Bist Du schon in Weihnachtsstimmung? Bei mir hilft da immer trockenes Wetter, gefallener Schnee, am besten bei Sonnenschein und ein Gang über einen Weihnachtsmarkt. Um mal einen anderen Weihnachtsmarkt als den mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt (nun, zumindest in Europa) in Dortmund zu sehen, habe ich mich zum 1. Advent zum Weihnachtsmarkt Braunschweig aufgemacht.

In der Löwenstadt – benannt nach Heinrich, dem Löwen – war ich bisher nur einmal für ein Konzert von Roger Cicero und das ist auch schon Jahre her. An die Stadt an sich hatte ich also wenig Erinnerungen. Zeit dies zu ändern!
Braunschweig liegt ziemlich verkehrsgünstig von Dortmund aus. Mit der direkten Intercity-Verbindung zwischen dem Rheinland und Sachsen brauche ich nicht umsteigen und bin in weniger als drei Stunden am Ziel.

Braunschweig – ein Stadtbummel

Gegründet wurde Braunschweig wohl bereits im 9. Jahrhundert. Der Fluss Oker begünstigte den Siedlungsbau mit einer Furt. Doch erst mit ihrem wohl berühmtesten Sohn, Heinrich den Löwen, gelang der Stadt im 12. Jahrhundert der Aufstieg. Der Welfe prägte mit dem Bau des Doms St. Blasii und der Burg Dankwarderode das Stadtbild. Noch heute erinnert der Burglöwe auf dem Burgplatz an den einflussreichen Herrscher, der Braunschweig zur Residenzstadt erhob und mit dem Löwen das Stadtwappen prägte. Doch erst unter seinem Sohn, Kaiser Otto IV., wurde Braunschweig zur Kaiserstadt und rückte in den Blickpunkt Europas.

Heinrich, der Löwe als Playmobil-Figur
Heinrich, der Löwe als Playmobil-Figur

Doch ein Großteil der altanmutenden Bauten um den Burgplatz sind, wie wir so schön Neudeutsch sagen, purer “Fake”. Sie wurden erst zwischen 1887 und 1906 neu im alten Stil errichtet, wie ich von Reiner Feuge, einem der Stadtführer, erfahre. Aus dem 12. Jahrhundert stammt nur noch der Mittelbau des Doms. Selbst der Löwe auf dem Burgplatz, um den herum sich auch der Weihnachtsmarkt drappiert, ist nicht mehr das Original von 1166 – übrigens die erste freistehende Plastik nördlich der Alpen.

Weihnachtsmarkt mit Burgplatz mit Löwen, Burg Dankwarderode und Dom St. Blasii
Weihnachtsmarkt mit Burgplatz mit Löwen, Burg Dankwarderode und Dom St. Blasii

Das Original aus dem 12. Jahrhundert wurde 1989 aus Schutz vor Saurem Regen und anderen Umwelteinflüssen in die Burg überführt und kann dort bewundert werden. Hier muss ich übrigens Carolin widersprechen, die 2015 auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig war. Mich erinnert der Löwe nicht an einen Bären!

Braunschweiger Löwe auf dem Burgplatz, im Hintergrund Dom St. Blasii
Braunschweiger Löwe auf dem Burgplatz, im Hintergrund Dom St. Blasii

Das Magniviertel

Dennoch gefällt mir sehr gut, was ich sehe. Die Innenstadt hat das mittelalterliche Bild so gut es geht behalten. So schlängele ich mich durch kleine Gassen und entdecke immer wieder einen spannenden Mix aus Gründerzeit und Jugendstilhäusern, moderneren Einkaufspalästen, aber auch aus Fachwerkhäusern. Vor einem verherrenden Luftangriff im Zweiten Weltkrieg (15.10.1944) galt Braunschweig sogar als die größte Fachwerkstadt Deutschlands!

