Veganes Kochen klingt für manche noch immer nach komplizierten Ersatzprodukten und einer langen Liste unbekannter, ungesunder Zutaten. Wie unnötig diese Sorge ist, zeigte mir ein Kochevent im lyf East Frankfurt am 18. August 2026. Dort befindet sich mit dem LEUCHTENDROTER eines der spannendsten veganen Restaurants der Stadt – und für einen Mittag durften wir selbst an die Töpfe und Pfannen.
- Gemeinsam vegan Kochen im lyf East Frankfurt
- Apple Crumble vegan: Dessert mit Cream Cheese im Glas
- Die Vorspeise: Patisson, Melone und Chimichurri
- Kartoffelrösti, Austernpilze und Wasserspinat als Hauptgang
- Alkoholfreie Speisenbegleitung mit Kräutern – und ein Riesling
- Einfach vegan Kochen: Meine 5 Erkenntnisse aus dem Kochevent
- Veganes Kochen darf einfach sein
Auf dem Menü standen drei rein pflanzliche Gänge: Patisson mit Melone und Chimichurri als Vorspeise, Kartoffelrösti mit Austernpilzen und Wasserspinat als Hauptgericht sowie ein geschichtetes Apple-Crumble-Dessert mit veganem Cream Cheese. Keine komplizierten Fleischimitate, kein erhobener Zeigefinger – stattdessen Gemüse, Kräuter, Pilze, Kartoffeln und Äpfel, denen mit wenigen Techniken überraschend viel Geschmack entlockt wurde.

Genau das machte das Event für mich aus: Wir kochten nicht „trotzdem lecker“, obwohl alles vegan war. Es schmeckte einfach richtig gut und machte uns alle satt.
Gemeinsam vegan Kochen im lyf East Frankfurt
Das lyf East Frankfurt liegt in der Lindleystraße im Frankfurter Ostend. Das Hotel setzt stark auf Gemeinschaftsflächen und Begegnung; zu diesem Konzept gehören auch Küchen, in denen Gäste gemeinsam kochen können. Für unser Event verteilten wir uns auf mehrere Kochstationen in der Gemeinschaftsküche “Bond” im 4. Stock und bereiteten das Menü in kleinen Teams zu.

Gemeinsam mit Anna-Lena von Claasen Communication war ich für den letzten Gang zuständig. Uns gegenüber arbeiteten Susanne von vonortzuort.reisen und Nadja von travelprincess.de an der Vorspeise. Gemeinsam hatten wir eine lustige und gute Zeit.

Die übrigen Teilnehmenden kümmerten sich an einem zweiten Tisch und am Herd um den Hauptgang. Anki – eigentlich Ann-Kathrin – und Matthias aus dem Leuchtendroter unterstützten uns während des Kochens, beantworteten Fragen und griffen ein, wenn an einer Station eine helfende Hand fehlte.

Mein Arbeitsplatz am Dessert wirkte zunächst recht entspannt. Schließlich mussten wir „nur“ Äpfel schneiden, eine Creme aufschlagen und alles in Gläser schichten. Dann kam das Karamell ins Spiel.
Apple Crumble vegan: Dessert mit Cream Cheese im Glas
Für etwa 13 bis 14 kleine Portionen entfernten wir bei acht Äpfeln die Kerngehäuse und schnitten die Äpfel in Stücke. Dabei durften die Würfel ruhig etwas größer bleiben. Sie sollten später zwar weich, aber noch als Apfelstückchen erkennbar sein – und nicht zu Kompott zerfallen.

Anschließend bedeckten wir den Boden eines Topfes mit Zucker und ließen ihn bei mittlerer Hitze schmelzen. Anfangs geschah gefühlt überhaupt nichts. Karamellisieren ist eine Geduldsprobe: erst warten, nicht nervös werden – und dann plötzlich schnell reagieren. Sobald der Zucker flüssig wurde und Farbe annahm, kamen die Apfelstücke hinzu. Wir ließen sie kurz im Karamell köcheln, bis sie etwas weicher waren, aber noch Biss hatten.



Währenddessen verrührten wir vier Packungen veganen Cream Cheese mit Puderzucker und frisch abgeriebener Limettenschale. Mit dem Handmixer schlugen wir alles zu einer glatten, cremigen Masse auf. Der Limettenabrieb war dabei mehr als nur Dekoration: Seine Frische bildete einen schönen Gegenpol zu den süßen Karamelläpfeln.
Danach ging es ans Schichten. Als Boden zerbröselten wir Bio-Haferkekse in kleine Weckgläser und beträufelten sie mit Apfelsaft. Wobei „beträufeln“ bei mir eine eher großzügige Auslegung erfuhr – meine Kekse wurden stellenweise wohl eher in Apfelsaft ertränkt. Wenn Du das Dessert für Erwachsene zubereitest, könntest Du stattdessen auch Cider verwenden.

