Ein Paar hochhackige goldene Sandalen mit Riemen sind auf einem weißen Sockel in einer Galerie ausgestellt, vor einer weiß-blauen Wand mit einer verschwommenen Texttafel im Hintergrund. Auf dem Fußbett sind lauter goldene Reißzwecken mit der Nadel nach oben aufgebracht.

Hans-Peter Feldmann – Kunstausstellung, Kunstpalast Düsseldorf

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Ist das Kunst oder kann das weg? Das kann doch mein Dreijähriger auch! Was soll das? – Fragen, die sich jeder Besuchende unweigerlich beim Betrachten der Kunstausstellung von Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast Düsseldorf stellt. Diese läuft noch bis zum 11. Januar 2026.

Was ist Kunst – und wer entscheidet das eigentlich?

Doch damit bist Du schon mittendrin, Dich mit den Fragen und der Ausstellung auseinanderzusetzen. Warum stellt der Kunstpalast gerade das aus? Wer entscheidet, was Kunst ist? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Was macht einen Künstler oder eine Künstlerin aus?

Hans-Peter Feldmann (1941–2023) hat darauf nie eindeutige Antworten gegeben. Stattdessen hat er Situationen geschaffen, in denen man sich diese Fragen selbst stellen muss. Der Kunstpalast widmete ihm im Herbst 2025 seine erste große Retrospektive. Zugleich ist es die letzte Ausstellung, an der Feldmann noch selbst mitgearbeitet hat.

In einem minimalistischen Galerieraum mit weißen Wänden ist an der rechten Wand in großer Schrift die Einleitung zur "Hans-Peter Feldmann Kunstausstellung" zu lesen. An der linken Wand sind kleine gerahmte Kunstwerke in gleichmäßigen Abständen in einer horizontalen Linie angeordnet.
Kunstausstellung. Hans-Peter Feldmann, Kunstpalast Düsseldorf

Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast: Ein bewusster Ort

Dass diese Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf stattfindet, ist kein Zufall. Hans-Peter Feldmann besuchte hier als Elfjähriger gemeinsam mit seinem Onkel aus Hilden seine erste Kunstausstellung. Ein für ihn prägendes Erlebnis und ein Grund für seine lebenslange Begeisterung für Kunst.

Nun kehrt sein Werk an diesen Ort zurück. Es ist zugleich eine Rückschau, eine Zusammenfassung und eine letzte große Werkschau, an der Feldmann selbst noch mitgewirkt hat.

Mehrere braune rechteckige Sockel unterschiedlicher Höhe sind in einer Eckgalerie angeordnet. Jeder Sockel zeigt ein Paar bunte Miniaturschuhe oder Sandalen, die auf weißen quadratischen Platten bei gedämpftem Licht präsentiert werden. Der Boden und die Wände sind schlicht und in hellen Farben gehalten.
Alltagsgegenstände

Doch auch die große Bewunderung des Generaldirektors Felix Krämers für den Wahldüsseldorfer Feldmann trug zur Ausstellung bei. Krämer selbst sagte in der Pressekonferenz zur Ausstellung, dass Hans-Peter Feldmann einer der Gründe dafür war, 2017 vom Städel Museum in Frankfurt nach Düsseldorf zu wechseln. Er sei seit seinen Teenagertagen Fan und Bewunderer seiner Kunst.

Kunst aus dem Alltag – oder Alltag als Kunst?

Mit seinen Werken bietet Feldmann dabei einen niedrigschwelligen Einstieg in die Welt der modernen Kunst. Er wollte, dass diese Ausstellung auch Skeptiker moderner Kunst abholt. Das hat er zumindest bei mir gut geschafft. Trotz meiner Vorbehalte gegen Bilder, z.B. von Graubrot (als Titelbild der Ausstellung), fand ich mich am Ende gut unterhalten.

