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Oboenkonzert, Strauss 1. Philharmonisches Konzert 2018/19 "Zeitenwende" Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker

„Zeitenwende“ –
1. Philharmonisches Konzert 2018/19

Die neue Spielzeit der Dortmunder Philharmoniker steht unter dem großen Motto „Krieg und Frieden“ – wie passend zur aktuellen Weltlage. Für dieses Motto gibt es fast keinen besseren Einstieg als das 1. Philharmonische Konzert „Zeitenwende“ mit Händels Feuerwerksmusik, Strauss Oboenkonzert und Beethovens Eroica, die dritte Sinfonie.

Händel feiert mit der Feuerwerksmusik den Aachener Frieden von 1748 nach acht Jahren österreichischem Erbfolgekrieg, Strauss schaut auf den Zweiten Weltkrieg zurück und Beethovens Eroica entsteht mitten in den Napoleonischen Kriegen und verehrt Napoleon (was Beethoven später nochmal überdenkt).

„Zeitenwende“ – spannende Geschichten zu den Werken

Aber jedes Stück hat dabei seine ganz eigene Geschichte.

Feuerwerksmusik, Händel 1. Philharmonisches Konzert 2018/19 "Zeitenwende" Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker
Feuerwerksmusik, Händel
1. Philharmonisches Konzert 2018/19 „Zeitenwende“
Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker

Georg Friedrich Händel – „Music for the Royal Fireworks“, HWV 351

Das vom englischen König Georg II. in Auftrag gegebene „Music for the Royal Fireworks“ (Feuerwerksmusik) von Georg Friedrich Händel wird bei der Uraufführung im April 1749 im Green Park in London zu einem Fiasko.

Zur Generalprobe in Vauxhall Gardens kommen 12.000 Menschen um das Stück zu hören, daraufhin bricht der Verkehr auf der London Bridge zusammen, drei Stunden passiert niemand die Brücke.

Bei der Uraufführung regnet es, der Park versinkt im Schlamm, die Zuschauer müssen sich vor der Masse an Feuerwerk unter die Bäume retten und ein Teil der Bühne fängt Feuer. Doch all das kann den Siegeszug des Stückes nicht bremsen. Obwohl die meisten Sätze im französischen Stil komponiert wurden. Also im Stil des Gegners. So gibt es eine barocke französische Ouverture, eine tänzerische Bourrée. La Paix („Der Frieden“) ist ein pastorales Siciliana und „La Réjouissance“ (zu Deutsch „der Jubel“) ist ein festliches Menuett.

Richard Strauss – Konzert für Oboe und Orchester D-Dur

Strauss begrüßte im Sommer 1945 die Amerikaner mit den Worten „Ich bin Richard Strauss, der Komponist des Rosenkavaliers und Salome“. Die zuerst verhassten Soldaten („verbrecherische Soldateska“) akquirierten seine Villa in Garmisch daraufhin nicht (off limits), aber die amerikanischen Musiker baten um Autogramme und gingen fortan ein und aus.Einer der Soldaten, Oboist John de Lancie aus Chicago, brachte Strauss auf die Idee eines Oboen-Solokonzerts.

Strauss verlässt 1945 aufgrund seines Gesundheitszustandes und der schlechten Versorgung Deutschland und zieht nach Baden im Aargau. Dort vollendete er das Konzert für Oboe und kleines Orchester D-Dur. Die Uraufführung fand am 26. Februar 1946 in Zürich statt. Da die Schweiz ihren problematischen Gast nicht so viel Aufmerksamkeit widmen wollte, bekam Strauss zu dieser Premiere nur einen Sitzplatz in den hinterer Reihen (eine ihn erkennende Dame tauschte mit ihm ihren Sitz in der ersten Reihe kurz vor Konzertbeginn). Einen Monat zuvor bei der Premier von „Die Metamorphosen“ bekam er noch nicht einmal eine Karte.

