Zwölf Kilometer Marlinger Waalweg und nur noch etwa eine Stunde Zeit: Das passte natürlich nicht wirklich zusammen. Trotzdem wollte ich Südtirol nicht verlassen, ohne wenigstens einen Teil des Marlinger Waalwegs gelaufen zu sein. Schließlich handelt es sich bei ihm um den längsten Waalweg Südtirols.
Gemeinsam mit Sepp Wolf, der mir viel über Marling und den Waalweg erzählte sowie in 7. Generation am Waalweg einen Hof bewirtschaftet, startete ich in der Nähe des Hotel Restaurants Waldea – auch als Waldschenke bekannt – auf etwa 475 Metern Höhe. Von dort liefen wir ein Stück auf dem Marlinger Waalweg oberhalb des Ortes entlang und kehrten anschließend auf demselben Weg zurück.
Die komplette Strecke habe ich bei diesem Besuch also nicht geschafft. Trotzdem reichte die Stunde aus, um einen ersten Eindruck zu gewinnen: Der Marlinger Waalweg verbindet traumhafte Aussichten mit überraschend viel Wissen über die historische Bewässerung im Meraner Land.
- Vom Algunder direkt zum Marlinger Waalweg
- Meine kurze Wanderung oberhalb von Marling
- Waalerhütte und Waalschellen: fast wie ein Lehrpfad
- Traumhafte Aussicht auf Marling und Meran
- Ist der Marlinger Waalweg für Anfänger geeignet?
- Einkehren an der Waldschenke und am Larchwalderhof
- Der Marlinger Waalweg auf einen Blick
- Nachhaltig und ohne Auto zum Marlinger Waalweg
- Ein Waalweg mit einem anderen Charakter
- FAQ zum Marlinger Waalweg
Vom Algunder direkt zum Marlinger Waalweg
Wenn Du meinen Beitrag über den Algunder Waalweg gelesen hast, kennst Du den Ausgangspunkt bei Töll bereits. Der Marlinger Waalweg beginnt dort quasi auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Während der Algunder Waalweg in Richtung Algund, Gratsch und Meran führt, verläuft der Marlinger Waalweg auf der anderen Seite des Etschtals über Marling und Tscherms bis nach Lana.
Mit etwa zwölf Kilometern ist er der längste Waalweg Südtirols. Für die gesamte Strecke solltest Du ungefähr drei bis dreieinhalb Stunden reine Gehzeit einplanen – mit Pausen und Fotostopps entsprechend mehr.
Mein Einstieg lag jedoch nicht am offiziellen Start bei der Töll-Brücke, sondern weiter südlich beim Hotel Restaurant Waldea. In der Nähe befindet sich auch ein Parkplatz, sodass sich dieser Abschnitt für eine kürzere Wanderung oder einen Spaziergang oberhalb von Marling eignet.

Meine kurze Wanderung oberhalb von Marling
Schon auf den ersten Metern fiel mir auf, dass der Marlinger Waalweg stellenweise breiter und ausgebauter wirkt als der Algunder Waalweg. Trotzdem bleibt er ein natürlicher Wanderweg. Mal läufst Du unter Bäumen, mal entlang von Weinreben und Apfelplantagen. An einigen Stellen werden die Reben als Pergola über dem Weg angebaut. Diese für die Gegend typische “Erziehung” der Reben fand ich in Algund bereits besonders schön.

Dort, wo der Weg seitlich steiler in Richtung Marling hinuntergeht, ist er teilweise durch Geländer gesichert. Der Waal selbst begleitet Dich auch hier, obwohl die Technik der Wasserverteilung stärker ins Auge sticht. Die einzelnen Abgänge zu den landwirtschaftlichen Flächen sind beispielsweise durch Metallabdeckungen deutlich erkennbar.

Das ist wichtig, denn der Marlinger Waal ist keineswegs nur ein historisches Relikt. Zwischen Töll und Lana versorgt er bis heute rund 300 Hektar Wiesen und landwirtschaftliche Flächen (Äcker) mit Wasser. Dazu gehören vor allem die Weinberge und Obstplantagen am Marlinger Berg.

