Am vorletzten Tag des Jahres 2025 war ich wieder einmal in der Bundeskunsthalle Bonn unterwegs. Diesmal für eine Ausstellung, die mich noch immer beschäftigt: W.I.M. – Die Kunst des Sehens, die große Geburtstagsausstellung zum 80. von Wim Wenders, einem der bedeutendsten deutschen Filmemacher und bildenden Künstler unserer Zeit.
Die Ausstellung lief seit dem 1. August 2025 und endete am 11. Januar 2026. Ich selbst habe sie am 30. Dezember 2025 besucht, in dieser schönen Zwischenzeit zwischen den Jahren, in der man offen ist für neue Eindrücke und Inspiration. Diese gab es hier reichlich.
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Worum geht es in der Ausstellung?
Die Ausstellung war ein immersives Gesamtporträt der Werke Wim Wenders, des Filmemachers, Fotografen, Reisenden und Künstlers, gebürtig aus Düsseldorf. Anlässlich seines 80. Geburtstags widmete ihm die Bundeskunsthalle Bonn ein bildgewaltiges Ausstellungserlebnis, das gemeinsam mit dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum erarbeitet wurde.
Sie zeigte nicht nur viele Ausschnitte seiner berühmten Filme wie:
- Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972)
- Alice in den Städten (1973/74)
- Falsche Bewegung (1975)
- Der amerikanische Freund (1977)
- Paris, Texas (Goldene Palme in Cannes 1984)
- Der Himmel über Berlin (1987)
- Buena Vista Social Club (Oscar-Nominierung 1999)
- Perfect Days (Oscar-Nominierung 2024)
sondern auch seine Fotoarbeiten, Collagen, frühen Zeichnungen, archivarische Dokumente (z.B. Drehbücher, Briefe), Requisiten und sogar ein eigenes 3D-Kino. Dabei auch frühe Arbeiten aus Oberhausen, wohin seine Eltern mit ihm im Alter von 10 Jahren zogen.

Besonders spannend fand ich, wie breit Wenders’ Werk ist und wie sehr es um Sehen und Reisen geht. Passend dazu stand das für die Ausstellung gewählte Akronym W.I.M. hier nicht nur für Wim, sondern auch für Wenders in Motion. Wim Wenders selbst versteht sich zuerst als Reisender, erst dann als Regisseur oder Fotograf.
Zahlreiche unfassbar gute Fotografien der Ausstellung stammten von Wenders Ehefrau Donata, und ich bitte hiermit alle Museen, dieser Fotografin mehr eigene Ausstellungen zu geben! Was für eine talentierte Frau!

Meine persönlichen Highlights
Neben den unglaublichen Fotos von Donata Wenders, in die ich mich schockverliebte, waren dies meine Highlights der Ausstellung.
1. Die immersive Rauminstallation
Relativ am Ende gab es eine große immersive Installation, die mit modernster Bild- und Tontechnik arbeitete und von Wim Wenders selbst für diese Ausstellung konzipiert wurde. Auf mehreren Projektionsflächen verschmolzen Filmfragmente, Landschaften, Musik und Stimmen.
Ich stand und saß mitten in dieser Wenders-Welt von Paris, Texas, und sie wirkt poetisch, langsam, tief. Die Szenen waren nicht chronologisch geschnitten, und doch ergab alles Sinn.

2. Der Audiowalk mit Wim Wenders
Über die App der Bundeskunsthalle konnte ich außerdem einen kostenfreien Audiowalk starten und Wim Wenders lauschen. Er führt selbst durch seine Ausstellung. Das war überraschend intim. Er erzählt, was ihn geprägt hat: Musik, Malerei, Reisen, Literatur, Amerika, Japan.
An diversen Stellen in der Ausstellung führten QR-Codes auch ohne App zu den entsprechenden Abschnitten des Audiowalks, den Du so kostenlos auf Deinem eigenen Smartphone hören konntest. Daher galt: Kopfhörer nicht vergessen!
3. Die Road-Movie-Sektion
Wenders ohne Road Movies? Undenkbar.
Ob Alice in den Städten, Im Lauf der Zeit oder Paris, Texas – das Motiv des Unterwegsseins zieht sich durch sein Werk. Die Ausstellung zeigte Polaroids, Filmclips und Drehorte. Immer dazu passend: gute Musik. Ein Roadtrip braucht aber auch eine gute Playlist, ein Mixtape, einfach gute Musik. Nicht zuletzt arbeitete Wenders für seine Filme mit Musikern wie Bono (U2), Wolfgang Niedecken (BAP), Nick Cave, Campino (Die Toten Hosen) und vielen anderen zusammen.

