Das kleine venezianische Café im Herzen des historischen Zentrums von Padua (Padova), Caffè Pedrocchi, bietet in seinen Räumen ganz viel Geschichte und einen Kaffee mit einer Eigenheit: grüne Crème.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1831 ist es weit mehr als ein gewöhnliches Café – es ist ein Treffpunkt von Kultur, Geschichte, Politik und Gesellschaft. Das prunkvolle neoklassizistische Gebäude gilt als Symbol der Kaffeehauskultur in Venetien, war Schauplatz politischer Ereignisse des Risorgimento und inspirierte Dichter, Philosophen und Reisende wie Stendhal, Lord Byron oder Gabriele D’Annunzio.
Kein Besuch in Padua ist komplett ohne einen klassischen Espresso oder den berühmten Kaffee Pedrocchi. Den kannst Du im historischen Ambiente der Salonräume genießen.
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Streift man durch die wunderbare Altstadt von Padua, so kommt man über Kurz oder Lang unweigerlich mindestens einmal am Caffè Pedrocchi vorbei. Dieses Café zelebriert noch regelrecht die in der Region Venetien (Veneto) erfundene Kaffeehauskultur in prunkvollen Villen. Dabei ist es fast schon zu spät errichtet worden, denn Vorbilder wie das Café Florian in Venedig gab es bereits mehr als ein Jahrhundert zuvor. Dennoch gilt das Caffè Pedrocchi heute als eines der bekanntesten Kaffeehäuser Italiens.
Geschichte & Bedeutung des Caffès Pedrocchi
Das Caffè Pedrocchi ist nicht nur eines der berühmtesten Kaffeehäuser Italiens, sondern auch ein bedeutendes Zeitzeugnis der italienischen Geschichte. Seine Entstehung geht auf den Unternehmer Antonio Pedrocchi zurück, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Vision hatte, in Padua ein Café zu schaffen, das weit über die Funktion eines einfachen gastronomischen Betriebs hinausgehen sollte. Im Jahr 1831 öffnete das Caffè Pedrocchi schließlich seine Türen – und setzte damit neue Maßstäbe für die europäische Kaffeehauskultur.

Es war ein gewagtes Unternehmen von Antionio Pedrocchi, der das Café als einfachen “Coffeeshop” von seinem Vater Francesco (1772 in Padua eröffnet) übernahm.
Von der Geschichte zur Architektur – ein Kaffeehaus als Gesamtkunstwerk
Die historische Bedeutung des Caffè Pedrocchi spiegelt sich nicht nur in den Ereignissen wider, die sich hier abgespielt haben, sondern auch in seiner außergewöhnlichen Architektur und Raumgestaltung.
Antonio Pedrocchi verstand früh, dass ein Ort, der zum Zentrum des gesellschaftlichen und geistigen Lebens werden sollte, auch architektonisch neue Wege gehen musste. Deshalb beauftragte er den venezianischen Architekten Giuseppe Jappelli, eines der modernsten und eindrucksvollsten Kaffeehäuser seiner Zeit zu entwerfen. Ein Bauwerk, das Geschichte, Kunst und Funktionalität zu einem harmonischen Ganzen vereint.
Das Ergebnis war kein gewöhnliches Café, sondern ein Café-Tempel, dessen Innenräume bewusst unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Jeder Saal im Caffè Pedrocchi besitzt eine eigene Farbwelt, Symbolik und Nutzung – ein Konzept, das im 19. Jahrhundert revolutionär war und bis heute fasziniert.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt es leider große Zerstörung, wurde aber anschließend originalgetreu wieder aufgebaut. Mit den neoklassizistischen Elementen und dem großflächig verwendeten Marmor gleicht es seit dem einem Tempel. Ein Tempel des Kaffees.
Die Säle des Caffè Pedrocchi – Farben, Bedeutung und Atmosphäre
Das Café war damals wie heute im Erdgeschoss in drei Säle aufgeteilt: grün, rot, weiß – die Landesfarben der Italiener (Trikolore). Ein Salon für jede Schicht der Gesellschaft. Aus diesem Grund wird das Café auch das “Café ohne Türen” genannt. Bis 1916 hatte es außerdem Tag und Nacht geöffnet, was zum Namen beitrug.
Dieser Name steht noch heute sinnbildlich für seine Rolle als offener Raum für alle gesellschaftlichen Schichten, Meinungen und Ideen. In einer Zeit, in der Cafés häufig exklusive Treffpunkte waren, verkörperte das Pedrocchi einen vergleichsweise modernen, fast demokratischen Geist.
Die Sala Verde – Offenheit und Geselligkeit
Der grüne Salon (“Sala Verde”) war und ist dabei eher Studierenden vorbehalten, die sich dort immer so lange aufhalten konnten, wie sie wollten, und Kaffee und Wasser, heutzutage auch WiFi, kostenlos erhalten – daher auch der liebevolle Spitzname “Wartesaal”. Er gilt als der ungezwungenste und offenste Raum des Cafés.
Die Sala Verde war lange Zeit der Raum, in dem Gäste auch ohne große Etikette Platz nehmen konnten. Noch heute wird sie oft als der belebteste Ort des Caffè Pedrocchi wahrgenommen: lebendig, kommunikativ und authentisch.
Die Sala Rossa – Eleganz und Repräsentation
Der rote Salon (“Sala Rossa”) ist das Herzstück und das eigentliche Café mit der für Italien typischen Bar. Dort zelebriert man elegant die Kaffeekunst und man sollte sich daher auch bei einer stressigen Durchreise die Zeit nehmen, einen echten italienischen Kaffee zu genießen.
In der Sala Rossa trafen sich vor allem wohlhabende Bürger, Intellektuelle und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Raum verkörpert den Anspruch des Caffè Pedrocchi, ein Ort von kulturellem und gesellschaftlichem Rang zu sein, vergleichbar mit den großen europäischen Salons jener Zeit.
Manchmal kann man dabei auch einem Pianisten lauschen, wie es bei unserem Besuch der Fall war. “Moon River” klang uns entgegen, als wir auf unserem Stadtrundgang im Caffè Pedrocchi Halt machten. Ein Australier saß am weißen Flügel, ganz versunken, ließ sich von Nichts und Niemandem stören, während er Note um Note spielte. Seine Mutter stammte aus Padua und erzählte ihm immer vom berühmten Café und dem Flügel. Einmal im Leben wollte er deshalb zurück nach Padua und an diesem besagten Flügel spielen – so erzählte man es uns.






