Canada Day in Ottawa – Countdown zum 150. Geburtstag

Der Countdown läuft. 2017 wird Kanada, das zweitgrößte Land der Erde, zarte 150 Jahre alt. Den werden die Kanadier an ihrem Canada Day ganz besonders ausgiebig feiern. Doch auch schon zum 149. Geburtstag am 01. Juli 2016 feierte das Land ausgelassen und ich war mitten drin. Zwischen rot-weiß-gekleideten Kanadiern war ich auf dem Parliament Hill in Kanadas Hauptstadt Ottawa. Von oben bis unten ebenfalls in rot-weiß gekleidet, mit Fähnchen ausgestattet, ein ablösbares Kanadatattoo auf dem Oberarm und gespannt auf das, was da kommen mag.

Rot-Weiß - der Dresscode für den Canada Day
Rot-Weiß – der Dresscode für den Canada Day

Canada Day in Ottawa

Vormittagsprogramm

Nach dem Frühstück ging es direkt zum Parliament Hill. Der Ansturm war schon früh sehr groß und es hieß Schlange stehen, um durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind für Kanada ungewöhnlich hoch, doch nach einem Attentat im Oktober 2014 sind die Kanadier hier vorsichtiger geworden. Die Innenstadt war weitestgehend abgesperrt und viele Menschen waren schon sehr zeitig in Ottawa unterwegs. Doch es ging alles ganz zügig und Dank des Mediapasses, den ich von Ontario Tourism bekam, konnte ich mir einen Platz auf der Pressetribüne sichern. Von hier hatte ich einen fantastischen Blick auf alles.

Einlass zum Parliament Hill am Canada Day
Einlass zum Parliament Hill am Canada Day

Change of the Guard

Dann ging es auch schon los mit dem Tagesprogramm. Gegen 9 Uhr begannen die Feierlichkeiten mit dem traditionellem Hissen der Flagge sowie dem “Changing of the Guard”, der militärischen Wachablösung. Dabei wurde wieder sehr deutlich, dass Kanada einst britische Kolonie und auch heute ein Teil des britischen Commonwealth ist. Die typischen Soldaten mit Bärenfellmütze liefen auf, aber auch Schottenröcke und Dudelsäcke durften nicht fehlen. Begleitet von einem Musikkorps zogen die Soldaten auf das Grün rechts der Bühne ein und vollführten ihre ausgefeilten Choreographien. Oftmals lustig anzusehen, aber ein schöner Auftakt der Feierlichkeiten.

Changing of the Guard
Changing of the Guard

Für eine größere Ansicht bitte ein Bild anklicken.

Im Anschluss wurde das Grün dann für die Besucher freigegeben und der große Run auf die besten Plätze am Zaun und dem besten Blick auf die Bühne begann. Auf der anderen Seite hingegeben war es Zuschauern schon vorher möglich, sich einen Platz zu sichern. Alles in allem war es aber so gut organisiert, dass es nie extrem voll wirkte, sondern Menschen ausreichend Platz hatten. Bei manchen “Kostümierungen” war dies vielleicht auch besser so. ;)

Der Run auf die besten Plätze
Der Run auf die besten Plätze
Lustiges Kostüm
Lustiges Kostüm

Peace Tower Carillon Konzert

Gegen 10 Uhr gab es dann ein besonderes Highlight: das Peace Tower Carillon Konzert. Dabei werden rund 20 Minuten die Glocken des Peace Towers gespielt. Das Glockenspiel umfasst dabei 53 Glocken, wobei die größte rund 10.000 kg wiegt und vom Dominion Carillonneur gespielt werden. Seit 2008 ist das Dr. Andrea McCrady. Eigentlich jeden Werktag Punkt 12 Uhr spielt sie für rund 15 Minuten das Glockenspiel des Peace Towers und natürlich bei festlichen Anlässen wie den Canada Day. Das Programm kann auf der offiziellen Website des Parlaments eingesehen werden. Die Hymne “O Canada” steht dabei immer auf dem Programm, gefolgt von zum Teil tagesaktuell passenden Songs, die von Klassik (z.B. Telemann) bis hin zu kanadischem Pop reichen.

Canada Day Noon Show

Dann bereitete sich alles auf die große “Canada Day Noon Show” vor, die wie der Name vermuten lässt, um 12 Uhr mittags anfing. Dazu waren Bands und Musiker aus allen Teilen Kanadas eingeladen. An der Pressetribüne hatte ich dabei oft Gelegenheit, die Musiker kurz hautnah zu erleben, wie sie dem kanadischen Fernsehen Interviews gaben.

Alex Cuba beim Interview mit dem kanadischen Fernsehen
Alex Cuba beim Interview mit dem kanadischen Fernsehen

Doch mein eigentliches Highlight sollte noch kommen! Zum Nationalfeiertag auf dem Parliament Hill waren natürlich nicht nur Künstler und Presse eingeladen. Premierminister Justin Trudeau und seine Familie sowie der Generalgouverneur Kanadas, der Vertreter der Queen im Land waren angekündigt. Dafür wurde sogar der rote Teppich noch einmal ordentlich überprüft.

