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Manitoba Legislative Building

Manitoba Legislative Building –
Winnipegs geheimer DaVinci Code

Im geographischen Zentrum Nordamerikas Winnipeg befindet sich eines der bemerkenswertesten Gebäude der Welt. Auf den ersten Blick scheint das Manitoba Legislative Building ein typisches Regierungsgebäude zu sein, aber unter seiner eleganten Fassade verbirgt sich eine Reihe geheimnisvoller und kryptischer Symbole, die die Menschen zum Guten beeinflussen sollen.

Nach zehn Jahren intensiver Forschung stellte Dr. Frank Albo fest, dass das Gebäude eine Fundgrube kodierter Botschaften und geheimen Lehren ist. Als er das komplexe Puzzle Stück für Stück entschlüsselte, eröffnete sich ihm ein erstaunliches Muster – der Hermetic Code – Hinweise in den ursprünglichen Bauplänen und in der Ikonographie des Gebäudes, die auf eine geheime Verschwörung hinweist. Fast wie in einem Dan-Brown-Krimi.

Frank Albo – Kanadas Dan Brown

Doch wer ist der Dan Brown in dieser Geschichte, der nach fast 100 Jahren das Geheimnis des Regierungsgebäudes im Herzen von Winnipeg entschlüsselt haben will? Es handelt sich um Dr. Frank Albo, promovierter Architekturhistoriker, der nebenberuflich als Professor für Geschichte an der University of Winnipeg lehrt.

2001, als Frank in seinem Bachelorstudium an der University of Winnipeg den Kurs Magic in Ancient Greece and Rome (frei übersetzt: der Reiz des alten Griechenlands und Rom) besuchte, nahm alles seinen Lauf. Für den letzten Kurs, den er für seinen Bachelor of Arts in Religion and Anthropology (Religion und Anthropologie) benötigte, sollte er eine Arbeit über den Einfluss des Alten in der modernen Welt schreiben.

Manitoba Legislative Building
Manitoba Legislative Building

An einer roten Ampel am Broadway schweifte sein Blick zum Manitoba Legislative Building. Auf dem Giebel entdeckte er eine Sphinx und er fragte sich, was macht ein ägyptisches Sagentier auf dem Dach der Provinzhauptstadt mitten in der Prärie? Der Beginn einer schier unglaublichen Entdeckungsreise.

Frank Albos weitere akademische Karriere

Die aus seinen Recherchen resultierende Arbeit war nur der Anfang seiner außergewöhnlichen akademischen Karriere.

Schon bald darauf verließ Frank Albo Winnipeg, um an der University of Toronto seinen Master in Near Eastern Religions and Languages (Religion und Sprachen des Nahen Ostens) zu erlangen. Noch während seines zweiten Jahres erhielt er einen Anruf des damaligen Manitoba Premiers Gary Doer, der ihn nach Winnipeg einlud, um heraus zu finden, ob das Gebäude verflucht sei. Frank antwortete nur, dass es „eine Schatzkiste voller Geheimnisse“ sein.

Ok. We have to find this kid some money. – Gary Doer

Die Regierung Manitobas gab Frank daraufhin einen Zuschuss – eine Förderung für seine Studien am Gebäude. Er erhielt außerdem unbegrenzten Zugang zum Regierungsgebäude, um aus seiner Obsession den Kern seines akademischen Lebens machen zu können.

Einmal um die halbe Erde für die Forschung

Doch in Toronto konnte Frank dazu nicht weiter forschen. Das Okkulte war ein Unding für seinen Professor. Frank wurde aber schnell anderweitig fündig. Die Universität von Amsterdam ist eine der wenigen Universitäten weltweit, die eine Ausrichtung auf Mysticism and Western Esotericism (Mystik und westliche Esoterik) anbot. Dank eines Stipendiums der niederländischen Regierung konnte Frank 2006 seinen zweiten Master in Hermetic philosophy and related currents (Hermetische Philosophie und verwandte Strömungen) erlangen.

2007 wechselte er ans Peterhouse der University of Cambridge (England), wo er 2008 seinen Master of Philosophy erlangte – sein dritter Masterabschluss und ich hab nicht mal einen Abschluss gemacht. :D

2012 promovierte er zum Doctor of Philosophy (PhD) im Bereich Architekturgeschichte zum Thema Freemasonry and the 19th century British Gothic Revival (Freimaurerei und die Britische Neugotik des 19. Jahrhunderts). Dies sind alles schon Hinweise darauf, was Dich hier noch erwarten wird.

Allgemeine Fakten zum Manitoba Legislative Building

Was hat also nun das Manitoba Legislative Building mit Esoterik, Freimaurern und den Ägyptern zu tun? Eigentlich ist es doch „nur“ ein weiteres neuklassizistisches Gebäude des 20. Jahrhunderts, das aus Tyndall Kalkstein („Kanadischer Mamor“) auf 30 Morgen Land am nördlichen Ufers des Assiniboine Rivers gebaut wurde, ungefähr einen Kilometer westlich von dem Punkt, an dem der Assiniboine in den Red River mündet.

Die Bauarbeiten begannen 1913 in der aufstrebenden „biggest little city on Earth and the sky was the limit.“ Winnipeg war eine stark wachsende Stadt. Wohnten 1870 nur rund 1.000 Menschen in den noch eher schlammigen Straßen der Stadt, so waren es 1911 bereits 136.000. Die Stadt war ein Schlaraffenland und Manitoba die Kornkammer des Kontinents. An der Kornbörse in der kanadischen Stadt wurde 7x mehr Korn umgesetzt als an seiner Entsprechung in Chicago.

All roads lead to Winnipeg – Chicago Herald

Zu diesem Zeitpunkt (1911) entschloss sich daher das Parlament Manitobas zu einem kontinentalen Prunkstück – dem Bau des neuen Manitoba Legislative Buildings. Der Architekturwettbewerb wurde im ganzen britischen Empire ausgeschrieben. Das Parlament war in der souveränen Lage, dass sie wussten, das jeder Architekt sich nach diesem Auftrag die Finger lecken würden.

Schließlich erhielt der britische Architekt Frank Lewis Worthington Simon gemeinsam mit seinem Partner Henry Boddington III. den Zuschlag aus über 66 Einreichungen. Doch lass uns einmal virtuell durch das Gebäude gehen und die Geheimnisse gemeinsam entschlüsseln!