Waalerhütte und Waalschellen: fast wie ein Lehrpfad
Während der Algunder Waalweg auf mich stärker als ein Spaziergang direkt am Wasser wirkte, erinnerte mich mein Abschnitt des Marlinger Waalwegs fast an einen Natur- und Kulturlehrpfad. Unterwegs begegneten uns mehrere Lehrstationen, historische Gebäude und Waalabschnitte sowie Erklärungstafeln.

Besonders interessant fand ich das alte Waalerhaus beziehungsweise die Waalerhütte. Früher waren bis zu drei sogenannte “Waaler” für den Marlinger Waal zuständig. Sie kontrollierten den Wasserlauf, entfernten Hindernisse und sorgten dafür, dass das Wasser zuverlässig bei den landwirtschaftlichen Flächen ankam. Die Hütte diente ihnen nachts und bei Gewittern als Schutz.



In der Nähe befinden sich außerdem Waalschellen (Wasserschellen). Ihr Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Ein an einem Wasserrad befestigter Hammer schlägt bei jeder Umdrehung gegen eine Schelle. Solange das regelmäßige Geräusch zu hören war, floss das Wasser. Verstummte die Schelle, wusste der Waaler sofort, dass etwas nicht stimmte, und musste nach der Ursache suchen.
Dieses historische Alarmsystem funktioniert laut Tourismusverein am Marlinger Waal sogar noch heute. Mehr über die Geschichte und die Funktionsweise erfährst Du auf der offiziellen Seite des Marlinger Waalwegs.
Ein vergleichsweise junger Waal
Im Vergleich zum Algunder Waal ist der Marlinger Waal geradezu jung. Während der Algunder Waal bereits 1333 erstmals urkundlich erwähnt wurde, begannen die Arbeiten am Marlinger Waal erst 1737 – also rund 400 Jahre später. Auftraggeber war das Kartäuserkloster Allerengelberg im Schnalstal, das seine Weinberge am Marlinger Berg mit Wasser versorgen lassen wollte.
Der Bau erwies sich vor allem im steilen Felsgelände als deutlich schwieriger und teurer als erwartet. Insgesamt dauerten die Arbeiten 19 Jahre. Statt der zunächst veranschlagten 12.000 Gulden kostete der Waal am Ende 80.000 Gulden. Ohne die Unterstützung der Gemeinde Marling und ihrer Einwohner hätte das Kloster das aufwendige Bauprojekt vermutlich nicht vollenden können.
Traumhafte Aussicht auf Marling und Meran
Obwohl ich nur einen kleinen Abschnitt gelaufen bin, konnte ich noch einmal viele Orte überblicken, die ich während meines Aufenthalts in Marling besucht hatte.

Im Vordergrund liegt der Ortskern von Marling mit seiner Kirche, dahinter breitet sich Meran aus. Besonders auffällig ist das große Areal des Pferderennplatzes in Untermais, das aus dieser erhöhten Perspektive kaum zu übersehen ist. Den Hintergrund bilden die Hausberge von Meran und die weitere Bergwelt des Meraner Landes.

Bei schönstem Wetter war dieser letzte Blick von oben für mich ein perfekter Abschluss meiner Reise – und natürlich eine ideale Gelegenheit für zahlreiche Fotos.
Ist der Marlinger Waalweg für Anfänger geeignet?
Grundsätzlich ja. Wie fast alle Waalwege verläuft auch der Marlinger Waalweg überwiegend eben. Nach Lana hin fällt er sogar stetig leicht ab.

Der Weg ist gut ausgeschildert und größtenteils angenehm zu laufen. An vielen Aussichtspunkten findest Du außerdem Bänke und weitere Sitzmöglichkeiten für eine Pause. Bei trockenen Bedingungen sollten feste Turnschuhe für viele Abschnitte ausreichen. Trotzdem bleibt es ein natürlicher Wanderweg, auf dem Du mit Wurzeln, Steinen und schmalen Passagen rechnen solltest.