Überprüfung des roten Teppichs
Überprüfung des roten Teppichs

Es dauerte eine ganze Weile, bis diese politische Prominenz am Parliament Hill erschien. Währenddessen schmorten wir auf der Pressetribüne im eigenen Saft. Kein Schatten weit und breit, das Thermometer zeigte 32 °C und das angekündigte Gewitter kam erst gegen Nachmittag auf. Gott sei Dank hatten die Veranstalter gut vorgesorgt. Es gab kostenlose Wasserstationen, an denen alle sich ihre Flaschen auffüllen lassen konnten.

In der restlichen Zeit unterhielt ich mich mit Zuschauern, die es in die erste Reihe am Zaun geschafft hatten. Was für wunderbare Geschichten waren da dabei. Die chinesische Studentin, deren Eltern zum ersten Mal in Kanada waren und kein Wort Englisch verstanden oder die Familie, die seit wenigen Monaten erst kanadische Staatsbürger sind und sich diesen für sie so wichtigen Canada Day nicht verpassen wollten. Alle wollten Teil dieser entspannten, aber ausgelassenen Stimmung sein.

Rechts die chinesische Studentin mit Eltern, links daneben die neukanadische Familie
Rechts die chinesische Studentin mit Eltern, links daneben die neukanadische Familie

Es waren überhaupt die kleinen Gesten, die für mich den Canada Day so einzigartig werden ließen. Unter den geladenen Gästen, die vor der Bühne mit Premierminister und anderen Politikern sitzen durften, war auch eine syrische Familie, die Dank Refugeeprogramm in Kanada Sicherheit fanden. Für mich persönlich fand ich es eine schöne und persönliche Geste, zu einer privaten Canada Day Party eingeladen zu werden. Die Kanadier sind einfach von Grund auf wahnsinnig freundlich und offen, was mir oft in Deutschland fehlt.

Syrische Refugee-Familie beim Canada Day in Ottawa
Syrische Refugee-Familie beim Canada Day in Ottawa

Die Ankunft von Justin Trudeau

Eine kleine Weil vor der Mittagsshow vor dem Centre Block des Parlaments wurde es unruhig. Von Weitem konnte ich die Ankunft des extrem beliebten Justin Trudeau erahnen. Doch die Pressetribüne war Gott sei Dank direkt am Roten Teppich und unweit der Centennial Flame. Hier mussten alle über Kurz oder Lang vorbei.

Gleich kommen sie...
Gleich kommen sie…
im Vordergrund: Centennial Flame
im Vordergrund: Centennial Flame

Es dauerte auch nicht lange, dann konnte ich einen ersten Blick auf den Popstar der Politik werfen. Gemeinsam mit seiner Frau Sophie, den zwei ältesten Kindern, der Ministerin für Kulturerbe (Minister of Heritage) Mélanie Joly sowie dem Governor General (GG) David Johnston und seiner Frau betrat Justin Trudeau den roten Teppich.

Minister of Heritage, Mélanie Joly, Sophie & Justin Trudeau mit Kindern, Governor General David Johnston und Ehefrau Sharon
Minister of Heritage, Mélanie Joly, Sophie & Justin Trudeau mit Kindern, Governor General David Johnston und Ehefrau Sharon

Canadian Forces Snowbirds

Im Anschluss nahm David Johnston die Militärparade ab und die berühmten Canadian Forces Snowbirds flogen zum ersten Mal über die Stadt. Beeindruckend. Irgendwann dazwischen fielen noch 21 Salutschüsse – und ich dachte, der große Knall sollte das Feuerwerk am Abend werden.

Snowbirds über Ottawa
Snowbirds über Ottawa

Traditionelle Zeremonie

Auf dem Weg zu ihren Plätzen vor der Bühne wurden David Johnston, Justin Trudeau und Mélanie Joly in einer traditionellen Zeremonie von einem First Nation Ältesten empfangen und “gereinigt”. Dabei wird Rauch mit einem Flügel aus einer Schale in Richtung des zu Reinigenden gefächelt. Dieser nimmt den Rauch mit einer Handbewegung auf und verteilt ihn in Richtung Gesicht, um mit dem Einatmen seine Seele zu reinigen. So bekamen die Ureinwohner Kanadas auch einen sehr prominenten Platz im Programm.

traditionelle Reinigungszeremonie
traditionelle Reinigungszeremonie
traditionelle Reinigungszeremonie
traditionelle Reinigungszeremonie

Nationalhymne

Nach dem der Tross auf seinen Stühlen Platz genommen hat, war es auch schon Zeit für die Nationalhymne “O Canada”, die Punkt 12 Uhr erklang und das Showprogramm konnte beginnen. Der Co-Moderator und Rapper Kardinal Offishal eröffnete musikalisch die Show. Später führten die beliebte Moderatorin Rebecca Makonnen und er durch das restliche Programm, das etwa bis 13:30 Uhr dauerte.