Ansicht mit Haupteingang und Queen Victoria-Statue davor
Ansicht mit Haupteingang und Queen Victoria-Statue davor

Der Tempel von Winnipeg

Schauen wir uns das Gebäude von vorne an. Erinnert es Dich an etwas? Sieht der Eingang nicht aus wie ein griechischer Tempel? Vielleicht wie das Parthenon in Athen auf der Akropolis, der Tempel der Athene? Es hat fast das selbe Muster und zwar im Goldenen Schnitt, der angeblich sehr angenehm für das Auge beim Anblick sein soll.

Parthenon in Athen (2014)
Parthenon in Athen (2014)

Darüber strahlt ganz oben eine Statue über allem. Ein nackter, junger Mann, nach Norden ausgerichtet, der linke Fuß berührt gerade die Kuppel des Manitoba Legislative Buildings, sein Körper beugt sich leicht nach vorne und es sieht so aus, als würde er rennen. In seinem linken Arm hält er ein Bündel Weizen – was eigentlich für die Zeit um 1913 spricht, als das Gebäude gebaut wurde – in der rechten Hand eine Fackel. Die Bronzefigur, die mit 21,5-karätigem Gold überzogen ist, wird seit Jahren von den Bewohnern Winnipegs liebevoll „Golden Boy“ genannt. Doch wer versteckt sich wirklich dahinter?

Golden Boy hoch über allem, Relief mit "Lady Manitoba" oder die Göttin der Fruchtbarkeit (Ackerbau und Viehzucht)?
Golden Boy hoch über allem, Relief mit „Lady Manitoba“ oder die Göttin der Fruchtbarkeit (Ackerbau und Viehzucht)?

Gleich rechts vom Giebel dann aber die Spinxe, die nach Osten und Westen schauen, der auf- und untergehenden Sonne entgegen blickend – ganz wie im alten Ägypten, dem Mutterland der Magie. Das romantische Bild von Ägypten war unter Architekten sehr beliebt, als dieses Gebäude kurz vor dem Ersten Weltkrieg entworfen wurde. Allein sind also die Spinxe nicht besonders signifikant für unsere Geschichte – aber wie oben schon beschrieben, der Ausgangspunkt einer langen Entdeckungsreise. Doch wie passen sie jetzt zu den griechischen Göttern? Vielleicht doch nur Zufall?

Die Beschützer des Tempels

Die Sphinxe und die Ähnlichkeit zum Tempel in Athen waren nur erste Indizien, die Frank Albo neugierig machten. Erst im Inneren des Gebäudes, als er vor den zwei riesigen „Biestern“, den Bisons an der großen Treppe stand, hatte er seinen ersten Aha-Moment.

Ein Bison - das Nationaltier Manitobas
Ein Bison – das Nationaltier Manitobas

Jetzt wirst Du vielleicht denken: Bisons, Manitoba, Prärieprovinz – passt doch! Aber es wäre ja zu einfach, wenn es offensichtlich wäre, was fast 100 Jahre im Verborgenen lag.

Eingang zur Halle der großen Treppe
Eingang zur Halle der großen Treppe

Die Bisons sollen laut Frank die heiligen Bullen repräsentieren, die den Tempeleingang im Nahen Osten bewachen. Die beschützenden, gehörnten Bestien in dem Raum, in dem Du Schutz erwarten würdest – dem Eingang -, waren sein erster Anhaltspunkt, dass das Manitoba Legislative Building nach den Regeln eines Tempels gebaut wurde und der Architekt mit dem Tempelvokabular vertraut war.

Der Eingang des Tempels

Aber was für ein Tempel soll es denn sein? Vielleicht ist er gar nicht christlich, sondern eher heidnischen Ursprungs? Als ich mich in der Eingangshalle mit der großen Treppe genauer umsehe, fallen mir verschiedene Skulpturen aus, die irgendwie nicht so recht passen wollen.

Medusa & Athene

Über dem südlichen Eingang oberhalb der Treppe ist ein Gorgoneion („Medusenhaupt“) als Schlussstein über den Torbogen angebracht. Das Gesicht der Medusa mit ihrer Frisur aus Schlangen. Die Gorgonenschwester, Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto, deren Blick einen zu Stein erstarren ließ. Unter ihrem Kinn sind zwei Schlangen miteinander verwoben, genau wie bei der Medusa Rondanini, die für ein Schild einer Athenestatue im Parthenon in Athen geschaffen wurde. Diese Medusa gilt durch ihre Darstellung nach dem hellenistischen Schönheitsideal und somit ohne Schrecken und Hässlichkeit als Höhepunkt der antiken Skulptur.

Medusa als Schlussstein über dem Bogen an der Treppe
Medusa als Schlussstein über dem Bogen an der Treppe

Der auf dem Schild der Athene dargestellte abgetrennte Medusenkopf soll z.B. vor dem „bösen Blick“ schützen und gilt somit als ein Unheil abwendendes Schutzmittel, ein sog. Apotropaion.

Athene am gegenüberliegenden Eingang zur großen Halle
Athene am gegenüberliegenden Eingang zur großen Halle

Der Medusa gegenüber, am nördlichen Eingang befindet sich ein weiterer signifikanter Frauenkopf, der die Gegenspielerin Medusas darstellt: Athene, die griechische Göttin des Kampfes. Sie gilt als die Verkörperung der Demokratie und die Beschützerin der Städte – das wiederum passt sehr gut zu einem Regierungsgebäude in einer aufstrebenden Stadt.

Löwen und Viehschädel

Rund um Medusa und Athene versammeln sich noch weitere Skulpturen, z.B. 14 Löwenköpfe, die wahrscheinlich wie die Sphinxe mit der Anbetung des Sonnengottes verbunden sind. Sie sind oftmals außerhalb von Palästen, Tempeln und Gräbern sowie am Tor zur Unterwelt zu finden – zur Abschreckung und zum Schutz vor dem Bösen.

Löwenköpfe in der Grand Staircase Hall des Manitoba Legislative Buildings
Löwenköpfe in der Grand Staircase Hall des Manitoba Legislative Buildings

Rund um das Deckenfenster sind außerdem acht Viehschädel angebracht. Auch an alten römischen und hellenistischen Tempeln fand man Schnitzereien von solchen Ochsenschädel, die das Böse abhalten sollten. Die Bukranien genannten Darstellungen waren in der Antike beliebt und wurden in der Renaissance wieder aufgegriffen. Verbunden sind die Schädel in Winnipeg durch ein schönes Muster – ich würde sagen ein durchgängiges Fries. Denn auch dies war in der römischen und griechischen Antike sehr beliebt.