Ich hatte plötzlich wieder Lust auf lange Autofahrten über Highways, Motelparkplätze und staubige Kleinstädte, z.B. durch Kanada. USA ist 2026 ja weiterhin kein Thema für mich persönlich.
4. Das 3D-Kino & -Dokumentationen PINA & ANSELM
Im hinteren Bereich hatte die Bundeskunsthalle Bonn ein kleines 3D-Kino eingerichtet. Dort lief ein feines 3D-Programm. Die dafür nötigen 3D-Papierbrillen wurden bereitgestellt.
Davor widmete sich bereits ein kleiner Teil der Ausstellung dem 3D-Film und den damit verbundenen 3D-Dokumentationen, die Wim Wenders weitere Möglichkeiten der künstlerischen Entfaltung boten. Vor allem zwei Filme möchte ich dabei erwähnen, die sich zu sehen lohnen:
- PINA (2011) – eine Tanzfilm-Doku über die Wuppertaler Choreographin Pina Bausch, Titelbild: Donata Wenders
- ANSELM – Das Rauschen der Zeit (2023) – über den in Frankreich lebenden, bedeutenden zeitgenössischen, deutschen Künstler Anselm Kiefer

Spannend: Hier wird Technik nicht als Gimmick verwendet, sondern als Mittel, um Nähe zu schaffen. Wenders beschreibt 3D als Möglichkeit, „etwas zu erzählen, was man vorher nicht erzählen konnte“.
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Wie die Ausstellung aufgebaut ist
Ich war positiv überrascht, wie gut strukturiert die Schau trotz der Material- und Themenfülle war. Sie war wie folgt aufgebaut:
- Engel
- Frühe Ausdrucksformen
Filmbildung - Road Movies
- Literatur
- Bildende Kunst
- 3-D-Kino/3-D-Produktionen
- Musik
- Amerika
- Japan
- Immersiver Raum mit vier Installationen
Engel: Zwischen Metapher und Menschenbild
Der Bereich Engel widmete sich den ikonischen Schwarzweißgestalten aus Der Himmel über Berlin und dessen Fortsetzung In weiter Ferne, so nah! – aber auch Wenders’ frühen Zeichnungen.

Besonders schön wurde hier sichtbar, dass Engel für ihn weniger religiöse Figuren sind, sondern Metaphern für das „bessere Ich“, das wir manchmal ahnen, aber selten erreichen. Zeichnungen, Filmausschnitte und Textfragmente von Peter Handke führten hinein in dieses Zwischenreich aus Empathie, Melancholie und Menschwerdung.

Was im Film als poetischer Blick auf das zuerst geteilte, später wiedervereinigte Berlin erscheint, zeigt sich als Metaphern des Lebens, der Zwischenmenschlichkeit, der Höhen und Tiefen und sind Sinnbilder unseres Umgang miteinander. Auch heute noch ein hochrelevantes Thema.
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Frühe Ausdrucksformen: Der junge Wenders sucht Bilder
Dann stiegen wir in die Biografie von Wim Wenders ein. Der nächste Bereich zeigte Wenders vor den Filmen als einen zeichnenden, malenden und collagierenden Jugendlichen. Inspirierende Originale aus der Nachkriegszeit offenbarten, dass sein visuelles Vokabular aus der Malerei kommt: Landschaften, Menschen und abstrakte Farbfelder.