Das älteste inschriftlich datierte Fachwerkhaus Deutschlands
Das älteste inschriftlich datierte Fachwerkhaus Deutschlands

Etwas, was ich im Magniviertel besonders deutlich nachvollziehen kann. Hier stehen noch ganze Straßenzüge der schön schiefen Häuser. Auch das älteste inschriftlich datierbare Fachwerkhaus Braunschweigs und sogar Deutschlands steht hier. Es trägt die Jahreszahl 1432. Leider sind einige der Häuser nicht wirklich in einem guten Zustand und hoffentlich findet sich ein Investor, der die Häuser restauriert.

Fachwerk an der Magnikirche im Magniviertel
Fachwerk an der Magnikirche im Magniviertel
Im Magniviertel in Braunschweig
Im Magniviertel in Braunschweig

In Mitten des Viertels liegt die namensgebende Magnikirche aus dem 11. Jahrhundert. Wie bei fast allen Kirchen und Sakralbauten in Braunschweig habe ich auch hier den Eindruck, dass den Braunschweigern irgendwann beim Bau der Geld ausging. Irgendwie fehlt immer ein Kirchturm. ;)

Kirche St. Magni
Kirche St. Magni

Am Rande des Viertels befindet sich seit 2001 noch ein weiteres, interessantes Gebäude. Das Happy Rizzi Haus. Entworfen vom amerikanischen PopArt-Künstler James Rizzi wurde es durch den Architekten Konrad Kloster umgesetzt. Heute befindet es sich im Besitz des Braunschweiger Modelabels New Yorker und dient als Bürogebäude. Es ist definitiv das auffälligste Gebäude der Stadt.

Das Happy Rizzi Haus an Rande des Magniviertel
Das Happy Rizzi Haus an Rande des Magniviertel

Das Schloss

Direkt hinter dem Magniviertel und hinter dem Happy Rizzi Haus liegt das Schloss. Zur ihrer Residenz haben die Braunschweiger ein gespaltenes Verhältnis. In den 1960ern ließen sie es abreißen, nachdem es in der Nazi-Zeit als SS-Junkerschule zur Ausbildung späterer SS-Offizieren genutzt und während der Luftangriffe stark beschädigt wurde. Auch war es ein Welfen-Schloss und die Welfen zogen später weiter nach Wolfenbüttel und Hannover, während Braunschweig sich zu einer Hansestadt weiterentwickelte.

Braunschweiger Schloss mit Reiterstandbild
Braunschweiger Schloss mit Reiterstandbild

Doch es gab schon Pläne für eine weitere Nutzung und somit eines Wiederaufbaus. Ein Großteil der Bevölkerung beführwortete diese Pläne, aber die Stadt entschied sich anders. Ab 2005 wurde das Schloss dann doch wieder aufgebaut und auch ein Teil der alten Steine, Säulen und auch die große Quadriga wurden wiederverwendet. Das Braunschweiger Schloss beherbergt heute zum Großenteil ein Einkaufszentrum, die Schloss Arkaden, die in einem sich anschließenden Neubau weitergeführt werden.

Braunschweiger Residenzschloss mit den Schlossarkaden
Braunschweiger Residenzschloss mit den Schlossarkaden

Der Kohl- und Altstadtmarkt

Beim Bummel durch Braunschweig gelange ich auch auf den Kohlmarkt, der als der ursprüngliche Ausgangspunkt der Stadt gilt. Hier wurde im Mittelalter die Kohle für die rund 500 (!) Brauereien gehandelt. Denn Bier war damals das Grundnahrungsmittel. Doch es war nicht so alkoholhaltig wie heutiges Bier und normales Wasser war nicht sauber genug zum Trinken. Neben Bier gab es seit dem 15./16. Jahrhundert aber noch ein weiteres, traditionelles Getränk in Braunscheweig – die Mumme. Das malzhaltige Getränk war lange haltbar, sehr nahrhaft und daher bei den Seefahrern der Hanse beliebt. Auch heute werden in der Stadt noch mummehaltige Lebensmittel hergestellt und verkauft.