Viehschädel an der Decke ganz oben
Viehschädel an der Decke ganz oben

Abwegig sind auch diese Skulpturen in einem Gebäude in der Prärie Kanadas nicht. Doch 1937 erschien ein Artikel im Canadian Thinker-Magazin in dem Architekt Frank Simon sagte:

The skulls are, of course, copied from the ancient temples in the classical mediterranean lands where they were survivals from the earliest times of the offering of animal sacrifices, when it was the custom of the sacrificing priest to fasten a skull of the sacrified animal high on the trunk of the tree beneath which the sacrificial ceremony was performed – the groves were God’s first temples.

Deutsche Übersetzung:

Die Schädel sind natürlich von den antiken Tempeln in den klassischen Mittelmeerländern kopiert worden, wo sie Überreste der frühesten Zeiten der Opfergaben waren, als es der Brauch des Opferpriester war, einen Schädel des geopferten Tieres hoch auf dem Stamm des Baumes anzubringen, unter dem die Opferzeremonie durchgeführt wurde – die Haine waren die ersten Tempel Gottes.

Das hört sich so gar nicht an eine Ode an den Wilden Westen Kanadas an! Doch es kommt noch besser.

Number of the Beast – Die Zahl des Antichristen

Schauen wir uns doch einmal die Halle mit der großen Treppe (Grand Staircase Hall) genauer an. Normalerweise denke ich bei einer Halle an einen großen, eher länglichen Raum. Doch diese Halle ist quadratisch. Jede Seite misst genau 66.6 feet!

Die Halle der großen Treppe - der Eingang
Die Halle der großen Treppe – der Eingang

666, die biblische Zahl, die traditionell mit dem Tier aus dem Buch der Offenbarung in der Bibel assoziiert wird und für den Antichristen stehen soll.

Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666. – Offenbarung des Johannes, 13:18 (Luther-Übersetzung)

Während der hermetischen Wiederbelebung der Renaissance wurde die Zahl seiner diabolischen Assoziation beraubt und mit der lebensspendenden Kraft der Sonne identifiziert. Sie bekam im Okkulten und in der Zahlenmystik eine besondere Bedeutung.

1509 schrieb Henricus Cornelius Agrippa, einer der bedeutendsten Gelehrten – ein Universalgelehrter – seiner Zeit, das dreibändige Buch De Occulta Philosophia („Über die geheime Philosophie“). Darin sammelte und kategorisierte er das Wissen seiner Zeit über Magie. Außerdem erstellte er sieben magische Quadrate – für die damals fünf bekannten Planeten Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur sowie die Sonne und den Mond – und ordnete jedem eine Zahl zu. Die Sonne mit der Zahl sechs erhielt somit ein 6×6-Quadrat. Jedes Quadrat enthält eine Zahl von eins bis 36 und die Zahlen sind so angeordnet, dass jede Reihe, Diagonale und Spalte 111 ergibt. Aufsummiert ergibt sich so 666. Die Zahl 666 wird also der Sonne zugeschrieben, die über alle Götter des Himmels und der Erde sowie die 36 Sternbilder herrscht.

Der Altarraum

Doch zurück zum Gebäude. Gehen wir die große Marmortreppe hinauf in die Rotunde. In der Mitte, genau unter der Kuppel und dem Golden Boy, befindet sich der kreisrunde „Pool“, der von einer Balustrade aus Kalkstein eingefasst ist. Er ist umgeben von einem Muster aus schwarzen kleinen Mosaiken mit einer Umrandung im griechischen Schlüsselmuster – ein Symbol für die ewige Suche nach Wissen.

Die Rotunde
Die Rotunde

Schaust Du über die Balustrade, dann blickst Du auf einen achteckigen schwarzen Stern aus Marmor – The Black Star. Er soll den Polarstar symbolisieren, erinnert aber auch an den Altar in einem alten Tempel. Obwohl die meisten Altäre quadratisch oder rechteckig sind, lebt in einigen antiken Tempeln auch die Tradition von runden Altären fort – Tempel, die den Gottheiten der Unterwelt gewidmet sind.

Pool & Black Star
Pool & Black Star

Thomas Leslie schrieb schon 1925 im ersten Reiseführer zum Gebäude:

There should be an altar here… – Hier sollte ein Altar stehen…

Außerdem schrieb er von „stumpfen roten Flecken, die durch die schwarzen Adern des Marmors rieseln“. Schau Dir mal den Stern und den umgebenden Marmor genau an. Siehst Du die schwarzen Adern und die roten Flecken, die sich um den Black Star durch den ganzen „Pool“ ziehen? Wie das Blut eines Opfertiers während der Opferzeremonie.

Blick aus der Rotunde 13 feet nach unten auf den "Black Star" im Pool
Blick aus der Rotunde 13 feet nach unten auf den „Black Star“ im Pool

Numerologie

Dir ist sicherlich schon aufgefallen, dass die Architekten des Manitoba Legislative Building eine Neigung zum Okkulten und zu mystischen sowie magischen Zahlen hatten. Doch diese Zahlenaffinitiät geht noch viel tiefer.

Die große Treppe im Eingang
Die große Treppe im Eingang

Fünf + Acht = Dreizehn

Hast Du die Treppenstufen der großen Treppe gezählt? Es sind genau drei Absätze mit jeweils 13 Stufen aus braun geädertem, italienischem Carrara-Marmor. Die 13 kommt wiederholend im Gebäude vor. Wir finden sie auch in den Maßen der Balustrade, die einen Kreis von 13 feet bildet. Auch die Tür, die von der Rotunde in die Legislative Chamber („gesetzgebende Kammer“) führt, lohnt einen genaueren Blick. Genau 13 kreisförmigen Verzierungen befinden sich rund herum und im jeden Gang des Gebäudes befinden sich 13 Lampen.