Es war ungewohnt intim: der Teenager, der im Ruhrgebiet Kunst entdeckt, eine 8-mm-Kamera geschenkt bekommt und beginnt, seine Welt festzuhalten. Ich erkannte, dass Wenders sich nicht einfach „für Film entschieden“ hat. Film war irgendwann nur die logische Fortsetzung seines Bilddrangs.
Filmbildung: Die Schule des Sehens
Dann führte die Ausstellung tief hinein in Wenders’ filmische Anfänge: seine Zeit in der Cinémathèque française in Paris, sein Studium an der frisch gegründeten Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München und seine Arbeit als Filmkritiker. Beeindruckend fand ich, wie klar hier wird, dass Wenders Kino nicht nur liebt, sondern auch studiert hat – Szene für Szene, Bild für Bild. Alte Drehbücher, Kritiken und Interviews zeigten, wie aus einem begeisterten Zuschauer ein Regisseur und schließlich ein Autor des Kinos wurde, der Film als „Fortführung der Malerei mit anderen Mitteln“ versteht.
Road Movies: Unterwegs-Sein als Haltung
Ein eigener Bereich widmete sich dem, was viele mit Wenders zuerst verbinden: Road Movies. Hier hingen Polaroids, Standbilder und Requisiten neben Filmausschnitten von Alice in den Städten, Im Lauf der Zeit, Falsche Bewegung oder Paris, Texas.

Besonders eindrücklich fand ich, wie sehr das Motiv der Straße hier nicht romantisiert, sondern beobachtet wurde: Menschen, Städte, Ränder, Transit. Das Unterwegssein ist weniger Flucht als Suchbewegung – nach Bildern, Sprache und sich selbst.
Auf Reisen zu drehen, schien mir damals die natürlichste Sache der Welt. Nur nicht
irgendwo anhalten oder gar ankommen! ,Moving Pictures‘ heißen Filme nicht umsonst.
Wim Wenders
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Literatur: Schreiben, Lesen, Verbündete
Wenders wollte ursprünglich Schriftsteller (oder Maler) werden, das merkt man. In diesem Bereich begegneteste Du nicht nur Peter Handke (mit dem er u.a. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter realisierte), sondern auch Rilke, Sam Shepard oder Paul Auster. Briefe, Manuskripte und Bücher zeigten, wie sehr die Literatur sein Denken prägt. Mir gefällt, dass hier auch seine eigenen Texte gezeigt wurden: Filmkritiken, Essays, Drehbücher. Kino entsteht bei Wenders ganz offensichtlich zuerst auf Papier.
Erst wenn ich schreibe, kann ich Dinge zu Ende denken. Wenn ich die Wörter geschrieben vor mir sehe, werden die Gedanken von selbst klarer.
Wim Wenders
Bildende Kunst: Film als Fortsetzung der Malerei
Hier öffnete sich ein Ausstellungsbereich, der Wenders’ Begriff von Malerei, Komposition und Licht erklärte. Werke von Bellini über Hopper bis Ruisdael zeigten, was ihn geprägt hat.

Das Spannende: Neben Malern tauchten auch Fotografen wie August Sander oder Sebastião Salgado auf. Die tiefe Verbundenheit und Freundschaft mit Salgado mündeten im Film Das Salz der Erde, der seinen einzigartigen Blick auf die Welt widerspiegelte. Etwas neidisch blicke ich auf die zwei Originalabzüge, die Wenders aus seinem Privatbesitz für die Ausstellung her gab.
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Ein weiteres Werk aus dem Privatbesitz, Die rote Tür des italienischen Malers Robert Bosisio, der virtuos mit einer Ästhetik der Unschärfe, mit Tiefe sowie mit Licht und Schatten operiert und Wenders Liebe zum manchmal weiten, manchmal leeren Raum belegt, führte Wenders permanente Auseinandersetzung mit Kunst vor Augen und gab einen Einblick in den persönlichen Kosmos des Filmemachers.

