sitzt, sich nach vorne beugt und ihr langes Haar kämmt. Im Hintergrund sind rote vertikale Linien zu sehen. Das Gemälde, das an einer tief burgunderroten Wand hängt, trägt rechts ein Museumsetikett mit weißer Beschriftung.
Edgar Degas, Sich kämmender Akt (1886-1890), Kohle, Pastellkreiden auf Papier

Dem gegenübergestellt wurden Plastiken seines jüngeren Künstlerkollegen Aristide Maillol, der Frauenkörper in ruhigen, harmonischen Posen festhielt.

Der Einfluss Japans auf die Moderne

Ein kleines Highlight sind für mich auch die japanischen Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts, die eigens für die Düsseldorfer Ausstellung ergänzt wurden. Auf den ersten Blick wirken sie wie ein Exkurs, tatsächlich erzählen sie jedoch eine zentrale Geschichte der europäischen Kunst.

An einer violetten Wand hängen vier gerahmte japanische Holzschnitte in einem Raster. Jeder Druck aus der Scharf Collection zeigt traditionelle Szenen, darunter einen großen Karpfen-Drachen, eine Brücke, ein Feuerwerk und ein Fest. Rechts davon ist eine beschreibende Tafel mit weißer Beschriftung angebracht.
Utagawa Hiroshige, vier verschiedene Grafiken (von 1856-1858), Farbholzschnitt auf Papier

Als sich Japan Mitte des 19. Jahrhunderts nach Jahrhunderten der Abschottung öffnete, entdeckten viele europäische Künstler die japanischen Druckgrafiken für sich. Die flächigen Farbkompositionen, ungewöhnlichen Bildausschnitte und klaren Konturen beeinflussten unter anderem Monet, Degas, Toulouse-Lautrec und Bonnard nachhaltig. Vergleichst Du die Holzschnitte und die Gemälde in der Ausstellung miteinander, erkennst Du erstaunlich viele Parallelen.

Von Impressionismus bis Gegenwart

Wer bei der Scharf Collection ausschließlich an den Impressionismus denkt, wird überrascht sein. Die Ausstellung endet nicht mit Matisse oder Bonnard.

Kubismus und der Blick nach Spanien

Dabei spielt Pablo Picasso eine wichtige Rolle. Seine Werke markieren den Übergang vom Postimpressionismus zu einer völlig neuen Bildsprache, die schließlich im Kubismus mündete.

In einer modernen Kunstgalerie ist links eine abstrakte Holzskulptur in einer durchsichtigen Vitrine ausgestellt, rechts ein gerahmtes kubistisches Gemälde mit geometrischen Formen und gedeckten Farben; beide Werke der Scharf Collection sind vor einer schlichten grauen Wand zu sehen.
rechts: Pablo Picasso, Gitarre und Notenblatt (1912)

Spannend finde ich, dass sich in der Ausstellung nachvollziehen lässt, wie eng die europäischen Kunstströmungen miteinander verbunden waren. Französische und spanische Künstler beeinflussten einander, griffen Ideen auf und entwickelten sie weiter. Bereits Francisco de Goya legte mit seiner freien, oft unkonventionellen Malweise den Grundstein für spätere Generationen. Picasso wiederum führte diese Erneuerung konsequent fort und prägte gemeinsam mit Künstlern wie Georges Braque und Fernand Léger den Kubismus – eine Stilrichtung, die den Blick auf die Malerei grundlegend veränderte.

An einer grauen Wand hängen zwei gerahmte abstrakte Gemälde. Das linke Gemälde zeigt dunkle Formen und etwas, das wie eine Geige aussieht. Das rechte Gemälde ist farbenfroher und zeigt geometrische Formen, etwas, das an Maschinen erinnert, sowie das Wort „COME...“ in roter Schrift.
links: Juan Gris, Die Gitarre (1916), rechts: Fernand Léger, Haus mit Hund (1921)

Zeitgenössische Kunst in der Scharf Collection

René und Christiane Scharf haben die Sammlung um Positionen der klassischen Moderne, des Abstrakten Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst erweitert. Werke von Sam Francis, Sean Scully, Robert Longo oder Katharina Grosse schlagen die Brücke ins 20. und 21. Jahrhundert.

Gerade dieser Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen hat mich überzeugt. Die Ausstellung macht deutlich, dass künstlerische Innovation selten aus dem Nichts entsteht. Vielmehr entwickeln sich Ideen weiter, werden aufgegriffen, verändert und neu interpretiert. Auch wenn der letzte Raum absolut nicht meinem Geschmack entspricht. Aber der ist ja bekanntlich subjektiv. Martin Eders Werke sind für mich der reinste Fiebertraum.