Tür zur Legislative Chamber im Manitoba Legislative Building
Tür zur Legislative Chamber im Manitoba Legislative Building

Auch die Fünf finden wir häufig. Auf beiden Seiten der Großen Halle gibt es jeweils fünf Torbögen. Außerdem existieren fünf verschiedene Arten von Säulen im Gebäude und in der Kuppel sind im Muster immer fünf goldene Rosetten enthalten.

Die Kuppel von der Rotunde aus gesehen
Die Kuppel von der Rotunde aus gesehen

Eine weitere wiederkehrende Nummer ist die Acht. Insgesamt stehen acht korinthische Säulen in der Rotunde und acht dorische im Säulengang darunter. Alle Rosetten in der großen Halle besitzen darüber hinaus immer fünf oder acht Blütenblätter. Kleine, unauffällige Dinge, die sich durch das Gebäude ziehen.

Rosetten und Säulen am Haupteingang
Rosetten und Säulen am Haupteingang

DaVinci Code?

Der kanadische Dan Brown, Frank Albo, fand also die wiederholende Fünf, Acht und 13 im Manitoba Legislative Building. Fünf und Acht ergibt in der Addition auch 13. Alle drei Zahlen sind aber auch Teil der sog. Fibonacci-Folge, die Dan Brown im DaVinci Code verarbeitete.

0 + 1 + 1 + 2 + 3 + 5 + 8 + 13 + 21 + 34 + 55 + 89 + 144 … ∞

Fibonacci-Folge

Dividiert man jede Zahl durch die vorherige Zahl, erhält man rund 1,618… eine unendliche Dezimalzahl ähnlich Pi und die mathematische Entsprechung des Goldenen Schnittes (genannt Phi), wie beim Parthenon und dem Haupteingang des Manitoba Legislative Buildings.

Lampen zwischen den Säulen im Manitoba Legislative Building in Winnipeg
Lampen zwischen den Säulen im Manitoba Legislative Building in Winnipeg

Als ich mich auf der Tour durch das Gebäude in Winnipeg umsehe, fallen mir die Lampen zwischen den Säulen in der Rotunde auf, bei der zwölf kleiner Lampen eine größere umgeben – Fibonnacis 13. Aber eine weitere Interpretation drängt sich auf: Jesus umgeben von seinen zwölf Jüngern. Haben wir es hier auch mit heiliger Geometrie zu tun?

Sacred Geometry – Heilige Geometrie

Heilige Geometrie schreibt bestimmten geometrischen Formen und bestimmten geometrischen Proportionen symbolische und heilige Bedeutungen zu. Es ist ein von der griechischen Philosophie überliefertes Konzept, dass die Struktur des Universums auf einem harmonischen und göttlichen Plan basiert. Auch der Goldene Schnitt ist Teil davon.

Diese Idee der heiligen Geometrie wurde zu einer der zentralen Grundsätze der Renaissance, die sich in verschiedenen Gebieten wiederfand und auch bis heute immer wieder aufgegriffen wird. Der Goldene Schnitt galt als göttlicher Anteil, der die ästhetisch ansprechendsten Formen der Natur hervorbrachte, z.B. bei Spiralgalaxien und in Schneckenhäusern in Form der Goldenen Spirale. Der Goldene Schnitt ist also wie eine Blaupause von Gottes Geist für ein perfektes Gebäude. Der Schlüssel zu seinen Gedanken.

Setzen wir das Auge der Kuppel (87 feet) des Regierungsgebäudes ins Verhältnis mit dem Durchmesser der Rotunde (54 feet), ergibt sich übrigens ein Verhältnis von rund 1,611 – ziemlich nach dran am Goldenen Schnitt, finde ich.

Der Einfluss der Freimaurer auf das Manitoba Legislative Building

Besondere Bedeutung kommt der heiligen Geometrie bei den Freimaurern zu. Diese betrachten die heilige Geometrie als eine exklusive und heilige Wissenschaft, die von Gott an Hiram Abif, den Erbauer des Salomonischen Tempels, weitergegeben wurde.

Mit diesem Wissen wurde Frank Albo selbst zum Freimaurer in Winnipeg, um den Ritualen der Logen besser auf den Grund gehen zu können. Er wurde zum Lehrling und durchlief das Initiationsritual, in dem nach den Ornamenten der Loge gefragt wird. Dazu zählen der gepflasterte Boden, eingerückte Mosaikarbeiten und der lodernde Stern.

Der Boden soll das Erdgeschoss des Salomonischen Tempels repräsentieren, umrandet von einem Mosaikmuster und einem lodernden Stern in der Mitte des Raumes. Kommt Dir bekannt vor? Der Boden mit Mosaikarbeiten, umrandet mit dem Griechischen Schlüsselmuster und dem schwarzen Stern in der Mitte (darunter) entspricht der exakten Beschreibung der Rotunde und des Pools im Manitoba Legislative Building. Wir stehen also in einem Nachbau des Salomonischen Tempels inmitten Nordamerikas, in der Prärie Kanadas.

Kein Wunder. Die Freimaurer gehen davon aus, dass der Orden unter den Arbeitern gegründet wurde, die vor 2.900 Jahren Salomons Tempel errichteten. Das komplette Gebäude ist – vor allem von außen betrachtet – voll freimaurerischer Themen und enthält die rituelle Symbolik des Ordens. Die Architektur des Manitoba Legislative Building legt also nahe, dass jemand mehr als nur Heidentum und klassischen Tempel kennt, sonder auch mit dem Tempel Salomons und der Freimaurerei vertraut war.

Frank Simon und der Hermetic Code

Das wohl rätselhafteste Puzzelstück in dieser Geschichte ist sicherlich der Architekt Frank Lewis Worthington Simon. Aus 66 Bewerbungen wurde sein Entwurf von Leonard Stokes, Präsident des Royal Institute of British Architects, ausgewählt. Er brauchte zusätzlich die Bestätigung eines Regierungsausschusses aus Manitoba, der sich aus zwei gewählten Mandatsträgern und zwei höheren Beamten zusammensetzte – Premier of Manitoba Rodmond Roblin, Bildungsminister Colin Campbell, sein stellvertretender Minister Charles Dancer und der Provinzarchitekt Victor Horwood.

Alle vier waren Freimaurermeister in der Loge von Winnipeg, die eventuell das Motiv hatten, dass Freimaurer das Gebäude entwerfen sollen. Eventuell haben sie sich dabei mit „The Old Man“, James A. Ovas, dem Großmeister der Freimaurer, abgesprochen und Frank Simon ausgewählt.