3D & Immersion: Techniken, die Nähe schaffen
Wenders war nie technikverliebt, sondern neugierig. Die Bundeskunsthalle zeigte, wie er 3D nicht als Effekt, sondern als Erkenntnismittel nutzt. PINA und Anselm sind hier Schlüsselwerke – beides Filme, die Nähe, Raum und Körper neu erfahrbar machen.
In der Ausstellung gab es außerdem ein kleines 3D-Kino, das genau diese Form des Sehens anhand der Kurzfilme Présence und Two or Three Things I Know About Edward Hopper vermittelte. Meine Erkenntnis aus diesem Bereich: Wenders filmt nicht, um spektakulär zu sein, sondern um etwas sichtbar zu machen, das sonst übersehen würde.
Nur so, unter Einbeziehung der Dimension des Raumes, könnte ich mir zutrauen …
Pinas Tanztheater in einer angemessenen Form auf die Leinwand zu bringen.
Wim Wenders
Der immersive Raum fast am Ende war hingegen das zentrale Erlebnis der Ausstellung: Ein großer, abgedunkelter Saal, vier rund acht Meter hohe Projektionswände, digitale Soundtechnik und eigens von Wim Wenders für Bonn konzipiert. Die Sequenzen Angels and Voices, Dream Sequences und I knew these people führten auf neue Art und Weise durch die Filme Der Himmel über Berlin, Bis ans Ende der Welt und Paris, Texas. Dazu eine Compilation von Szenen seiner zahlreichen Filme der vergangenen fünf Jahrzehnte zum Thema On The Road Again.

Farben wechselten mit Schwarzweiß, langsame Einstellungen mit Roadmovie-Passagen. Besonders stark war dabei die Klangdramaturgie, die Wenders selbst ausgewählt hat. Du schautest nicht nur Filme, sondern Du standst im Filmraum.
Musik: Hören mit den Augen
Ohne Musik kein Wenders – dieser Satz wurde in der Ausstellung mehrfach greifbar. Die Ausstellung zeigte Schallplatten, Kassetten, Soundtracknotizen, Liveaufnahmen, Filmsequenzen und sogar Szenen, in denen Figuren selbst Musik hören. Von Rock’n’Roll und Blues über BAP bis Buena Vista Social Club: Musik ist bei ihm nie nur Deko, sondern Haltung und Rhythmus. Besonders berührend: Fragmente aus The Soul of a Man oder die unverwechselbaren Slide-Guitars von Ry Cooder in Paris, Texas.

Amerika: Sehnsuchtsort und Konfliktbild
Kaum ein Filmemacher hat sich so ernsthaft mit Amerika auseinandergesetzt wie Wenders. Zwischen Popkultur und Systemkritik, zwischen Traum und Ernüchterung ordnete er seine Erfahrungen: das erste Mal New York, Hollywood mit Francis Ford Coppola, die weiten Highways des Westens.

In diesem Ausstellungsbereich wurde klar, wie sein Blick komplexer wurde: Vom mythischen Sehnsuchtsland zum Gegenstand gesellschaftlicher Beobachtung in Filmen wie Land of Plenty oder Das Ende der Gewalt. Man spürt: Wenders hat Amerika geliebt, aber nie naiv. Seine Faszination für die USA ist über die Jahrzehnte komplexer geworden, aber niemals verschwunden.
Wim Wenders
Ein Film IN Amerika ist auch gleichzeitig immer ein Film ÜBER Amerika.
Japan: Begegnung mit Ozu und das stillere Kino
Am Ende der Ausstellung zeigte die Bundeskunsthalle Bonn die zentrale Beziehung zu Yasujirō Ozu und die spätere Auseinandersetzung mit Tokio, Onomichi und dem japanischen Alltag. Fotos, Filmsequenzen und Notizen aus Tokyo-Ga und Perfect Days verdeutlichen Wenders’ Respekt vor einer Kultur, die das Kleine groß macht.


