Eine Person steht in einer modernen Kunstgalerie und blickt auf ein kleines Ausstellungspodest. An den leuchtenden, bunten Wänden hängen abstrakte und surreale Gemälde - darunter ein Hai -, während subtile Düfte die Luft erfüllen. Die Galerie ist mit Holzböden und Scheinwerfern ausgestattet.

Die geheime Macht der Düfte, Kunstpalast Düsseldorf

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Wie riecht eigentlich Geschichte? Nach Weihrauch und Myrrhe? Nach Barock und Revolution? Oder vielleicht nach Waschmittel, Waldluft und einem Hauch von Chanel No. 5?Mit der Ausstellung Die geheime Macht der Düfte gelingt dem Kunstpalast Düsseldorf ein ebenso mutiges wie faszinierendes Experiment: Im Mittelpunkt des Museumsbesuchs steht nicht allein das Sehen, sondern auch der Geruchssinn.

Auf rund 5.000 Quadratmetern, eingebettet in die ständige Sammlung, erleben Besuchende eine multisensorische Reise durch über tausend Jahre Kunst- und Kulturgeschichte – begleitet von rund 30 interaktiven Duftstationen. Der Erfolg spricht für sich: Fast 100.000 haben die Ausstellung bereits besucht. Daher wurde das Dufterlebnis nun bis zum 22. März 2026 verlängert.

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Ein Museum, in dem es ausdrücklich erwünscht ist, Glashauben zu heben, Knöpfe zu drücken und tief einzuatmen? Genau das erwartet Dich im Kunstpalast Düsseldorf.

Ein hell erleuchteter Museumseingang mit einer Wand mit Farbverlauf, auf der ein großer weißer Text mit der Aufschrift "DIE GEHEIME MACHT DER DÜFTE" steht. An den beiden angrenzenden Wänden sind Informationstexte in deutscher Sprache angebracht; der Boden ist aus Holz, und auf der linken Seite ist teilweise ein roter Vorhang zu sehen.
Ausstellungsbeginn

Ein Museum für die Nase – Das Konzept hinter der Ausstellung

Die Idee zur Ausstellung Die geheime Macht der Düfte entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren. Ein bewusstes Experiment des Museums und ein weiterer Versuch, nach der Tony-Cragg-Ausstellung zum Tastsinn und den Palastblühen-Events andere Zielgruppen für das Museum zu erreichen.

Diese Ausstellung ist ein Experiment – und eine Einladung an unser Publikum, die Geschichte des Duftes mit der Nase zu entdecken.

Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast

Während Museen traditionell auf das (An-)Sehen ausgerichtet sind, rückt hier ein oft unterschätzter Sinn in den Mittelpunkt: der Geruchssinn. Der Mensch besitzt über 400 Geruchsrezeptoren. Mehr als genug, um Tausende von Duftnuancen zu unterscheiden.

Außerdem rufen Düfte in uns Erinnerungen wach, wecken Emotionen und beeinflussen auch (unbewusst) unser Handeln. Doch je industrieller und hochentwickelter unsere Gesellschaft wurde, desto irrelevanter wurde unser Geruchssinn. Wir brauchen diesen weniger, um in dieser Welt zu überleben.

Ein Mann mittleren Alters mit heller Haut, grau-blondem Haar und blauen Augen steht mit verschränkten Armen in einem Haus. Er trägt einen marineblauen Blazer über einem dunklen Pullover und einem weißen Hemd. Der Hintergrund ist sanft beleuchtet und zeigt moderne, geschwungene architektonische Elemente.
Robert Müller-Grünow, Foto: Andreas Endermann

Kuratiert wurde die Ausstellung von Robert Müller-Grünow, einem Pionier der Dufttechnologie und Experten für olfaktorisches Marketing. Seine eigens entwickelten Duftkompositionen „docken“ an den chronologischen Sammlungsrundgang des Hauses an. Erstmals widmet sich der Kunstpalast damit der Geschichte der Düfte.

Es ist die erste Ausstellung weltweit, die Düfte in dieser Form, diesem Format und Umfang in ein Museum bringt.

Robert Müller-Grünow

Buch zur Ausstellung

Das Buch zur Ausstellung von Robert Müller-Grünow – alles über ein unterschätztes Sinnesorgan. Gibt es im Museumsshop, Buchhandlungen oder aber auch bei amazon*.

Insgesamt sind 29 interaktive Duftstationen im Sammlungsrundgang verteilt. Manche verströmen ihren Duft auf Knopfdruck, andere beduften Räume subtil im Hintergrund. Dabei wird keine Flüssigkeit versprüht, sondern ein Luftsystem eingesetzt. Sensoren steuern den Dufthauch – ein technisch sehr anspruchsvolles Vorhaben. Vorhänge trennen einzelne Bereiche, damit sich die Gerüche nicht vermischen und die Nase zwischendurch eine kleine Pause bekommt. Auch sind sie ein Leitfaden für die Ausstellung.

Das Ergebnis: ein intensives, emotionales Zusammenspiel von Auge und Nase. Dabei wird jedoch nicht ein Kunstwerk in den Mittelpunkt gestellt, sondern der Duft. Düfte unterstützen hier nicht das Kunstwerk, sondern sollen die Zeit erlebbarer und verständlicher machen. Wie z.B. technische und gesellschaftliche Entwicklungen, die sich über Düfte manifestieren.