Die Sala Bianca – Geschichte und Erinnerung
Neben rotem und grünem Salon gibt es noch den weißen Salon (“Sala Bianca”), der als Bistro/Restaurant dient und damit früher eher der wohlhabenden Gesellschaft vorbehalten war. Interessanterweise hieß der Weiße Saal ursprünglich Schwarzer Saal, da die vom Architekten Jappelli entworfenen Möbel zunächst schwarz lackiert waren.
Besonders eindrucksvoll ist hier das Einschussloch aus dem Jahr 1848, das an den Studentenaufstand während der österreichischen Besatzungszeit erinnert. Dies bewusst erhaltene Detail verleiht der Sala Bianca eine beinahe museale Bedeutung.
Im Obergeschoss (der Beletage), dem Piano Nobile, gibt es weitere zehn Räume, die in den unterschiedlichsten Stilen dekoriert wurden. Für jeden Geschmack sollte daher etwas dabei sein und man sollte sich unbedingt mehr Zeit zum Entdecken nehmen als wir sie leider hatten. Ein Raum beinhaltet übrigens ein kleines historisches Museum.



Politische Verwicklungen im Caffè Pedrocchi
Durch die ungewöhnliche, aber schon moderne Aufteilung des Kaffeehauses sowie seiner guten Lage in Nähe der Universität von Padua, dem Rathaus und den Markthallen, wurde das Café nach seiner Eröffnung schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Studenten, Politiker, Dichter und Denker. Zu den bekanntesten Gästen zählten u.a. Maxim Gorki, Stendhal, Lord Byron.
Doch als das Café errichtet wurde, gehörte die Provinz Padua sowie die Region Venedig noch zur KuK-Monarchie Österreich-Ungarn (als Königreich Lombardo-Venetien). Nicht unabhängig zu sein gefiel den wenigsten Italienern. Revolutionäre Ideen während des Risorgimentos nahmen hier ihren Lauf. Das Caffè Pedrochhi wurde zu einem symbolischen Ort des Widerstands. Berühmt ist der Studentenaufstand vom 8. Februar 1848, als österreichische Soldaten im Café auf protestierende Studierende schossen.
Ende des 20. Jahrhunderts schloss es dann seine Türen. Glücklicherweise wurde es am 22. Dezember 1998 wieder eröffnet.
Bis heute gilt das Caffè Pedrocchi als Symbol für die Verbindung von Kaffeehauskultur, Geschichte und italienischer Lebensart. Es steht exemplarisch für eine Epoche, in der Cafés Orte des Denkens, der politischen Debatte und der kulturellen Entwicklung waren. Wer heute im Caffè Pedrocchi Platz nimmt, sitzt nicht einfach in einem Café – sondern mitten in einem Stück lebendiger italienischer Geschichte.