Auf die Keksschicht folgten die karamellisierten Äpfel und darauf die vegane Cream-Cheese-Creme. Zum Schluss verzierten wir jedes Glas mit essbaren Blüten. Geröstete Pinienkerne oder gehackte Cashews wären ebenfalls ein gutes Topping und würden noch etwas Knusper ins Dessert bringen.



Für Anki, die das Dessert sehr mag, richteten wir zusätzlich eine eigene Schüssel an – selbstverständlich ebenfalls hübsch garniert.

Das Ergebnis erinnerte optisch an ein Tiramisu im Glas, geschmacklich jedoch an einen sehr cremigen Apple Crumble. Vor allem war es ein Dessert, das sich unkompliziert vorbereiten lässt und auch Gästen gefallen dürfte, die sonst nicht gezielt vegan essen.

Apple-Crumble-Dessert im Glas: Zutaten als Orientierung
Für etwa 13 bis 14 kleine Weckgläser verwendeten wir:
- 8 Äpfel
- Zucker zum Karamellisieren
- 4 Packungen veganen Cream Cheese
- Puderzucker nach Geschmack
- den Abrieb einer oder mehrerer Limetten
- Bio-Haferkekse
- Apfelsaft oder alternativ Cider
- essbare Blüten zum Dekorieren
- optional geröstete Pinienkerne oder gehackte Cashews
Die Mengen abseits von Äpfeln und Cream Cheese sind bewusst nicht exakt angegeben. Beim Kochevent arbeiteten wir nach Geschmack und Konsistenz – das Dessert ist daher eher eine leicht nachzumachende Inspiration als ein grammgenaues Rezept.
Die Vorspeise: Patisson, Melone und Chimichurri
Während wir geduldig auf unser Karamell warteten, entstand uns gegenüber eine farbenfrohe Vorspeise. Die Basis bildete der Patisson, ein flacher Kürbis mit gewelltem Rand, der wegen seiner Form auch als UFO-Kürbis bezeichnet wird. Nadja und Susanne schnitten ihn mithilfe einer Mandoline in sehr dünne, gleichmäßige Scheiben und legten daraus ein gelbes Carpaccio.



Auch die Zucchini wurde mit der Mandoline verarbeitet – diesmal zu feinen Gemüsespaghetti. Dazu stellten die beiden eine aromatische Antipasti-Ölbasis aus Olivenöl, Majoran, Rosmarin und Thymian her und brieten Pilze an.
Für das Chimichurri kombinierten sie unter anderem Kräuter und Gewürze mit Melone, Zwiebeln und Knoblauch. Die fruchtig-würzige Mischung kam auf die Patissonscheiben und die Zucchinispaghetti; die gebratenen Pilze wurden rundherum angerichtet. Wer keine Pilze mag oder gerade keine zur Hand hat, kann sie durch mit Salbei angebratene Tomaten ersetzen.

Der Gang zeigte besonders gut, wie spannend vegane Küche mit Kontrasten spielen kann: roher, fein geschnittener Kürbis, weiche Melone, frische Kräuter, würziger Knoblauch und warme, herzhafte Pilze. Für ein besonderes Ergebnis braucht es hier weniger exotische Zutaten als unterschiedliche Texturen und eine kräftige Würzung.
Kartoffelrösti, Austernpilze und Wasserspinat als Hauptgang
Am zweiten Herd bereitete die dritte Gruppe den Hauptgang zu. Aus Kartoffeln entstanden goldbraune, knusprige Rösti. Dazu gab es Austernpilze und Wasserspinat. Gerade Austernpilze eignen sich für vegane Gerichte hervorragend: Werden sie kräftig angebraten, entwickeln sie viel Röstaroma und eine angenehm feste, fast fleischige Textur – ganz ohne ein industriell hergestelltes Ersatzprodukt zu sein.

Auch für diesen Gang gab es eine Alternative: Statt der Austernpilze lässt sich ein mariniertes und angebratenes Rote-Bete-Steak servieren. Das bringt nicht nur erdige Aromen, sondern auch eine kräftige Farbe auf den Teller.