Hier steht die Bedachtsamkeit im Zentrum: Rituale, Routinen, Gemeinwohl. Für mich war es einer der berührendsten Teile der Ausstellung, weil japanische Stille hier nicht Fremde ist, sondern Antwort: auf Hektik, Konsum und das westliche „immer weiter“. Wenders findet in Japan nicht Exotik, sondern Haltung.
- Hirayama reinigt öffentliche Toiletten in Tokio
- Er scheint mit seinem einfachen, zurückgezogenen Leben vollauf zufrieden zu sein und widmet sich abseits seines äußerst strukturierten Alltags seiner Leidenschaft für Musik, die er von Audiokassetten hört, und für Literatur, die er allabendlich in gebrauchten Taschenbüchern liest
- Durch eine Reihe unerwarteter Begegnungen kommt nach und nach eine Vergangenheit ans Licht, die er längst hinter sich gelassen hat
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Archive & Dokumente: Das Werk als Gedächtnis
Zum Schluss traf man auf den „Maschinenraum“ des künstlerischen Arbeitens: Produktionsunterlagen, Drehbücher, Kostüme, Briefe, Requisiten, Behind-the-Scenes-Fotos, Notizen sowie Filmplakate. Vieles kam aus der Wim Wenders Stiftung, die 2012 gegründet wurde, um sein Werk zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieser Teil war überraschend emotional, weil er zeigte: Filme fallen nicht vom Himmel – sie wachsen aus Papier, Menschen, Orten, Entscheidungen und sie bleiben.

Besonders beeindruckt war ich von der Korrespondenz zwischen Wenders und dem Altbundeskanzler Willy Brandt über eine Beteiligung an der Fortsetzung von Ein Himmel über Berlin. Durch Brandts Tod 1992 konnte diese Zusammenarbeit nicht umgesetzt werden. Wenders besetzte Michail Gorbatschow, den ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, in In weiter Ferne, so nah! Sein Vertrag und einige Szenenfotos waren ebenfalls ausgestellt. Meine ganz persönlichen Highlights als gebürtige DDR-Bürgerin.


Auch zahlreichen Filmpreisen, die ich sonst nur aus dem Fernsehen von Verleihungen und Nachrichten kenne und die Wim Wenders im Laufe seiner Karriere verliehen wurden, kam ich nah. Beeindruckende Sammlung, in der eigentlich nur noch ein Oscar fehlt. Zwei Nominierungen erhielt Wenders bereits. Doch erstmal widmet sich Wenders Anfang 2026 dem Juryvorsitz der Berlinale. Mir bleibt nur noch: Alles Gute nachträglich zum 80.!


Warum sich ein Besuch lohnte
W.I.M. – Die Kunst des Sehens war keine reine Filmretrospektive, sondern eine Einladung, anders zu schauen: langsamer, bewusster, neugieriger.
Wer Wenders’ Filme liebt, wurde hier glücklich.
Wer Road Movies liebt, sowieso.
Wer Fotografie liebt, erst recht.
Selbst wer nur wegen der Immersion kam, bekam etwas geboten, in internationaler Museumsqualität.

Bundeskunsthalle Bonn
53113 Bonn
Deutschland
Website
📅 Laufzeit: 1. August 2025 – 11. Januar 2026
🎧 Audiowalk: kostenlos via App oder QR-Code
🎟 Tickets (2026): regulär 14 €/ermäßigt 7 €, online buchbar
🚇 Haltestelle: Heussallee/Museumsmeile
Fotos: Die Fotos unterliegen, wenn nicht anders angegeben, meinem Urheberrecht. Die gezeigten Werke unterliegen den Rechten von Wim Wenders und Donata Wenders bzw. den Filmverleihen, der Wim-Wenders-Stiftung usw. Das Ausstellungskonzept unterliegt dem Urheberrecht der Bundeskunsthalle Bonn. Alle meine Fotos sind auf Flickr zur Inspiration zu finden.
Offenlegung: Wir haben die Ausstellung privat besucht und Anfahrt, Parkkosten usw. selbst getragen.





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