Bei der Nationalhymne "O Canada"
Bei der Nationalhymne “O Canada”
Kardinal Offishal eröffnet das Showprogramm
Kardinal Offishal eröffnet das Showprogramm

Das Showprogramm

Auch wir durften nun mit im vorderen Bereich nahe der Bühne sein und so konnte ich ein paar Blicke auf die mir fast alle unbekannten Musiker werfen. Das Programm war vielfältig. Die Musiker (wie Metric, Alex Nevsky, Indian City, Les Hay Babies, Coleman Hell) stammen aus den unterschiedlichsten Genren und visualisierten das vielfältige Kanada. Besonders gut gefallen hat mir dabei Alex Cuba, ein Musiker aus British Columbia mit kubanischen Wurzeln, der einen Song auf Spanisch, Englisch, aber auch in einer First-Nation-Sprache sang. Bei Metric soll Justin Trudeau sogar mitgesungen haben.

Alex Cuba
Alex Cuba

Aber auch die zerbrechlich wirkende Sängerin Cœur de Pirate (“Piratenherz”, 26) aus Montréal, Québec hat es mir mit ihren französischen und englischen Songs angetan – und nicht nur, weil ihre Tochter Romy heißt. ;)

Coeur de Pirate
Coeur de Pirate

Festreden zum 149. Canada Day

Zwischen den Live-Acts durfte aber der hochoffizielle Character nicht fehlen. Mélanie Joly, Justin Trudeau und David Johnston hielten Reden zum 149. Jahrestag der Gründung Kanadas (übrigens mit Gebärdendolmetschern). Dabei beschworen alle ein buntes, offenes und vielfältiges Kanada, erinnerten aber auch an Katastrophen wie in Fort McMurray. Doch auch die da bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro und die damit verbundenen sportlichen Leistungen bekamen ihren Platz.

Bei der Rede von Justin Trudeau
Bei der Rede von Justin Trudeau

Dann war es auch schon wieder vorbei. Die Musiker und Artisten standen Spalier und Trudeau und Joly verabschiedeten sich ausführlich von ihnen und den Zuschauern direkt an der Absperrung – und ich wäre so gerne mittendrin gewesen, aber mit meiner Akkreditierung stand ich auf der falschen Seite für einen Handschlag. Leider blieb auch für Justin Trudeau nicht so viel Zeit zum Verweilen, er wurde noch in Newfoundland & Labrador erwartet. Denn am 01. Juli erinnert diese kanadische Provinz auch an die herben Verluste des Royal Newfoundland Regiments während der Schlacht an der Somme im ersten Weltkrieg, die sich 2016 zum 100. Mal jährte.

Verabschiedung von hier Kardinal Offishal durch Premierminister Justin Trudeau
Verabschiedung von hier Kardinal Offishal durch Premierminister Justin Trudeau

Canada Day abseits des Parliament Hill

Schnell leerte sich der Parliament Hill und die Masse verteilte sich auf die Innenstadt. Erst später wurde es vor dem Parlament sowie im Major’s Hill Park wieder voller, als das Abendprogramm startete. In der Zwischenzeit besuchte ich die private Canada Day Party und feierte bei einsetzendem Gewitter mit Einheimischen weiter. Doch der Regen konnte niemanden an diesem Tag aufhalten. Die Innenstadt war getaucht in Rot und Weiß und an jeder Ecke wurde gefeiert. So etwas habe ich nicht mal im berühmten Fußballsommermärchen 2006 erlebt.

Ganz Kanada ist auf den Beinen
Ganz Kanada ist auf den Beinen
Die andere Art, Canada Day zu feiern
Die andere Art, Canada Day zu feiern

Abschlussfeuerwerk am 149. Canada Day

Seinen abschließenden Höhepunkt fand der Abend dann in einem grandiosen Feuerwerk um 22 Uhr, welches ich auf dem Dach des Fairmont Laurier Hotels ansehen durfte. Mit Blick auf den Ottawa River, den Rideau-Kanal mit seinen Schleusen und dem Major’s Hill Park hatte ich den perfekten Rahmen für ein paar Feuerwerksfotos. Das Stativ war schnell aufgebaut und von ein bisschen Nieselregen habe ich mich nicht abhalten lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, oder?

Feuerwerk zum 149. Canada Day in Ottawa
Feuerwerk zum 149. Canada Day in Ottawa

Damit ging ein langer und ereignisreicher Tag zu Ende, der wahrscheinlich 2017 zum 150. Jahrestag noch um einige Highlights reicher sein wird.

Darf's noch etwas Ahorn sein?
Darf’s noch etwas Ahorn sein?

Zur Info: Air Canada bietet ab Frankfurt Direktflüge nach Ottawa, die auch jetzt schon im Vorverkauf sind.

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Diese und viele weitere Fotos sind unter CC-Lizenz auf Flickr zu finden.

Vielen Dank an Ontario Tourism und Destination Canada für die Einladung zur Pressereise “Countdown to Canada 150”. Meine Meinung bleibt davon unbeeindruckt. 

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.Sie bloggt seit 2006. Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013. 2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.