Frank Simon war Brite, aber selbst wo nie ein Freimaurer. Er wurde 1862 in Darmstadt geboren und in Wolverhampton und Birmingham als Architekt ausgebildet. 1883 ging er an die École des Beaux Arts („Schule der schönen Künste“) in Paris und er bezeichnete das als das prägendste und bedeutendste Jahr seines Lebens. Seine Professoren in Paris waren Freimaurer. Deren Stil florierte in Nordamerika im späten 19. Jahrhundert und in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und bezog sich stark auf ägyptisches Design, griechisch-römische Mythologie und die religiöse Funktion von Tempeln. Konzepte, die in der Freimaurerei eine herausragende Rolle spielen und die Simon in der Ausbildung lernte.

Die Rosenkreuzer

Eine andere Strömung, die zur damaligen Zeit vor allem in den Pariser Salons populär war: die mystische Interpretation des Christentums der Rosenkreuzer, wie Geister, Elemente, Zahlen und Himmelskörper den Menschen beeinflussen. 1865 gründete sich daraus die rosenkreuzerische Gesellschaft Societas Rosicruciana in Anglia, die als Nebenzweig der Freimaurerei gilt.

Beide berufen sich auf ein philosophisches Erbe im alten Ägypten, wobei die Rosenkreuzer von sich behaupten, auf einen bestimmten Pharao (Thutmosis III.) zurückzugehen. Während es sich aber in den ersten drei Stufen der Freimaurerei alles um den Bau des Salomonischen Tempels dreht, konzentriert sich bei den Rosenkreuzern alles auf die Alchemie, die Umwandlung von unedlen Metallen zu Gold.

Hermetik

Daneben gewann auch der Hermetismus (Hermetik) wieder an Bedeutung. Die uralte spirituelle, philosophische und magisch-esoterische Lehre bietet einen Weg zu spirituellem Wachstum. Sie geht zurück auf die Göttergestalt Hermes Trismegistus („der dreimal größte Hermes“), der als Wissensspender der Welt gilt.

Der Hauptlehrsatz der Hermetik lautet „Wie oben, so unten“ – Die Menschheit wird die Natur des gesamten Universums in sich finden. Die Lehre beinhaltete aber auch eine Entwicklung der griechischen Theorie der vier Elemente und führte auf natürliche Weise zur Entwicklung der Alchemie.

„Hidden in the plain sight“ – Der Pool & der Stern

All diese Theorien waren Frank Simon sicherlich bekannt und beeinflussten ihn bei seinen Entwürfen. Vor allem aber auch die freimaurerische Maxime „Hidden in the plain sight“ – versteckt in der Ebene – hat sein Werk geprägt.

Besonders deutlich wird dies, wenn Du die Treppe an der Rotunde hinunter zum Pool nimmst und auf dem Stern stehst. Der Raum liegt in absoluter Stille, während Du hinein läufst. Doch wenn Du auf dem Stern stehst, ist es, als würdest Du plötzlich in jedem Raum des Gebäudes gleichzeitig stehen. Die Geräusche aus jeder Ecke des Gebäudes sammeln sich hier auf magische Weise. Diese Harmonien gehen auch wiederum auf das alte Ägypten zurück und wurde von Architekten von Kirchen während der Renaissance erneut aufgegriffen.

Auf dem Black Star hast Du ein außergewöhnliches akustisches Erlebnis
Auf dem Black Star hast Du ein außergewöhnliches akustisches Erlebnis

Der achtzackige Stern selbst verkörperte im alten Ägypten die babylonische Göttin Istar, Göttin der Fruchtbarkeit und des Krieges, assoziiert mit dem Planeten Venus. Architekten, die von den archäologischen Entdeckungen des 19. Jahrhunderts inspiriert wurden, verliehen ihren Entwürfen mit nahöstlichen Motiven wie Istar so eine exotische Note. Der Stern soll außerdem an die ersten religiösen Altäre, wo Opfer der Götter der Unterwelt geopfert wurden, erinnern. Denn Istar soll es möglich gewesen sein, zwischen der Welt der Toten und der Lebenden hin und her zu wandeln.

Hermes, the Golden Boy

Sie war aber nicht die einzige Gottheit, die in das Reich der Toten hinabsteigen und in diese Welt zurückkehren konnte. Auch Hermes, der griechische Gott des Handels, der Erfindung, der List und des Diebstahls konnte dies. Er führte die verstorbenen Seelen in die Unterwelt.

Hermes war der schnellste und listigste der Götter, Sohn des Zeus, der Götterbote, der in der römischen Mythologie Merkur genannt wird. Es ist unbestreitbar, dass Golden Boy auf der Kuppel des Manitoba Legislative Building Hermes darstellen soll, auch wenn die Skulptur von Georges Gardet keine Flügel trägt. Doch in den Originalzeichnungen aus März 1916 sind Flügel an der Mütze und den Knöcheln zu sehen. In einem Brief von Simon an Gardet wird auch auf die Merkurstatue verwiesen, die im Original 13 feet betragen sollte. Jedoch wurde sie letztendlich ohne Flügel beauftragt. Simon und Gardet nannten die Statue auch nie Golden Boy, sondern Eternal Youth („ewige Jugend“), ein Hinweis auf seine wahre Identität sowie die Unsterblichkeit des Gottes.

Im Englischen bedeutet Hermes Mercury, was gleichzeitig auch das Wort für Quecksilber ist. Dieses Element galt in der Alchemie als lebenswichtig und verband die vier Grundelement Erde, Wasser, Feuer und Luft. An den Ecken des Turmes, der die Kuppel trägt, verkörpern vier Skulpturgruppen diese Elemente:

  • Landwirtschaft (Korn, Gemüse) = Erde
  • Kunst (Gruppe mit Krug) = Wasser
  • Wissenschaft (Buch) = Luft (die mit Lernen assoziiert wurde)
  • Industrie (Handwerker Hephaitos) = Feuer
Hermes und die Skultpurengruppen um ihn herum
Hermes und die Skultpurengruppen um ihn herum

Hermes Trismegistus „versteckt“ an der einfachsten denkbaren Stelle! Was auf der irdischen Ebene erscheint, spiegelt die größere Wahrheit auf der spirituellen Ebene wider.