Mumme-Likör - gibt es z.B. in der Touristinformation zu kaufen
Mumme-Likör – gibt es z.B. in der Touristinformation zu kaufen

Während des Weihnachtsmarkts in Braunschweig erstrahlt der Kohlmarkt im Glanz einer großen Eisfläche. Vor allem Kinder flitzen über das Eis, während die stolzen Eltern mit heißen Getränken am Rande stehen oder den ganz Kleinen das Eislaufen beibringen.

Kohlmarkt mit Eislauffläche
Kohlmarkt mit Eislauffläche

Unweit des Kohlmarkts befindet sich die eigentliche Altstadt mit dem Altstadtmarkt und dem Altstadtrathaus und dem Altstadtbrunnen. Hier findet auch zur Weihnachtszeit der traditionelle Wochenmarkt statt. Wahrscheinlich existiert dieser Markt seit dem 12. Jahrhundert. Viele der umliegenden Gebäude stammen aus der entsprechenden Zeit, wurden aber auch durch den 2. Weltkrieg zum Teil zerstört und anschließende wieder aufgebaut. Ein beeindruckender Platz, an dem das Mittelalter greifbar wird – das Gewandhaus für die Stände, das Zollhaus und das Rathaus mit der Braunschweiger Elle für den Markt.

Altmarkt mit Wochenmarkt
Altmarkt mit Wochenmarkt

Vor allem nachts konnte ich mich nicht dem Charme des Marktplatzes und seinen historischen Gebäuden entziehen.

Altmarkt mit Altmarktbrunnen, Kirche St. Martini, Zollhaus und Gewandhaus bei Nacht
Altmarkt mit Altmarktbrunnen, Kirche St. Martini, Zollhaus und Gewandhaus bei Nacht

Weihnachtsmarkt Braunschweig

Rund um den Burgplatz, den Dom sowie vor dem Rathaus befindet sich in der Vorweihnachtszeit ein Großteil des Weihnachtsmarkts in Braunschweig. Seine Tradition reicht über 500 Jahren zurück. Seit über 60 Jahre hat er mit dem Burgplatz seinen heutigen Standort gefunden. An der einen Ecke steht Bruno, der große Nussknacker und begrüßt die Gäste, auf der anderen Seite steht eine große Pyramide, dazwischen zahlreich Stände, schöne Karusselle und ein Riesenrad.

Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig
Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig

Besonders schön ist es abends, wenn sich langsam die Dunkelheit über die Stadt legt und die unzählige Lämpchen und Lichter die Stadt und den Weihnachtsmarkt beleuchten (übrigens seit 2016 mit Naturstrom aus 100% regenerativer Energiequellen). Den besten Ausblick auf all die Lichter und den Markt hatte ich oben auf dem 61 m hohen Rathausturm. Nach Einbruch der Dunkelheit bin ich mit Stadtführerin Edyta Hagenau die 161 Stufen hinaufgeklettert. Wie kleine Ameisen bewegen sich die Weihnachtsmarktskunden zwischen den Hütten entlang oder stehen an einem Glühweinstand. Ganz hinten kann ich auch die Schlange am Mandel Meier erahnen. Er ist angeblich der beste Stand für gebratene Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig und die Menschen stehen für eine Tüte stundenlang Schlange.

Der Weihnachtsmarkt Braunschweig bei Nacht und von oben, Blick vom Rathausturm
Der Weihnachtsmarkt Braunschweig bei Nacht und von oben, Blick vom Rathausturm

Dazwischen wird mir auf einmal klar, wie groß der Dom St. Blasii wirklich ist und wie dominant er auf mich wirkt. Irgendwie fiel es mir unten gar nicht so sehr auf.