Sechs gerahmte Fotos von verschiedenen Brotscheiben sind in einem Raster von 2 x 3 auf einer hellblauen Wand angeordnet, wobei ein Rahmen auf dem Boden steht. Jedes Bild zeigt eine einzelne Brotscheibe, die sich in Form, Größe und Krumenbeschaffenheit unterscheidet.
Graubrote

Wenn Du die Ausstellung betrittst, begegnest Du zunächst keiner klassischen Malerei, keinem Pathos, keiner großen Geste. Stattdessen: Alltagsgegenstände, Fotografien, Fundstücke, Serien, Wiederholungen.

Zwei über Kabel verbundene Telefone.
Ein Haus aus Zollstöcken.
Ein Stuhl, aufgehängt an Hosenträgern.

Die naheliegende Frage lautet stets: Wozu? Doch Feldmann liefert keine Antworten – zumindest keine eindeutigen. Seine Arbeiten leben davon, dass Bedeutung nicht vorgegeben, sondern vom Betrachtenden erzeugt wird.

Alltag, Klischees und leiser Humor bei Hans-Peter Feldmann

Schon in seinen frühen Arbeiten beschäftigte sich Feldmann mit Themen, die auch heute erstaunlich aktuell wirken: Alltag, gesellschaftliche Klischees, Voyeurismus, das Verhältnis von Original und Kopie, Konsum und (Pop-)Kultur.

Die ungeschriebenen Regeln des Kunstbetriebs stellte Feldmann auf den Kopf. Sein Ziel war es, die gesellschaftliche Rolle von Bildern und Gegenständen zu hinterfragen und einen lebendigen, offenen Raum zu gestalten, der Kunst und Alltag näher zusammenführt.

Felicity Korn, Kuratorin der Ausstellung & Sammlungsleitung 20. & 21. Jahrhundert am Kunstpalast Düsseldorf

Die Kunst des Archivierens und Arrangierens

Die Kuratorin Felicity Korn beschreibt Feldmanns Arbeitsweise treffend als „Praxis des Archivierens und Arrangierens“. Schon seit den 1950er-Jahren sammelte der Künstler Bilder: Fotografien, Postkarten, Zeitungsbilder und Werbematerial. Nicht wegen ihrer ästhetischen Qualität, sondern wegen der Lebenswelten, die sie transportieren.

Eine Person mit grauem Haar, Brille und grünem Pullover steht in einer modernen Kunstgalerie und betrachtet Wandtexte neben zwei großen gerahmten Fotocollagen mit verschiedenen Schwarz-Weiß-Bildern. Die Galerie hat weiße Wände, blaue Böden und eine helle Decke.
Collagen auf der Rückseite von Bildern

Mit wachsendem Wohlstand, Reisesehnsucht und medialer Bilderflut entstand ein Archiv kollektiver Wünsche und Projektionen – und daraus ging Feldmanns Kunst hervor. Später, als er in seinem Leben einmal der Kunstwelt den Rücken kehrte, konzentrierte er sich auf einen Laden in Düsseldorf, der voller Antiquitäten, Souvenirs und Sammlerobjekte jeglicher Art war. Dazu betrieb er auch noch einen weltweiten Versandhandel mit Fingerhüten. Eine Trennung von seiner Kunst irgendwie unmöglich. Dinge, die sich zahlreich in den Vitrinen finden.

Zehn Räume, viele kleine Irritationen

In zehn Ausstellungsräumen sind rund 80 Arbeiten zu sehen, die einen Überblick über mehr als sechs Jahrzehnte künstlerischen Schaffens geben: frühe Gemälde aus den späten 1960er Jahren, Skulpturen aus Alltagsgegenständen, bearbeitete Gemälde, raumgreifende Installationen.

Schon seit jeher sammelte der Künstler Bilder dafür: Fotografien, Postkarten, Zeitungsbilder und Werbematerial. Nicht wegen ihrer ästhetischen Qualität, sondern wegen der Lebenswelten, die sie transportieren.