Oboenkonzert, Strauss 1. Philharmonisches Konzert 2018/19 "Zeitenwende" Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker
Oboenkonzert, Strauss
1. Philharmonisches Konzert 2018/19 „Zeitenwende“
Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker

Es ist ein überaus anspruchsvolles Stück für einen Oboisten: Nach zwei kurzen Cello-Takten folgen 57 pausenlose Takte für die Oboe, erst dann kommt der erste Tutti-Akkord als Erlösung für den Oboisten. Anschließend kommt es zu einem heiteren Wechselspiel aus getragenen und heiteren Passagen. Gegen Ende setzt die Oboe ihre Kadenz, der Solist kann noch einmal sein ganzes Können zeigen.

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Beethovens dritte Sinfonie sollte für ihn eigentlich die Eintrittskarte nach Paris werden. Beethoven liebäugelte mit dem Umzug von Wien nach Paris und wollte diesen mit guten Marketing vorbereiten. Er veröffentlichte in Pariser Verlagen Kammermusik und wollte seine dritte Sinfonie einem wirkungsvollen französischen Würdenträger widmen – Napoleon Bonaparte, Erster Konsul der Französischen Republik.

Eroica, Beethoven 1. Philharmonisches Konzert 2018/19 "Zeitenwende" Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker
Eroica, Beethoven
1. Philharmonisches Konzert 2018/19 „Zeitenwende“
Foto: A. Schürer, Dortmunder Philharmoniker

Da die politische Lage zwischen Wien und Paris immer angespannter wurde, blieb Beethoven in Wien. Als Napoleon sich 1804 zum Kaiser krönte, wurde Beethoven angeblich so wütend, dass er die Widmung „intitulata Bonaparte“ oder „geschrieben auf Bonaparte“ ausradiert haben soll bzw. das Titelblatt zerriss. So bekam die dritte Sinfonie schließlich die Widmung „Sinfonia eroica, composta per festeggiare il sovvenire di un grand’uomo“ (Heroische Sinfonie, komponiert, um die Erinnerung an einen großen Mann zu feiern). Als „großer Mann“ kommen zwei in Frage: Prinz Louis Ferdinand, der kurz vor der Uraufführung 1806 starb oder der Mäzen Fürst Lobkowitz, der sich 1804 für einige Monate die alleinigen Aufführungsrechte sicherte.

Die 3. Sinfonie ist aber auf jeden Fall revolutionär – vier Sätze musikalischer Konflikte. Das für mich Überraschendste an „Zeitenwende“ ist aber mal wieder etwas anderes. Es ist ein Stück von Edward Elgar.

Edward Elgar – Soliloquy für Oboe und Orchester

Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, Gastmusiker an diesem Abend und zu Recht mehrmals mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet, erzählt in der Einführung, dass er vor dem Strauss erst Elgar spielen wird. Quasi zum Einspielen, da das Strauss’sche Oboenkonzert mit seinen 57 pausenlosen Takten sonst nicht spielbar ist. Dann passiert etwas Wunderbares: Edward Elgars Soliloquy für Oboe und Orchester ist für mich der absolute Höhepunkt des Philharmonischen Konzerts „Zeitenwende“.

Albrecht Mayer mit Oboe von Matt Hennek, CC BY-SA 3.0-Lizenz, Wikipedia
Albrecht Mayer mit Oboe
von Matt Hennek, CC BY-SA 3.0-Lizenz, Wikipedia

Abrecht Mayer spielt auch den Strauss wunderbar, bekommt dabei eine leicht violette Gesichtsfarbe vor Luftnot, doch das Stück gefällt mir einfach nicht wirklich. Es ist sicherlich großartig, aber so sehr gewollt. Eines Komponisten, der auf jeden Fall beweisen wollte, dass er grandios ist. Das hört man.

Gespielt ist es aber wunderbar, wohingegen der Händel am Anfang des Abends etwas „breiig“ klingt.

 

Das nächste Philharmonische Konzert findet am 13./14.11.2018 im Konzerthaus Dortmund statt. 3. Philharmonisches Konzert – „Letzte Dinge“, mit Werken von Haas, Bartók und Bruckner.

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