Die eigentliche Herausforderung ist weniger die Steigung als die Länge. Zwölf Kilometer können anstrengend werden, wenn Du sonst kaum wanderst. Vielleicht ist der Marlinger Waalweg deshalb ein gutes Ziel für das Ende eines Südtirol-Urlaubs: Nachdem Du bereits kürzere Waalwege oder kleine Wanderungen ausprobiert hast, kannst Du hier testen, wie viel Kondition Du aufgebaut hast.
Du musst aber nicht sofort die vollständige Strecke von Töll nach Lana laufen. Ein kürzerer Hin- und Rückweg, wie ich ihn unternommen habe, vermittelt ebenfalls einen guten Eindruck.

Im Vergleich zu Algund liegt der Ort Marling teilweise deutlich weiter unterhalb des Waalwegs. Auf meinem Abschnitt waren weniger direkte Verbindungen hinunter in den Ort erkennbar als am Algunder Waalweg. Überlege Dir daher vorher, welchen Abschnitt Du laufen möchtest und wo Du den Weg wieder verlassen kannst. Über den Weg Nr. 33 (Gasthaus Waalheim) oder Nr. 35 (Hotel Restaurant Waldschenke) ist ein Abstieg nach Marling möglich.

Einkehren an der Waldschenke und am Larchwalderhof
Rund um meinen Einstieg bieten sich gleich zwei Einkehrmöglichkeiten an. Direkt am Waalweg liegt das Hotel Restaurant Waldea mit Panoramaterrasse und Parkplatz.

Auf dem Rückweg kam ich außerdem unterhalb der Waldschenke am Larchwalderhof vorbei. Die Jausenstation, auch Buschenschank genannt, liegt unter mächtigen Kastanienbäumen und bietet Südtiroler Brettljausen sowie hausgemachte Getränke und Produkte aus eigener Erzeugung an.

Doch was ist eigentlich ein Buschenschank? Dabei handelt es sich um eine bäuerliche Einkehrmöglichkeit. Die Betreiber muss ein Landwirt sein, der selbst Wein oder Obst anbaut. Die Besitzer bzw. Pächter schenken ihren eigenen Wein, Most oder Säfte aus und servieren dazu überwiegend regionale oder hofeigene, kalte Speisen. Der Name geht auf den „Buschen“ aus Zweigen zurück, der traditionell am Eingang aufgehängt wurde, wenn der Ausschank geöffnet war. In Deutschland kennt man dies eher unter dem Namen Straußwirtschaft oder Besenwirtschaft.
Da die Öffnungszeiten solcher Jausenstationen und Buschenschänke häufig saisonabhängig sind, solltest Du Dich vor Deiner Wanderung informieren, ob eine Einkehr möglich ist.
Der Marlinger Waalweg auf einen Blick
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Mehr Informationen|
Länge |
ca. 12 km (manche Quellen: 10,8 km) |
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Dauer |
etwa 3,5 Stunden ohne längere Pausen |
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Höhenunterschied |
sehr gering, immer leicht abwärts Richtung Lana |
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Höhenmeter | Tiefenmeter |
+10 m | – 220 m |
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Höhenlage |
von 314 bis 521 m |
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Schwierigkeit |
leicht, aber aufgrund der Länge Kondition erforderlich |
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Start |
Töll-Brücke bzw. Etsch-Staustufe bei Töll |
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Ziel |
Oberlana (Lana), Raffeinweg |
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Verlauf |
Töll – Forst- Marling – Tscherms – Lana |
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Wegweiser |
Marlinger Waalweg Nr. 29 |
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empfohlene Monate |
März, April, Mai, September, Oktober, November |
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Geeignet für |
Genusswanderer, Senior:innen & Anfänger:innen mit ausreichender Kondition |
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Einkehrmöglichkeiten |
unter anderem Waldea, Larchwalderhof, Waalheim und Haidenhof |
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Hunde |
ja |
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Kinder |
ja |
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Kinderwagen |
nur eingeschränkt |
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Rollstuhl |
nein |
Nachhaltig und ohne Auto zum Marlinger Waalweg
Der offizielle Start bei Töll lässt sich mit der Vinschgerbahn in Richtung Mals (Haltestelle: Töll) gut erreichen. Von dort folgst Du der Beschilderung zur Töll-Brücke und zum Einstieg in den Marlinger Waalweg. Auch ab Algund bist Du mit dem Bus 213 schnell am Einstieg (Haltestelle Schleuse Töll).
Wenn Du den ganzen Weg bis Lana läufst, kannst Du von dort mit dem Bus 211 nach Marling (Richtung Meran, Ausstieg: Marlinger Brücke) zurückfahren. Damit eignet sich die Wanderung gut für einen autofreien Ausflug. Für kürzere Wanderungen gibt es verschiedene Einstiege rund um Marling, die zudem über Parkplätze am Waalweg verfügen.
Informiere Dich vorab über die aktuellen Verbindungen bei Südtirolmobil.
Ein Waalweg mit einem anderen Charakter
Ich möchte den Marlinger und den Algunder Waalweg nicht gegeneinander ausspielen. Beide sind auf ihre Weise schön und eignen sich für unterschiedliche Ansprüche.

