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Dortmunder Philharmoniker Foto: Magdalena Spinn.

„Trauer und Hoffnung“ –
4. Philharmonisches Konzert 2018/19

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Unter dem Motto „Trauer und Hoffnung“ spielten die Dortmunder Philharmoniker im Dezember 2018 das 4. Philharmonische Konzert und behandelten dabei Werke, die ihre Komponisten in tiefer Verzweiflung geschrieben haben.

Bohuslav Martinů – Mahnmal für Lidice

Den Abend eröffneten die Philharmoniker mit einem Stück von Bohuslav Martinů zum Gedenken an Lidice. Die kleine Stadt kurz vor Prag wurde im Rahmen von Vergeltungsmaßnahmen durch das NS-Regime dem Erdboden gleich gemacht, nach dem Reinhard Heydrich an den Folgen des Attentats vom 27. Mai 1942 starb.

Heydrich war zu der Zeit Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren und ein wahres Ungeheuer. Alle männlichen Bewohner wurden erschossen, die Frauen und Kinder deportiert. Das Dorf wurde angezündet und was dann immer noch stand gesprengt.

Danach kam es weltweit zu Solidaritätsbekundungen. Die tschechische Exilregierung fragte Bohuslav Martinů, der im Exil in den USA lebte, nach einem Lamento. Zuerst musste er das Komponieren aber abbrechen, es ging ihm zu nahe. Erst als 1943 die America League of Composers eine gleiche Anfrage stellte, fing er an zu komponieren. Er plante ein dreisätziges Stück, von dem er aber nur den mittleren, den langsamen Satz zu Ende bringt.

4. Philharmonisches Konzert "Trauer und Hoffnung", Dirigent: Marc Piollet.
4. Philharmonisches Konzert „Trauer und Hoffnung“, Dirigent: Marc Piollet

Trauer und Hoffnung in einem

„Mahnmal für Lidice“ fängt düster an und kommt dann auf das zentrale Thema, einen Choral aus dem tschechischen Befreiungskrieg „Svaty Vaclav“ (Wenzel von Böhmen). Die düstere Atmosphäre klärt sich langsam auf, es wird fast euphorisch – am Ende wird die friedliche Atmosphäre mit einen Tutti-Akkord aber wieder zerstört. Das Stück ist nur zehn Minuten lang, aber unglaublich aufwühlend. Für mich eine echte Entdeckung.

W.A. Mozart – Sinfonie D-Dur KV 504, „Prager“

Über 150 Jahre vor Martinů, aber nur 22 Kilometer weiter präsentierte Wolfgang Amadeus Mozart seine neue Sinfonie in Prag. Bis dahin lief es nicht so gut für ihn. Die Premiere des Figaro in Wien floppte. Anders ein halbes Jahr später in Prag. Dort wurde die Oper gefeiert.

Mozart reiste daher nach Prag, um seine neueste Sinfonie vorzustellen. Drei Jahre nach der letzten Sinfonie. Die „Prager“ beginnt mit einer für Mozart ungewöhnlich düsteren, langen Einleitung, die wir später in Don Giovanni wieder finden. Auch die Nähe zum Figaro hören wir, vor allem im Rondo-Finale.

Maurice Ravel – Klavierkonzert G-Dur

Nachdem Ravel mit dem Bolero einen Welthit gelandet hatte, begab er sich auf eine große Amerikatournee. Auf dieser lernte er Gershwin kennen. Dabei fragte er, ob er bei ihm Komposition studieren könnte.

Gershwin antwortete:

„Bleiben Sie doch lieber ein erstklassiger Ravel, als ein zweitklassiger Gershwin.“

Den großen Einfluss höre ich auch im Klavierkonzert G-Dur. Das ist auch gut so. Denn mir fällt gerade auf, dass ich außer dem Bolero nichts von Ravel kenne und ihn auch nicht sonderlich mag – bis auf die Teile die wie Gershwin klingen! Diese sind super. Mir wäre es daher sehr recht gewesen, wenn Ravel und Gershwin mehr zusammen gearbeitet hätten.

Benjamin Britten – Sinfonia da requiem op. 20

Die Sinfonia da requiem von Benjamin Britten ist für mich die zweite große Überraschung an diesem Abend. Britten trifft mit diesem Requiem mitten ins Herz.

Ein Trauerwerk in christlicher Tradition, welches er formal für die Eltern, aber eigentlich für die vom Krieg zerrissene Welt schreibt. Es fängt mit einem Trauermarsch an, dann kommen die apokalyptischen Reiter mit einem „Tanz des Todes“ hinzu. Ein Saxophon-Solo sorgt für kurze Entspannung.

Das Finale wird friedlicher. Dieser Frieden ist aber irgendwie in weite Ferne gerückt. Ein großartiges Stück, mit einem großartigen Orchester. Ein wunderbarer, tragischer, aber auch mitreißender Abend.

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