hell / ein Augenblick im Megastore, Dortmund

Im Megastore gibt es seit einiger Zeit das neue Stück hell / ein Augenblick von Kai Voges zu sehen. Nach Trump eine weitere Möglichkeit für mich, ins Theater zu gehen.

Das Theater Dortmund spricht in seiner Beschreibung von “einem Grenzgang des Theaters zur Kunst der Fotografie”. Dazu gibt es viel zu sagen – über Fotografie und Theater. Passt das zusammen? Theater, das eine Geschichte erzählt und Fotografie, die erst im Kontext spricht. Theater, das die Geschichte in Augenblick entwickelt und Fotografie, die nur den Augenblick festhält. Ein Augenblick, der auch sofort Vergangenheit ist.

Das Konzept des Abends: Live-Fotografie

Das Sehen ist ein komplexer Vorgang. Wir können tagsüber viele Millionen verschiedener Farbnuancen wahrnehmen, nachts dagegen sind alle Katzen grau. Was passiert denn, wenn wir – wie am Anfang von hell / ein Augenblick – ins Dunkle schauen?

“Wer ins plötzliche Dunkel schaut, dem erscheinen bisweilen geisterhafte Phantombilder – Nachbilder. Wenn wir etwas sehen und dann plötzlich nicht mehr – wie zum Beispiel bei einem Blitz an einem Dunklen Ort – , können wir manchmal das visuelle Echo genau jenes Augenblickes erleben, der gerade vergangen ist.”

sagt Anne-Kathrin Schulz, Dramaturgin des Stückes.
Und genau darum geht es in diesem Stück – um die Nachbilder.

Am Anfang ist das Licht – nicht

Der Saal ist dunkel, in einen Bühnenkasten wird das Bild geschossen – Sekunden später erscheint das Bild auf zwei Projektionsflächen.
Der dunkle Saal und das plötzliche Licht des Blitzes führen auch bei mir zu Lichtbildern in den Augen.

Marcel Schaar (Fotograf) mit Ensemble von hell / ein Augenblick, © Birgit Hupfeld

Marcel Schaar (Fotograf) mit Ensemble
© Birgit Hupfeld

Die Schauspieler agieren im Dunkeln, werden durch die Fotographie in einer penetranten Überdeutlichkeit gezeigt. Dazu werden philosophische und literarische Texte gesprochen. Diese sind manchmal im Zusammenhang mit dem Gezeigten, manchmal auch nicht. Es geht immer um die großen Themen: Leben, Licht, Raum, Zeit, Gegenwart, Vergangenheit, Vergänglichkeit.

Uwe Schmieder, hell / ein Augenblick, © Birgit Hupfeld

Uwe Schmieder
© Birgit Hupfeld

Dies wird mit dem Soundtrack von Tommy Finke und der Musik von Mahler bis Placebo untermalt. Einen der bewegendsten Momente zum Thema Tod und Vergänglichkeit ist mit Sicherheit der Sterbemonolog von Christof Schlingensief.

Ein langsamer Abend, mit Langzeitwirkung.

hell / ein Augenblick – ein ganz persönliches Stück

Während der ca. 100 Bilder, die im Laufe des Abends vom Marcel Schaaf gemacht werden, ging mein Blick ganz nach innen. Ich war, immer wieder angestossen von verschiedensten Texten, ganz bei mir. Bei meinen Ängsten und Wünschen, bei meinem Schaffen und meiner Vergänglichkeit. Der ganze Abend ist für mich eine melancholische Reise ins Innere. Wohltuend langsam und intensiv.

Ein Stück, das mich begeistert hat.

Details

hell / ein Augenblick
von Kay Voges mit Baumann / Kerlin / Schulz / Seier & Ensemble

Regie: Kay Voges

Mit: Andreas Beck, Raafat Daboul, Ekkehard Freye, Björn Gabriel, Frank Genser, Caroline Hanke, Marlena Keil, Bettina Lieder, Carlos Lobo, Uwe Rohbeck, Marcel Schaar (Fotograf), Uwe Schmieder, Julia Schubert, Yaroslava Sydorenko, Friederike Tiefenbacher, Merle Wasmuth

Ort

Theater Dortmund Megastore
Felicitasstraße 2
44263 Dortmund

Website

Termine

16., 22. und 25. Juni
weitere Termine sollen folgen

Preise

10-19 Euro – für den 25. Juni gibt es noch Karten, die anderen Termine sind leider bereits ausverkauft

Andrea lebt in Dortmund und arbeitet nach vielen Irrungen und Wirrungen jetzt an der Kaffeefront.
Als Botschafterin des guten Filterkaffees liegt der (Kunst-)Historikerin die Liebe zur Oper, der Musik und den schönen Künsten immer noch im Blut.
So oft es ihr möglich ist reist und schreibt sie auch für snoopsmaus.