Die „heilige Ehe“ von Hermes und Istar

Hermes, der Götterbote, war aber auch bekannt dafür, dass er zahlreiche Liebschaften hatte. Unter anderem mit der Göttin Aphrodite, der griechischen Entsprechung zu Istar. Wir haben also den Gott des Handelns und des schnellen Reisens auf dem Dach und direkt darunter im heiligen Pool die Göttin der Fruchtbarkeit.

Blick vom Black Star bis hinauf in die Kuppel, auf der Hermes steht
Blick vom Black Star bis hinauf in die Kuppel, auf der Hermes steht

Simon konnte keine zwei besseren Gottheiten auswählen, um zu reflektieren, was Manitoba 1912 von sich selbst dachte, als seine Hauptressourcen das Eisenbahnsystem und die fruchtbaren Felder waren und dies ohne Verdacht bei seinen Auftraggebern zu schöpfen über die wahre Bedeutung des Gebäudes.

Das Tempel-ABC

Fassen wir zusammen. Das Manitoba Legislative Building ist nach der Lehre der Freimaurer eine Entsprechung des Salomonischen Tempels. Die geschützte Vorhalle des Tempels ist die große Treppenhalle, das Heiligtum ist die Rotunde mit Pool. Fehlt nur noch der heiligste und wichtigste Raum des ganzen Tempels, das Allerheiligste. Ein sehr exklusiver Raum, der vom Rest des Temples separiert ist und nur der Hohepriester einmal im Jahr (Yom Kippur) Zugang hat. Somit fällt die Legislative Chamber weg.

Das Allerheiligste – Holy of Holies

Stellen wir uns die Frage, was ist der exklusivste Raum im Manitoba Legislative Building? Auf der Ostseite des Gebäudes, unweit der Runde, sehen wir eine abgesperrte Tür. Dahinter befindet sich der Empfangsraum des Vizegouverneurs, dem höchsten Vertreter der Queen in Manitoba. Der Hohepriester seiner Zeit.

Holy of Holies - das Allerheiligste oder auch das Empfangszimmer des Vizegouverneurs von Manitoba sowie der Queen
Holy of Holies – das Allerheiligste oder auch das Empfangszimmer des Vizegouverneurs von Manitoba sowie der Queen

Der Raum ist ein sehr exklusiver Raum, der mit Walnussholz ausgekleidet ist, mit blauen Vorhängen am Fenster für Dunkelheit und zwei gegenüberliegenden Spiegeln an den Wänden. Das erinnert an französische und schottische Riten der Freimaurer, in dem ein Kandidat vor der Initiation in einen dunklen, schmalen Raum geführt wird – der „Chamber of Reflections„.

Chamber of Reflections?
Chamber of Reflections?

Das Buch der Könige beschreibt das Allerheiligste übrigens als quadratisch mit einer Seitenlänge von 20 Ellen. Doch eine Elle ist nicht gerade eine präzise Maßeinheit. Bei den Freimaurern gibt es aber die Freimaurer-Elle, die präzise 14,4 inches lang ist. Nachgemessen misst der Raum des Vizegouverneurs im Manitoba Legislative Building genau 24 feet pro Seite. Nach der Umrechnung 24 feet = 288 inches : 14,4 inches = 20 Ellen. Holy of Holies, das Allerheiligste.

Aber den Chor bereitete er inwendig im Haus, daß man die Lade des Bundes des HERRN dahin täte. Und vor dem Chor, der zwanzig Ellen lang, zwanzig Ellen weit und zwanzig Ellen hoch war und überzogen mit lauterem Gold, täfelte er den Altar mit Zedern. – Buch der Könige, 6:19/20 (Luther-Übersetzung)

Die Bundeslade – Ark of the Covenant

Doch laut Bibel müsste im Allerheiligsten sich die Bundeslade mit den zwei Steintafel befinden, auf denen Gott Moses die 10 Gebote schrieb. Ohne die Bundeslade wäre auch das Allerheiligste im Tempel des Salomon überflüssig gewesen.

Ostseite des Gebäudes, Kennedy Street, mit der Kriegskasse
Ostseite des Gebäudes, Kennedy Street, mit der Kriegskasse

Wieder ist das Entscheidende in der Ebene versteckt. Wir gehen dazu raus in die Kennedy Street und betrachten das Gebäude von außen. Über dem Osteingang befindet sich eine Statue mit der sog. Kriegskasse. Eine Truhe, die von einem Soldaten mit gefiedertem Helm und einem First Nation mit vollem Kopfschmuck beschützt wird.

Und sie sollen eine Lade von Akazienholz machen: zwei und eine halbe Elle ihre Länge, und eine und eine halbe Elle ihre Breite, und eine und eine halbe Elle ihre Höhe. – Exodus 25:10 (Elberfelder-Übersetzung)

Die Proportionen der Kriegskasse stimmen mit den Angaben in Exodus (2. Buch Mose) überein, nur größer skaliert. Außerdem befindet sich die Truhe über dem Allerheiligsten, dem Zimmer des Vizegouverneurs – Dr. Frank Albos größter Aha-Moment und der „Schlussstein“ seiner Forschung.

Aber das sind eigentlich auch schon wieder alte Kamellen. Die Truhe ist nur ein Ablenkungsmanöver, um die größere Wahrheit verborgen zu halten – und fasst hätte Dr. Fank Albo hier aufgehört, das Gebäude zu erkunden.

Das Wandgemälde in der Rotunde

Apropos Ablenkung… Hinter dem Pool und der Balustrade in der Rotunde befindet sich ein modernes Wandgemälde, welches Dir vielleicht auch schon aufgefallen ist. Es befindet sich über dem Eingang zur Legislative Chamber und wurde vom Engländer Frank Brangwyn (der dritte Frank übrigens, Zufall?) gemalt, der zu dieser Zeit sehr bekannt war.

Das Mural zeigt auf den ersten Blick eine Szene aus dem ersten Weltkrieg, der vor Kurzem beendet war, als das Manitoba Legislative Building eröffnet wurde. Links befinden sich Soldaten noch mit den Schaufeln für die Schützengräbern in der Hand, rechts eine Gruppe trinkender und essender Soldaten und in der Mitte ein Mann in einem zerlumpten Gewand, der von Kameraden gestützt wird.