Drei Schaufensterpuppenköpfe von Hans-Peter Feldmann sind in Vitrinen ausgestellt. In jeden Kopf sind zahlreiche Scheren und Schlüssel eingesteckt, die stachelige, kronenartige Formen bilden. Die Szene befindet sich in einer modernen, gut beleuchteten Kunstgalerie mit weißen Wänden und Informationstafeln.
So, glaube, fühlt sich Migräne an

Was mich dabei besonders beschäftigt: Nichts wirkt spektakulär im klassischen Sinn – und doch lässt mich kaum ein Raum unberührt. Feldmann rückt das scheinbar Banale ins Zentrum und verändert es so minimal, dass sich plötzlich neue Bedeutungen eröffnen.

Ausstellungskatalog

Den umfangreichen Katalog zur Ausstellung (Deutsch/Englisch) mit zahlreichen Essays bekommst Du vor Ort im Shop.

Fotografien, in denen man sich selbst sucht

Besonders lange bleibe ich in einem Raum mit Fotografien von Menschen im Alter von 0 bis 100 Jahren stehen. Alle Porträts hängen auf gleicher Höhe, chronologisch geordnet. Es handelt sich dabei um sein zentrales Werk 100 Jahre, eine von ihm aufgenommene Porträtreihe ihm bekannter Menschen im Alter von 0 bis 100 Jahren.

Fast automatisch suche ich zuerst nach „meinem“ Alter. Ich bin nicht die Einzige.

Erst danach beginne ich, die gesamte Reihe zu betrachten. Diese unbewusste Interaktion ist Teil des Werks. Hans-Peter Feldmann macht den Betrachtenden selbst zum Bestandteil der Ausstellung – ohne digitale Technik, allein durch kluge Anordnung.

Zwischen Humor und Ernst bei Hans-Peter Feldmann: Schattenspiel und Zeitgeschichte

Die Installation Schattenspiel (2002) zieht mich besonders in ihren Bann. Figuren und Gegenstände rotieren auf Drehtellern und werfen Schatten an die Wand. Das Spiel mit Schein und Wirklichkeit erinnert an Platons Höhlengleichnis – ohne es auszusprechen. Dabei nutzte Feldmann alles Mögliche aus dem Alltag.

Ein dunkler Raum mit einem Holztisch, auf dem viele kleine Skulpturen stehen. Sie werden von hellen Lampen angestrahlt, die große, komplizierte Schatten abstrakter Formen und Figuren auf eine weiße Wand werfen, wodurch ein dramatischer und vielschichtiger visueller Effekt entsteht.
Schattenspiel (2002)

Ganz anders, aber ebenso eindrucksvoll, ist die Arbeit 9/12 Titelseiten (2001-2008). Am 12. September 2001 kaufte Feldmann internationale Zeitungen, die über die Anschläge vom 11. September berichteten. Aus 151 Titelseiten entstand eine monumentale Wandarbeit.

Dasselbe Ereignis, unzählige Perspektiven. Jede Zeitung setzt andere Schwerpunkte, nutzt andere Bilder, andere Worte. Zusammen ergeben sie ein eindringliches Archiv medialer Wahrnehmung – ein globales Ereignis, fragmentiert durch nationale Perspektiven. Es zeigt, wie politisch Feldmanns Werk sein konnte.

Interaktive Kunst: Hans-Peter Feldmann zum Mitnehmen

Interaktion wird im Kunstpalast Düsseldorf sogar wörtlich genommen: Ein Tauschregal im 1. Stock des Foyers mit Alltagsgegenständen lädt dazu ein, Dinge abzulegen oder mitzunehmen. Kitsch, Krimskrams, Fundstücke – alles ist erlaubt.

Auch innerhalb der Ausstellung ist Anfassen und Mitnehmen von Kunstwerken erlaubt. Es gibt explizit einen Bereich, in dem Postkarten aus Düsseldorf der 1980er Jahre ausliegen, die extra zu diesem Zweck nachgedruckt wurden.

Eine Idee, die er 1995 während einer Gruppenausstellung in der Londoner Serpentine Gallery mit Hans Ulrich Obrist entwickelte und das Konzept stetig fortsetzte.

Die Grenze zwischen Ausstellung und Alltag löst sich auf. Was eben noch Kunst war, wandert vielleicht in die Tasche eines Besuchenden. Oder umgekehrt.

