Renault ZOE: The Sound of Silence [Werbung]

Als Stadtkind im Ruhrgebiet brauche ich selten ein Auto. Der ÖPNV ist okay und umweltfreundlicher als ein eigenes Auto ist es allemal. Doch das Ruhrgebiet hat ein Problem: die einzelnen Nahverkehrsbetriebe im Ballungsgebiet arbeiten so gut wie nicht übergreifend zusammen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und selbst in Dortmunds Innenstadt-Nord fahren ab 19 Uhr nur jede halbe Stunde Busse. Anscheinend lohnt sich auch wegen der fehlenden Zusammenarbeit der Kommunen das Carsharing für die großen Anbieter wie Car2Go und Drive Now nicht – trotz über fünf Millionen Einwohnern. Dann ist ein eigenes Auto wirklich hilfreich. Als umweltbewusster Mensch denke ich da mittlerweile daran, wenn überhaupt einen Hybrid oder ein reines Elektroauto zuzulegen. Darum habe ich auch nicht Nein gesagt, als ich für rund zwei Wochen einen Renault ZOE testen konnte.

ZOE vor dem Kultur.Depot in Dortmund

ZOE vor dem Kultur.Depot in Dortmund

ZOE und ich – ein Kennenlernen

ZOE und ich verstehen uns auf Anhieb. Der kleine blaue Stadtflitzer, der mich an den Clio erinnert, gefällt mir und hat die passende Größe für den Stadtverkehr. Eine Promoterin übergab mir den Wagen in der Dortmunder Innenstadt. Der Wagen hatte kaum Kilometer auf dem Buckel und der typische Geruch eines Neuwagens klebte noch an ihr. Ich mag das ja sehr. Dass der Wagen ein Viertürer ist, bekommen wir gemeinsam heraus. Die Schaltung des Elektromotors ist die einer typischen Automatik und wird ebenso bedient, erklärte mir die Promoterin noch vor Ort. Auch die Mittelkonsole mit Touchscreen (das Navi ist aber nicht wirklich intuitiv!) und eine Kurzeinweisung ins Laden sowie der mitgelieferten App erhalte ich – und dann kann ich endlich mit „meiner ZOE“ starten.

Mit ZOE kommt man leicht ins Gespräch

Mit ZOE kommt man leicht ins Gespräch

Doch was ist Starten bei einem Elektroauto? Es gibt bei Renault seit einiger Zeit nur noch Checkkarten und einen Start/Stop-Knopf anstatt eines Schlüssels und Zündschlosses. Als ich den Start-Knopf das erste Mal drückte – nichts. Nur ein kleines „Pling“ ertönte und das Wörtchen „Ready“ erschien in der Anzeige vor mir. Ich war mir erst einmal nicht sicher, ob das Auto wirklich startklar ist und ich wirklich losfahren könnte. Doch ein Elektromotor gibt nun mal keine Geräusche von sich. Auf leisen Sohlen fuhr ich das erste Mal mit ZOE nach Hause.

Am ersten Abend gemeinsam machte ich mir noch keine Sorgen ums Aufladen, denn der Akku zeigte noch mehr als 50% an. Doch nach der ersten Fahrt nach Bochum und zurück wollte ich natürlich auch endlich herausbekommen, wie ich „tanken“ kann. Dortmund hat einen großen Vorteil. Dank der Zentrale eines Energieversorgers in Dortmund existieren relativ viele Ladesäulen in der Stadt. In der mir bereitgestellten App fand ich eine Ladesäule in rund 650 m – perfekt für einen Abendspaziergang bei schönem Wetter. Bei Regen sähe das sicherlich nicht so entspannt aus. Wenn ich ein Häuschen mit Garage hätte, würde ich mir überlegen, einen eigenen Anschluss legen zu lassen, um meinen Wagen zu Hause laden zu können.

Das erste Mal an der Stromzapfsäule

Das erste Laden war etwas ganz Besonderes. Die zwei Parkplätze an der Ladesäule waren beide frei und die Ladesäulen konnten auch in der App ohne Probleme ausgewählt werden. Doch erst klar kommen mit den Abläufen am Auto. Aus dem Kofferraum holte ich das noch neue Ladekabel und schloss ZOE ab. Sie blinkt mir liebevoll zu, bevor ich den Knopf für den Ladestecker auf der Schlüsselkarte drückte. Dann öffnete sich ihr Renault-Zeichen unterhalb der Motorhaube. Während das Renault-Zeichen nach links schwingt, lässt sich die eigentliche Abdeckung des Stromanschlusses nach rechts öffnen. Gefühlvoll glitt der passende blaue Stecker in den Anschluss, die andere Seite in den Anschluss an der Ladebuchse und mittels App koppelte ich beide und startete unproblematisch den Ladevorgang.