Das Wandgemälde bzw. Altargemälde
Das Wandgemälde bzw. Altargemälde

Entdeckst Du sonst noch etwas auf dem Bild? Über dem womöglich verwundeten Soldaten ist Maria mit dem Jesuskind zu sehen. Dies setzt den Mann in der zerrissenen Kleidung in einen völlig neuen Kontext – handelt es sich hier um ein Altarbild der Passion Christi?

Wir finden nun also christliche, jüdische, klassische griechische und alt-ägyptische, religiöse Referenzen in einem Gebäude, was heute als westliche Esoterik bezeichnet wird. Auch hier gibt es eine Referenz zu den Freimaurern. Bei seinem Initiationsritus war auch Frank Albo in ein weißes Leinenshirt mit offener Brust gekleidet – wie Jesus auf dem Wandgemälde. Für ihn eine weitere Offenbarung im okkulten Puzzle von Winnipeg.

Die Sphinxe

Doch was hat es nun mit der Bundeslade auf sich, die keine ist? Frank bekam von seinem Smoking Man (eine Anspielung an den Raucher aus Akte X) den entscheidenden Hinweis, dass es sich bei der Kriegskasse nur um ein Ablenkungsmanöver handelt. Frank solle sich noch einmal verdeutlichen, wer denn „den Tempel“ gebaut habe. Wann? Und warum? Er solle die Weltansicht der damaligen Zeit verstehen, um das Rätsel zu lösen.

Hier schließt sich wieder der Kreis zu den Anfängen der Geschichte. Frank hatte die Sphinxe fast vergessen, die ihn überhaupt auf den unglaublichen Code hinter dem Manitoba Legislative Building gebracht hatten. Warum waren sie eigentlich da? Was ist ihre Aussage?

Er kletterte also auf das Gebäude und versuchte, sich die Sphinxe genauer anzusehen. Riesige Figuren, denen Frank mit seinen rund 1,78 m nicht in die Augen schauen konnte und auf deren Brust Steintafel mit ägyptischen Hieroglyphen angebracht waren. Oben befindet sich ein einfacher Kreis, darunter ein flaches horizontales Rechteck mit 9 Kugeln darüber (wie eine Art Spielbrett mit Figuren) und als letztes ein Skarabäus, alle eingefasst in ein Oval. Warum so viel Detailreichtum, den keiner mit dem bloßen Auge von unten sehen kann? Was bedeutet die Inschrift?

Ein Professor von Frank an der University of Toronto, ein Ägyptologe, konnte helfen. Der Kreis steht für den ägyptischen Sonnengott Re (auch: Ra). Das Spiel wird „men“ ausgesprochen und bedeutet ewig und der Skarabäus, der „kheper“ ausgesprochen wird, bedeutet „die Manifestation von“. Zusammen also „die ewige Manifestation des Sonnengottes Re“. Doch da Oval ist nicht außer Acht zu lassen. Stehen Hieroglyphen in einem Oval, so ist das der Thronname des Pharaos. In diesem Fall stehen sie für Thutmosis III. („geboren von Gott Thoth“, siehe Rosenkreuzer).

Von den Altägyptern bis zur Geheimgesellschaft Hermetic Order of the Golden Dawn

Wenn wir also davon ausgehen, dass hier hauptsächlich Freimaurerei als Grundlage diente, gehen wir nicht weit genug. Frank Simons Auftraggeber haben vielleicht gedacht, es handle sich beim Bau des Manitoba Legislative Building um die Umsetzung von freimaurerischen Idealen, denn die okkulten Bestandteile der Rosenkreuzer und andern okkulten Strömungen der Zeit waren fein gestreut und versteckt. Kaum einer in Winnipeg wird die Zahlenmystik und die Hieroglyphen an den Sphinxen gekannt oder entziffert haben.

Okkulte Geheimgesellschaften aber waren in Europa zur Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert sehr beliebt. So auch der Hermetic Order of the Golden Dawn, der 1888 in London gegründet wurde. Seine Zeremonien beinhalteten die ägyptischen Wiederbelebung, die christliche Kabbala, die Rosenkreuzer und die Freimaurerei, aber der Hauptfokus war die rituelle Magie.

Die meisten Mitglieder des Ordens waren aus der gehobeneren Mittelklasse und auch gegenüber Frauen offen. Es herrschte eine hierarchische Struktur, die in 9 bzw. 11 Grade unterteilt war, basierend auf dem Aufstieg im kabbalistischen Lebensbaums (Sephiroth). Themen wie Alchemie, Hebräisch, Tarot, Astrologie und andere Formen der Weissagung waren sehr beliebt. Das Hauptmotiv beim Durchlaufen der Grade stellte die Persönlichkeitsentwicklung durch ein höheres Selbst dar.

Hier mischte sich die Hermetik mit der Kabbala, denn der Zirkel glaube daran, dass ihre Rituale gegeben waren von Hermes Trismegistus – der dreifache Hermes (1. ägyptische Gott Thoth, 2. der klassische griechische Hermes und der 3. ist die Verschmelzung der beiden anderen), der uns schon einige Male begegnet ist.

Das Vermächtnis von Frank Simon

Die oft theatralischen Rituale des okkulten Ordens wurden in speziellen Tempeln mit Namen von meist alt-ägyptischen Göttern abgehalten, wie dem „Amen-Ra Remple“, der 1893 in Edinburgh eröffnete, als Frank Simon dort wohnte und zu einen der einflussreichsten Bewohner der Stadt zählte. Der Verdacht liegt nahe, dass er den Tempel kannte und vielleicht auch Mitglied war. Brachte er dessen Ideen mit nach Kanada?

Anscheinend behielt er die „Magie“ für sich, aber er war transparent, was sein Ziel anbetraf: Das Gebäude sollte die „Bewohner“ zu besseren Menschen machen – moralischer, intelligenter. Es wäre ein Beweis für die Weisheit von Hermes Trismegistus gewesen, wenn sich diese Auswirkungen manifestiert hätten.

Doch Frank Simon bekam nie die Chance, dies zu beweisen. Die Euphorie der ersten 50 Jahre hat sich gelegt und nach acht Jahren in der Prärie Manitobas ist er gescheitert und zurück auf dem Boden der Tatsachen. 1920 verlässt er Winnipeg.

…carrying his broken dream away from a city of broken dreams.