Dann, ganz zum Schluss, dieses Auto

Erst beim Verlassen des Kunstpalasts fällt es mir wieder auf. Oder vielleicht fällt es mir zum ersten Mal wirklich auf. Draußen, zwischen ganz normalen, ordentlich geparkten Autos, liegt eines auf dem Dach. Keine Absperrung, kein Hinweis, kein erklärendes Schild. Nur das Nummernschild könnte es verraten: D-KP 123. Steht es doch für den Düsseldorf Kunstpalast?!

Ein dunkelgrüner Volkswagen steht umgedreht auf dem Dach auf einem gepflasterten Gehweg in der Nähe eines Gebäudes mit einer Steinmauer. Es ist ein Kunstwerk von Hans-Peter Feldmann. In der Nähe sind mehrere Fahrräder geparkt, und auf dem Nummernschild des Wagens steht "D KP 123".
Das auf dem Kopf stehende Auto rechts am Kunstpalast Düsseldorf

Nach dem Rundgang durch die Ausstellung wirkt dieser Anblick plötzlich anders als zuvor. Nicht mehr irritierend, sondern fast logisch. Als hätte sich das Gesehene aus den Ausstellungsräumen unbemerkt nach draußen fortgesetzt.

Ich bleibe stehen und merke, wie sich die Fragen aus der Ausstellung hier bündeln: Was ist Kunst – und ab wann ist sie es? Hört sie an der Museumstür auf? Oder beginnt sie vielleicht genau dort, wo man sie im Alltag nicht erwartet?

Das Auto auf dem Kopf ist kein spektakuläres Einzelwerk, kein Solitär, der Aufmerksamkeit erzwingen will. Es fügt sich in eine alltägliche Situation ein – und stört sie zugleich. Gerade dadurch verschiebt sich die Wahrnehmung. Das Vertraute gerät ins Wanken, ohne laut zu werden.

Vielleicht ist es genau das, was diese Ausstellung so konsequent macht: Sie endet nicht im letzten Raum. Sie begleitet einen hinaus, bleibt im Blick haften und verändert, wie man das Alltägliche betrachtet. Erst draußen, zwischen Parkplatz und Straße, wird mir klar, dass ich die Ausstellung noch längst nicht verlassen habe.

Hans-Peter Feldmann: Eine Ausstellung, die nachwirkt

Die Kunstausstellung Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast Düsseldorf ist keine Ausstellung zum schnellen Durchgehen. Sie verlangt Zeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen.

Ein zerknülltes, teilweise verbranntes Stück Zeitung liegt auf dem glänzenden Boden in der Nähe der Ecke, wo eine rote Wand auf eine weiße Wand trifft. Mehrere gebrauchte Streichhölzer und eine Streichholzschachtel liegen in der Nähe verstreut, was auf ein kürzlich erloschenes Feuer hindeutet. Es ist ein Kunstwerk von Hans-Peter Feldmann.
andere haben eine Fettecke, Feldmann zündelt

Ich verlasse sie nicht mit klaren Antworten, sondern mit einem geschärften Blick für das Alltägliche. Vielleicht ist genau das Feldmanns größte Kunst.

Kunstausstellung. Hans Peter Feldmann

Kunstpalast Düsseldorf
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

Weitere Informationen: Website zur Ausstellung

Zeitraum: 18. September 2025 – 11. Januar 2026
Kuratorin: Felicity Korn

Fotos: Diese und weitere Fotos zur Ausstellung findest Du für einen Eindruck auf Flickr. Sie unterliegen meinem Urheberrecht. Die Rechte an den Kunstwerken liegen bei den Erben des Künstlers. Das Urheberrecht an der Ausstellungsgestaltung liegt beim Kunstpalast Düsseldorf.

Offenlegung: Ich war zur Pressekonferenz und zum Rundgang durch die Ausstellung in Düsseldorf eingeladen. Die Fahrtkosten habe ich selbst getragen. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt.


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Romy

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund und arbeitet als Bloggerin und Freelancerin im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Übers Reisen regelmäßiger seit 2013. Wenn sie Zeit dazu findet.

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