Parkplätze für Elektroautos mit Ladesäulen

Parkplätze für Elektroautos mit Ladesäulen

Unmittelbar danach bog ein dicker Audi A6 auf den benachbarten Elektroparkplatz ein… nicht mein Problem, denn ich hatte ja einen Parkplatz. Doch wie sieht das eigentlich rechtlich aus? Online konnte ich nicht wirklich etwas Genaues finden. Seit 2016 gibt es aber das sogenannte Elektromobilitätsgesetz, in dem bestimmte Dinge wie Elektroparkplätze oder freies Parken in Innenstädten geregelt sein sollen. Doch leicht verständliche Lektüre konnte ich online nicht finden. Durfte der Benziner auf diesem Parkplatz parken oder nicht? Und was kann ich eigentlich tun, wenn alle Elektroparkplätze in meiner Nähe mit herkömmlichen Autos belegt sind und ich dringend Laden muss? Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf, während ich ZOE über Nacht allein an der Säule ließ.

100%

100%

Der Schreck ereilte mich am nächsten Tag. Die App zeigte weiterhin „Lädt“ an, kein Hinweis auf die (mögliche) Prozentzahl, kein automatisches Stoppen des Ladevorgangs, als 100% erreicht waren – und schwupps hatte ich über Nacht eine Rechnung von über 60 Euro zu verzeichnen. Definitiv ein Learning. Mittlerweile weiß ich, dass ich bequem über die App den Ladevorgang unterbrechen bzw. beenden kann. Bequem aus dem Büro oder Bett heraus. So komme ich auf etwa 6-10 Euro pro Ladevorgang. Ist zwar auch ein wenig unfair gegenüber anderen Elektroautofahrern, wenn die Ladesäule dann nicht freigegeben wird und ich bis Büroschluss stehen bleibe. Aber zur Zeit habe ich eher das Problem, überhaupt einen freien Parkplatz zu finden, der nicht durch Benziner/Diesel belegt ist. Noch ist die Verbreitung von Elektroautos auch nicht so voran geschritten, dass ich mich da auch groß geschämt hätte, ein paar Stunden länger auf dem Parkplatz zu stehen.

Aber never say never… Einen Abend parkte ich an der Straße direkt um die Ecke unserer Wohnung. Auf wundersame Weise hatte sich dann ZOE am nächsten Tag vermehrt. Ein weiterer kleiner, blauer ZOE mit dem E im Kennzeichen parkte direkt hinter meiner. Die wollten sich bestimmt mal näher kennenlernen. Leider war es nur eine Liebe auf Zeit…

Neue Freunde

Ich sehe doppelt – Neue Freunde

Im Alltag

Nun muss ich ZOE schon wieder hergeben. Dabei ist sie wirklich für mich zu einem Stadt- und Ruhrgebietsauto geworden. Die Abdeckung mit Ladesäulen ist vor allem in Dortmund und Essen gut und gerade in der Stadt im Eco-Modus verbraucht ZOE fast gar keinen Strom. Im Gegenteil. In Düsseldorf habe ich Dank Ampeln fast keinen Verbrauch gehabt, da beim Abbremsen dem Akku wieder Strom zugeführt wird. Auch die ruhrgebietstypischen Staus auf der A40 wirkten sich eher positiv auf den Verbrauch aus. So hat mir Stau und Stop-and-Go-Verkehr richtig Spaß gemacht. Nur Fußgänger sind mir immer noch unheimlich – denn sie hören den Wagen nicht kommen und Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen nach Gehör über die Straße gehen! Es gibt aber einen Sensor, der ein Signal gibt, wenn das Auto einem Fußgänger zu Nahe kommt – aber nur bis 30 km/h. So nah kam mir aber Gott sei Dank kein Fußgänger.

Überland und auch auf der Autobahn lohnte es sich, auch mal auf den Eco-Modus zu verzichten. Mein Fahrstil verbrauchte zwar kräftig Strom, aber so konnte ich auch die anderen Modi austesten. Denn neben dem stromsparenden grünen Eco-Modus, gibt es noch einen blauen (nach Abschalten von „Eco“) und violetten Modus – ich nenne es liebevoll „Bleifuß“-Modus. Damit beschleunigt ZOE sehr gut und schafft locker 140 km/h, ohne das typische Ruckeln, wenn in den höheren Gang geschaltet wird. Denn Gänge kennt sie nicht. Leicht und gleichmäßig erhöht sie die Geschwindigkeit und gleitet davon. Dabei ist sie so wunderbar ruhig. Nur die Reifengeräusche drangen während der Fahrt an mein Ohr. Stell Dir die Stadt vor, wenn alle solche leisen Autos fahren würden. The Sound of Silence.

Violetter Modus

Violetter Modus

Lesetipp

Eine schöne Serie zum Auto hat Christian Frahm auf Spiegel Online veröffentlicht.

Den Renault ZOE bekam ich im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Serviceplan direkt von Renault gestellt und konnte ihn etwas mehr als zwei Wochen testen. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt. 

Fotos (bis auf wenige Ausnahmen): Simon Bierwald, Indeed Photography

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013.
2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.