Dom St. Blasii vom Rathausturm aus gesehen
Dom St. Blasii vom Rathausturm aus gesehen

Doch nach dem Abstieg steht mir der Sinn auch mehr nach einer Feuerzangenbowle, Reibekuchen und einem Crêpe. Doch die 150 liebevoll dekorierten Ständen boten noch mehr als Essen und Trinken. Zahlreiche Stände bieten handgefertigte Waren wie Holzspielzeug, Glasbläserkunst aus Lauscha, Schmuck oder Weihnachtsbaumdekoration. Ich selbst habe mir ein paar kunstvoll verzierte Sterne als Dekoration für meine Wohnung gekauft.

Fazit

Alles in allem ein rundum gelungener Bummel durch die Stadt und den Weihnachtsmarkt Braunschweig! Braunschweig ist mit 250.000 Menschen die größte Stadt zwischen Hannover und Berlin. Dennoch wirkt sie mit ihren fußläufig zu erreichenden Sehenswürdigkeiten sehr kompakt. Der Charme der Altstadt, der verbliebenen Fachwerkhäuser und des schönen Weihnachtsmarktes lassen mich Braunschweig in guter Erinnerung behalten. Zum Ende des Besuchs fielen auch noch große Flocken. Der Schnee ließ Braunschweig noch einmal in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Details

Weihnachtsmarkt Braunschweig 2017
29. November bis 29. Dezember 2017
Montag – Samstag: 10-21 Uhr
Sonntag/Feiertag: 11-21 Uhr
29. Dezember: 10-20 Uhr
Marktruhe: 24. & 25. Dezember 2017

Website

Einen Blick hinter die Kulissen des Weihnachtsmarktes ermöglicht die Stadtführung “Weihnachtlicher Stadtspaziergang rund um den Burglöwen”. Hoch hinauf auf den Rathausturm geht es mit der Stadtführung “Blick vom Rathausturm” oder auf eigene Faust Montag bis Freitag zwischen 9 und 15 Uhr mit Nachfrage beim Pförtner.

Übernachten kannst Du gut im FourSide Hotel, etwa zwei Straßen vom Burgplatz und Hagenmarkt entfernt. Gutes Abendessen und Drinks habe ich im Genusstresor am Bankenplatz sowie im Monkey Rosé im Zollhaus am Altmarktplatz genossen. 

Diese und viele weitere Fotos vom Besuch auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig findest Du auf Flickr. 

Auf dem Weihnachtsmarkt Braunschweig war ich auf Einladung der Braunschweig Stadtmarketing GmbH. Meine Meinung blieb davon unberührt. 

Dieser Beitrag erscheint auch im Rahmen des #reisebloggeradvent 2017 – mehr weihnachtliche Texte findest du auf der Aktionsseite bei Teilzeitreisender bzw. auf der entsprechenden Facebook-Seite.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013.
2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.

6 Comments

  1. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 51 in 2017 - Ein Ostwestfale im Rheinland

  2. Liebe Romy,
    da schaue ich beim Reiseblogger Adventskalender vorbei und denke heute… dieses Bild kennst du doch… ;-)
    Ein sehr schöner Bericht, die gleiche Tour (und dabei sind auch fast gleich Bilder entstanden) haben wir letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit an einem Wochenende in und um den Weihnachtsmarkt in Braunschweig erlebt. Wir haben auch noch das HAUM mit eingebaut – was aber für den Nachwuchs nicht ganz so spannend und fesselnd war, bis auf ein paar wenige Ausstellungsstücke.
    Insgesamt hat mir Braunschweig aber auch super gefallen. Dieses Jahr haben wir dann Goslar auf unsere Weihnachtsmarkt-Städteliste gesetzt.

    Viele Grüße
    Tanja

    • Romy Reply

      Hi Tanja,

      Es hatte am Sonntag so heftig geschneit, so dass ich das Museum habe ausfallen lassen. ;)
      Goslar war schön?

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