Caffè Pedrocchi
35122 Padua (PD)
Italien
Website (Englisch)
Öffnungszeiten
täglich 8-24 Uhr
Preise
Kaffeespezialitäten: mind. 3-6 Euro
Kaffee Pedrocchi: 6 Euro
Sommer Pedrocchi Kaffee: 7 Euro
Essen: ca. 16-18 Euro im Durchschnitt
Pedrocchi Kuchen: 7 Euro
Degustationsmenü (Tasting Menu): 120 Euro
Stand: Januar 2026
Fast vergessen: Das Geheimnis!
Es gibt also viel zu bestaunen im Caffè Pedrocchi. Ein Platz voller Inspiration und Geschichte, dennoch eigentlich nur ein Kaffeehaus mit prächtigen Sälen und großartiger Atmosphäre. Ach ja, da fehlt noch etwas: Das Geheimnis der grünen Crème. Aber wer ins Pedrocchi geht, kommt eigentlich eher weniger wegen des Kaffees. ;)
CAFFÈ PEDROCCHI – der Kaffee mit grüner Crème
Das typische Getränk des Hauses ist der Caffè Pedrocchi. Es ist ein kochend heißer Espresso aus 100 % Arabica-Bohnen. Dieser wird mit einer Emulsion aus Pfefferminzsirup und frischer Sahne sowie Kakaopulver in einer Cappuccinotasse serviert. Da er ungesüßt getrunken werden soll, gibt es keinen Löffel dazu. Auch die perfekte Ausgewogenheit seiner Aromen soll erhalten bleiben. Daher gilt: Umrühren strengstens untersagt!
Durch die Pfefferminze erhält der Milchschaum seine grüne Färbung. Das ist es eigentlich auch schon – aber der wohl berühmteste Minzkaffee der Welt. Das Geheimnis um die Spezialität des Hauses.
Im Sommer wird der Caffè Pedrocchi auch kalt als eine Art Eiskaffee serviert. Zusätzlich gibt es mittlerweile einen passenden Kuchen (Pedrocchi-Kuchen), der ebenfalls aus einem Traum aus Schokolade, Kaffee und Minze besteht. Relativ neu ist der P31, ein grüner Aperitif (aperitivo) aus über 20 ausgewählten aromatischen Kräutern, der frisch und leicht schmecken soll.
Zugabe im Caffè Pedrocchi
Zur Neueröffnung nach den Restaurationsarbeiten (im März 2014) gab es ein lustiges Video, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Der Harlem-Shake war damals ein beliebtes Internet-Meme.
Was Du noch in Padua unternehmen kannst
Ein Stadtrundgang ist wirklich empfehlenswert und als Tagesausflug bietet sich eine Bootstour durch Venetien an*.
Hoteltipp
Du willst in Padua übernachten und weißt noch nicht wo? Dann könnte Dir diese Karte mit Hotels weiterhelfen. Ich selbst habe im Hotel Europa*, nicht weit der Cappella degli Scrovegni* übernachtet.
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Weitere InformationenReiseführer
Mehr zu Padua, der Region Venetien und der Stadt Venedig* kannst Du im Lonely Planet-Reiseführer* nachlesen. Lonely Planet ist mein liebster Reiseführer. Alternativ sind auch die DK-Reiseführer* immer eine gute Wahl.
In Italien gibt es viele weitere Städte zu entdecken, nicht nur die “üblichen Verdächtigen”. Eine umfangreiche Sammlung zu Städtereisen in Italien findest Du auf wandernd.de von Reisebloggerkollegin Ilona.

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Fotos: Die verwendeten Fotos stammen, wenn nicht anders angegeben, von mir und unterliegen meinem Urheberrecht.
Offenlegung: Anfang April 2014 wurde ich von Visit Padova und Italia BlogTour für vier Tage in die Provinz Padua zur #EduPadua #VisitPadova Blogtour eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen.
Dieser Beitrag erschien zuerst am 24. April 2014 und wurde zuletzt am 05. Januar 2026 aktualisiert.





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