Der Rösti war für mich der Beweis dafür, dass ein gutes veganes Hauptgericht gar nicht kompliziert gedacht werden muss. Kartoffeln sorgen für Vertrautheit, Pilze für Tiefe und Wasserspinat für Frische. Entscheidend sind eine heiße Pfanne, ausreichend Röstaromen und eine gute Balance der Komponenten.
Alkoholfreie Speisenbegleitung mit Kräutern – und ein Riesling
Zum Menü standen alkoholfreie Getränke, alkoholfreie Schaumwein-Alternativen sowie Wein bereit. Beim Kochen probierte ich die alkoholfreie Variante „Mediterran“ von Sven Leiner. Dafür wird roter Traubensaft mit Rosmarintee verfeinert und mit Kohlensäure versetzt. Die Kombination war ungewohnt, aber spannend: fruchtig, kräuterbetont und deutlich eigenständiger als viele Produkte, die lediglich versuchen, klassischen Sekt zu imitieren.




Anna-Lena wagte sich an die Variante „Wiesenkräuter“, bei der Traubenfrucht auf Kräutertee trifft. Beide gehören zu den alkoholfreien FIELD BLENDS des Weinguts Leiner. Solche Getränke passen gut zu einem kreativen veganen Menü, weil sie Kräuter- und Gemüsearomen aufnehmen können, statt nur Süße ins Glas zu bringen. Aber mit Sekt oder Wein haben sie immer noch leider zu wenig zu tun.
Zum Hauptgang entschied ich mich daher für Wein: einen spannenden Riesling, dessen Säure gut zum knusprigen Kartoffelrösti und zur roten Bete passte.
Einfach vegan Kochen: Meine 5 Erkenntnisse aus dem Kochevent
Ich lebe nicht vegan (aber stark vegetarisch). Gerade deshalb fand ich dieses Kochevent interessant. Denn keiner der drei Gänge wirkte wie eine pflanzliche Kopie eines Fleisch- oder Milchgerichts. Stattdessen standen die Zutaten selbst im Mittelpunkt.
Wer unkompliziert vegan kochen möchte, kann aus unserem Menü einige einfache Prinzipien mitnehmen:
- Gemüse nicht nur kochen, sondern roh hobeln, marinieren, rösten oder kräftig anbraten.
- Mit Texturen spielen: cremiger Cream Cheese, bissfeste Äpfel und knusprige Kekse machen ein einfaches Dessert abwechslungsreich.
- Kräuter, Säure und Röstaromen gezielt einsetzen. Limettenabrieb, Chimichurri und eine gut gebräunte Oberfläche sorgen für Spannung.
- Pilze, Kartoffeln und Rote Bete als eigenständige Zutaten behandeln, nicht nur als Ersatz für etwas anderes.
- Beim Anrichten ruhig Farbe zeigen: essbare Blüten, frische Kräuter und unterschiedlich geschnittenes Gemüse machen auch einfache Gerichte besonders.
Nicht alles ging sekundenschnell. Das Karamell brauchte Geduld, die vielen Portionen wollten geschichtet werden und eine Mandoline verlangt Konzentration. Kompliziert war das Menü trotzdem nicht. Vieles lässt sich mit vertrauten Zutaten und der normalen Küchenausstattung zu Hause (z.B. Küchenreibe statt Mandoline) nachkochen.
Veganes Kochen darf einfach sein
Das Kochevent im lyf East Frankfurt hat mir gezeigt, wie einfach eine rein pflanzliche Küche sein kann. Drei Gänge, drei ganz unterschiedliche Ideen. Keine davon brauchte eine lange Erklärung dafür, warum sie ohne tierische Produkte auskommt.
Mein persönlicher Favorit? Natürlich hatte ich eine gewisse emotionale Bindung zu unserem Apple-Crumble-Dessert. Schließlich steckt in jedem Glas ein bisschen Karamell-Geduld, Teamarbeit und in meinem Fall vermutlich etwas zu viel Apfelsaft. Aber auch der knusprige Rösti mit der roten Bete und die Kombination aus Patisson, Melone und Chimichurri zeigten, wie vielseitig Gemüse schmecken kann und auch satt macht.
Die Kochkurse sind für jedermann buchbar, zum Beispiel als Team-Building-Event.
Das LEUCHTENDROTER selbst werde ich mir bei einem weiteren Frankfurt-Besuch noch einmal genauer ansehen. Zunächst folgt aber ein separater Beitrag über das lyf East Frankfurt, denn vor und nach dem Kochen habe ich natürlich auch das Hotel besichtigt und vor dem Event eine Nacht darin verbracht.
LEUCHTENDROTER im lyf East Frankfurt
Fotos: Diese und viele weitere Fotos findest Du zur Inspiration und für einen Eindruck auf Flickr. Sie unterliegen meinem Urheberrecht.
Offenlegung: Ich wurde von Claasen Communication und dem lyf East Frankfurt zu diesem Kochevent sowie zur Übernachtung eingeladen. Meine Eindrücke und meine Meinung bleiben davon unberührt.






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