Mittlerweile war jedem noch so unkritischem Unterstützer klar, dass Winnipeg wohl doch nicht eine der größten und reichsten Städte werden würde. Das Wachstum hatte nachgelassen und Simon musste einsehen, dass der Tempel zwar verlockend und quälend nahe an einer Perfektion war, aber nicht mehr vollendet werden würde.

Von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Schon von Anfang an stand das Projekt unter einem schlechten Stern. Nach Beginn des Baus 1913 verzögerte bald der erste Weltkrieg die Baumaßnahmen und Simon bekam von der Roblin-Regierung den Provinzarchitekten Victor Horwood als beaufsichtigten Architekten vor die Nase gesetzt, der u.a. die Zahlungen autorisieren musste.

Die Kosten explodierten und Simon wurde die Schuld in die Schuhe geschoben. Seine Inkompetenz wurde angeführt, um Änderungen durchzubekommen, die wiederum zu Verzögerungen führten. Doch die Schuld ist wohl eher beim Konstrukteur Thomas Kelly zu suchen, der u.a. hohe Kosten verursachende Änderungen an der Konstruktion des Gebäudes vornahm. Viele politische Verstrickungen um Roblin und eine Wahl später verlor Horwood 1916 seinen Job und Simon übernahm. Doch der finanzielle Wind hatte sich gedreht…

Langsam aber sicher ging Simon das Geld aus und die neue Regierung wollte keine weiteren Gelder bewilligen. Er bot sogar an, seine Kommission in Höhe von 100.000 $ zurückzuzahlen, wenn man ihn das Gebäude vollenden ließe. Doch die Provinz lehnte ab. Statt Marmor wurde nun Putz und Holz verwendet, es gibt keinen zentralen Fahrstuhl und die Kuppel wurde aus Kupfer statt aus Stein gefertigt. Auch den Dachgarten, der das Gebäude das ganze Jahr über mit Pflanzen und Blumen versorgt hätte, gab er auf.

Diese und viele andere unumgesetzte Ideen haben ihm zugesetzt. Er hat nie wieder als unabhängiger Architekt gearbeitet, sondern immer nur von Zeit zu Zeit für andere Architekten. Nach einem Jahrzehnt des Kampfes um den Erhalt seines guten Rufs war er mit der Niederlage seiner größten Vision belastet.

Immerhin befanden sich am Tag der großen Eröffnung am 15.07.1920 die Planeten Merkur und Venus in einer besonderen Konstellation zueinander – genau wie sechs Jahre zuvor, am Tag, als der Grundstein gelegt wurde (03.06.1914, 17:30 Uhr). Ein letzter und lange unbemerkter Triumph der Hermetik, die das Manitoba Legislative Building so stark prägt.

Tour durch das Manitoba Legislative Building

Seit 2009 bietet Dr. Frank Albo öffentliche Touren durch das Manitoba Legislative Building an. Gemeinsam mit ihm und Heartland Travel kannst auch Du auf Hermetic Code Tour durch das Regierungsgebäude im Herzen Winnipegs gehen. Dabei erzählt er viel von dem, was Du hier gelesen hast und noch viel mehr. Es aber mit eigenen Augen zu erleben, macht die Faszination aus.

Dan Finkbeiner, Heartland Travel
Dan Finkbeiner, Heartland Travel

Ich selbst habe die Tour zweimal mit Heartland Travel Besitzer Don Finkbeiner erlebt, der Dr. Frank Albo gut und gerne vertritt. Denn auch er ist vom Hermetic Code-Fieber gepackt worden, wie mittlerweile auch mehr als 45.000 Besucher der Tour. 2011 fügte Destination Canada die Tour im Rahmen seiner internationalen Tourismuskampagne Signature Experience Collection seiner Liste der wichtigsten Reiseziele hinzu.

The Masonic Mysteries of the Legislative Building in Winnipeg – Manitoba, Canada

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Dr. Frank Albo hat auch eine spannende Website zur Tour und seinen weiteren Forschungsgebieten/-themen.

Buchtipp

2007 erschien „The Hermetic Code“ bei der Winnipeg Free Press als Buch, was ich nur empfehlen kann.* Vor Ort ist es aber sicherlich preiswerter zu erhalten. Ich selbst besitze ein Exemplar und habe das neben meinen Besuchen als Grundlage/Recherchematerial für den Artikel genommen.

Letzte Aktualisierung am 4.02.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Termine 2019

Vom 10.04. bis zum 23.10.2019 findet jeden Mittwochabend von 18 bis 19:45 Uhr eine Tour durch das Manitoba Legislative Building statt. Es wird empfohlen, 15-20 Minuten vorher dazu sein. Außerdem brauchst Du eine gültige ID/Personalausweis, die/den Du eventuell am Eingang des Regierungsgebäudes vorzeigen musst. Dem Wetter angemessene Kleidung ist empfehlenswert, da die ersten 20 min. der Tour draußen stattfinden.

Private Gruppen sind möglich: Minimum 15 Personen, max. 60 Personen. Am Besten nicht am Samstag, da viele Hochzeiten im Gebäude stattfinden können.

Die Tour ist für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Tour endet jedoch am „Pool of the Black Star“, der über zwei Treppenstufen erreichbar ist, aber auch von der Treppe aus gesehen werden kann.

Preise

Pro Person kostet die Führung 36 $ (CAD) + Steuern & Gebühren, also insgesamt 41,80 $ (CAD). Dies entspricht ca. 27,50 Euro, die sich meiner Meinung nach sehr lohnen.

Adresse/Treffpunkt

Die Gruppe trifft sich vor dem Haupteingang des Gebäudes am Broadway.

Manitoba Legislative Building
450 Broadway Avenue
Winnipeg, Kanada

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Auf dem Roadtrip durch den Süden Manitobas vom Whiteshell Provincial Park und dem Falcon Lake zum Riding Mountain National Park kannst und solltest Du Stopp in Winnipeg machen. Es gibt viel zu entdecken. 

Im Rahmen mehrerer Kooperationen mit Destination Canada war ich bei drei Besuchen in Winnipeg zweimal mit Dan und Heartland Tours auf Hermetic Code Tour durch das Manitoba Legislative Building. Als krimibegeisterter Leser von Dan-Brown-Büchern bin ich fasziniert von der Materie, lasse mich aber nicht durch die Einladung in meiner Meinung beeinflussen. 

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