Der Algunder Waalweg wirkt kompakter und ermöglicht es Dir häufiger, direkt nach Algund abzusteigen. Der Marlinger Waalweg ist länger und vermittelt durch seine Lehrstationen oberhalb Marlings, das Waalerhaus und die Waalschellen besonders viel Wissen über die historische und heutige Bedeutung der Bewässerungskanäle.
Für mich war die kurze Wanderung oberhalb von Marling ein wunderbarer Abschluss meiner Reise. Direkt danach brachte mich Sepp zum Bahnhof in Meran. Von dort musste ich Südtirol schweren Herzens verlassen und mit dem Zug die Heimreise antreten.

Ich wäre gerne länger auf dem Marlinger Waalweg geblieben. Aber vielleicht ist das der beste Grund, noch einmal nach Marling zurückzukehren und dann mehr der zwölf Kilometer zu entdecken.
FAQ zum Marlinger Waalweg
Ist der Marlinger Waalweg schwer?
Der Weg gilt als leicht und verläuft größtenteils eben. Für ungeübte Wanderer kann allerdings die Länge von etwa zwölf Kilometern eine Herausforderung sein.
Wie lange dauert der Marlinger Waalweg?
Für den vollständigen Weg solltest Du etwa 3,5 Stunden reine Gehzeit einplanen. Mit Pausen, Einkehr und Fotostopps benötigst Du entsprechend länger. Er eignet sich daher durchaus für einen Tagesausflug.
Wie lang ist der Marlinger Waalweg?
Der Marlinger Waalweg ist rund 11-12 Kilometer lang und damit der längste Waalweg Südtirols. Er führt von Töll über Marling und Tscherms bis nach Lana.
Kann man nur einen Teil des Marlinger Waalwegs laufen?
Ja. Du kannst über verschiedene Wege in den Marlinger Waalweg einsteigen und auf derselben Strecke zurücklaufen. Ein geeigneter Ausgangspunkt für eine kürzere Runde liegt beispielsweise beim Hotel Restaurant Waldea oberhalb von Marling.
Kann man den Marlinger Waalweg ohne Auto erreichen?
Ja. Der offizielle Einstieg bei Töll ist mit der Vinschgerbahn oder mit dem Bus ab Algund erreichbar. Vom Endpunkt in Lana kannst Du mit dem Bus über Meran zurückfahren.
Fotos: Diese und zahlreiche weitere Fotos findest Du zur Inspiration auf Flickr. Sie unterliegen meinem Urheberrecht.
Offenlegung: Ich war dank des Tourismusvereins Marling vom 30. April bis 02. Mai 2026 auf einer individuellen Pressereise in Marling. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt.





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