In einem Ausstellungsraum ist eine vielschichtige, abstrakte Holzskulptur auf einem Sockel zu sehen. Dahinter hängen zwei farbenfrohe Gemälde: eines zeigt ein Kätzchen in einer kosmischen Szenerie, das andere eine Person, die mit einem Vogel  und einer Landschaft im Hintergrund aus einem lebhaften, surrealen Fenster blickt.
links: Martin Eder, Narzissus (2020), rechts: Martin Eder, The Unknowable (2018/19), Öl auf Leinwand, Mitte: Tony Cragg, Pool (2012)

The Scharf Collection – Ein Rundgang durch elf Räume

Die Ausstellung erstreckt sich über elf Räume und folgt einer chronologischen Struktur. Das klingt zunächst klassisch, funktioniert aber erstaunlich gut.

Statt einer reinen Zeitleiste entsteht ein Dialog zwischen den Werken. Immer wieder lassen sich Verbindungen zwischen Künstlern, Epochen und Stilrichtungen entdecken. Genau diese Querverweise gehören für mich zu den spannendsten Aspekten des Rundgangs.

Ich empfehle deshalb, genügend Zeit mitzubringen. Wenn Du Dich auf die Ausstellung einlässt, wirst Du vermutlich länger bleiben als ursprünglich geplant.

Warum Du die Ausstellung der Scharf Collection sehen solltest

„Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ ist für mich eine der interessantesten Ausstellungen, die der Kunstpalast in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Natürlich ziehen die großen Namen wie Monet, Cézanne oder Matisse die Aufmerksamkeit auf sich. Was mich jedoch mindestens ebenso begeistert hat, ist die Geschichte hinter der Sammlung selbst: die Leidenschaft einer Familie, die über vier Generationen hinweg Kunst gesammelt, bewahrt und weiterentwickelt hat. Die die Werke ganz normal in ihrem Haus hängen haben, im Wohnzimmer, in der Küche und ständig mit den Kunstwerken, die Geschichte schrieben, leben.

An einer dunkelgrauen Wand in einem Museum hängen drei gerahmte impressionistische Gemälde aus der Scharf Collection mit kunstvollen Goldrahmen. Unter jedem Gemälde befinden sich auf einer Leiste weiße Informationstafeln, die den Besuchern die Kunstwerke beschreiben.
Wer würde nicht gerne Renoirs zuhause haben wollen?

Besonders gefallen hat mir, dass die Ausstellung nicht nur Meisterwerke präsentiert, sondern auch Zusammenhänge sichtbar macht. Der chronologische Rundgang zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler voneinander lernen, Ideen weiterentwickeln und neue Wege einschlagen. Dadurch entsteht weit mehr als eine klassische Impressionismus-Schau.

Ich empfehle, für den Besuch ausreichend Zeit einzuplanen und nicht nur auf die bekanntesten Werke zu achten. Gerade die weniger prominenten Positionen und die Dialoge zwischen den Epochen machen den Reiz der Ausstellung aus. Du interessierst Dich für die Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts? Dann solltest Du Dir diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Praktische Informationen für Deinen Besuch

Monet – Cézanne – Matisse

Kunstpalast Düsseldorf
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

Website

📅 Laufzeit: 12. März bis 09. August 2026
⏰ Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr
Donnerstag: 11-21 Uhr
Montags geschlossen
🎟️ Eintritt: ab 16 €, eermäßigt12 Euro
Kinder/Jugendliche unter 18 Jahren: frei
🎧 Audioguide: 45 Minuten, knapp 3 Euro

Stand: Juni 2026

Für Familien gibt es außerdem ein kostenloses Entdeckerheft für Kinder ab sechs Jahren. Wer tiefer in die Sammlung eintauchen möchte, kann den Audioguide nutzen, der neben kunsthistorischen Informationen auch persönliche Einblicke des Sammlers René Scharf bietet. Bis zum Ende der Ausstellung steht der Audioguide in der Kunstpalast-App zum Download bereit – für 2,99 Euro.


Fotos: Diese und viele weitere Fotos findest Du zur Inspiration auf Flickr. Die Fotos unterliegen, sofern nicht anders angegeben, meinem Urheberrecht. Die Rechte an den Kunstwerken liegen ggf. bei den jeweiligen Künstler:innen bzw. ihren Nachfahren, die Rechte an Hängung und Gestaltung liegen beim Kunstpalast.

Offenlegung: Ich war als Teil der Presse zur Pressekonferenz eingeladen und konnte die Ausstellung vorab am 11. März 2026 kostenfrei besichtigen. Meine Meinung bleibt davon unbeeindruckt. Fahrtkosten nach Düsseldorf habe ich selbst getragen.


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Romy

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund und arbeitet als Bloggerin und Freelancerin im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Übers Reisen regelmäßiger seit 2013. Wenn sie Zeit dazu findet.

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