Von Myrrhe bis Moderne – Düfte im historischen Kontext

Religiöse Rituale und spirituelle Düfte

Die Reise beginnt im 12. Jahrhundert. Überall fanden die Kuratoren Anknüpfungspunkte in der Sammlung für Düfte. So spielen Düfte wie Weihrauch, Myrrhe, Harze und Hölzer seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle in religiösen Zeremonien. Sie galten als Verbindung zwischen Mensch und Göttlichem, als reinigend und heilend. An den Duftstationen kannst Du diese spirituelle Dimension unmittelbar nachempfinden.

Barock, Aufklärung und Eau de Cologne

Im Barock avancierte Duft zum Statussymbol, zum Zeichen von Macht und Einfluss. An europäischen Höfen wurde opulent parfümiert. Nicht nur aus modischen Gründen, sondern auch, um unangenehme Gerüche durch mangelnde Hygiene zu überdecken. Auch die Städte des 18. Jahrhunderts waren alles andere als wohlriechend. Doch statt Wohlstand roch es im Paris der Französischen Revolution nach Krankheit, Verfall, Exkrementen.

Gleichzeitig entstand in dieser Epoche das legendäre Eau de Cologne von Johann Maria Farina. Duft wurde zum sozialen Unterscheidungsmerkmal – ein Phänomen, das sich bis in die moderne Markenwelt hinein fortsetzt. Müller-Grünow weiß um die Bedeutung von Düften als mächtiges Medium und setzt diese auch im Umfeld großer Konzerne wie der Telekom und Eurowings ein.

Düfte als politisches Statement

Besonders eindrücklich sind die Räume, die sich politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen widmen.

Der Erste Weltkrieg wird olfaktorisch quälend intensiv erlebbar und katapultiert Dich in einer Millisekunde durch eine Duftmischung zurück in die bedrückende Vergangenheit.

In einem Museum sind ein farbenfrohes abstraktes Gemälde, eine schwarz-weiße Zeichnung und zwei kleine Objekte in einer Vitrine ausgestellt. Zwischen den Kunstwerken steht eine Informationstafel mit deutschem Text, auf der die Ausstellung über Krieg, Angst und Trauma beschrieben wird. Die Beleuchtung ist konzentriert und dramatisch.
Der erste Weltkrieg als Duft

Ebenso wird die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert: Parfum galt als dekadent, Schlichtheit und „Reinheit“ wurden propagiert. Daher wird hier kein Duft verströmt.

Eine vertikale Museumstafel zeigt blaue und rote Farbverläufe. Der deutsche und englische Titel lautet: "Duftentwicklungen in der Zeit des Nationalsozialismus". Der Informationstext beschreibt, wie konkurrierende Ideale Düfte und die Parfümindustrie im Deutschland der 1930er und 40er Jahre prägten.
Düfte in der Nazizeit

Auch die DDR wird durch Gerüche wieder lebendig. Trabbi-Abgase, Florena-Creme oder der Geruch eines Westpakets lösten bei mir als in der DDR Geborene und im Osten Aufgewachsene längst vergessene Erinnerungen aus. Diese Gerüche sind Teil meiner Identität. Auch Du wirst hier sicherlich direkt in vergangene Lebenswelten zurückkatapultiert. Düfte werden hier zum Zeitzeugen, den Du direkt “befragen” kannst.

Parfumgeschichte des 20. Jahrhunderts – Duft-Ikonen zum Schnuppern

Das 20. Jahrhundert revolutionierte die Welt der Düfte. Mit der industriellen Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde Parfum breiter verfügbar und mutiger. Modehäuser wie Chanel schrieben Geschichte.

Allen voran Chanel mit ihrem No. 5, das in den 1920er Jahren neue Duftnoten etablierte und als Symbol weiblicher Selbstbestimmung galt.

Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel N°5.

Marilyn Monroe, 1954

Auch Dior setzte mit Eau Sauvage in den 1960ern ein Zeichen von Frische und Freiheit. In den 1990ern sorgte Calvin Klein mit CK One als Unisex-Duft für Aufsehen. Das Parfum avancierte weltweit zum Kassenschlager.

Ein besonderes Highlight ist daher die interaktive Duftbar mit 21 ikonischen Parfums von 1889 bis heute. Die Flakons stehen unter Glashauben, darunter befinden sich die entsprechenden Duftproben. Hier wird geschnuppert, verglichen, erinnert – und oft auch gelächelt. Denn kaum ein anderer Sinn ruft Erinnerungen so unmittelbar wach wie der Geruchssinn.

Düfte zwischen Wissenschaft und Zukunft

Warum wirken Düfte so stark? Die Antwort liegt im limbischen System. Geruchsinformationen gelangen ohne Umwege direkt in die Hirnregion, die für Emotionen und Erinnerungen zuständig ist. Die Ausstellung greift diese wissenschaftlichen Erkenntnisse auf und macht sie erlebbar. Du kannst Duftstoffe testen, die die Konzentration steigern oder entspannend wirken. Das war mein Lieblingsraum. Ich habe ihn liebevoll auf den Namen “Raum der Moleküle” getauft. Darin hätte ich ewig sein können. Hier war ich als ehemalige Chemiestudentin ein wenig in meinem alten Element und auch lange genug alleine, um alles ausgiebig zu testen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Molekül Iso E Super, das oft als „Duft der Träume“ bezeichnet wird. Es soll seine Trägerinnen und Träger attraktiver wirken lassen, ohne aufdringlich zu sein. Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie subtil Duft unsere Wahrnehmung beeinflusst. Es ist u.a. Bestandteil von Eternity von Calvin Klein.

Ein Buchcover mit bunten Tomaten, Brombeeren, Sukkulenten und rosa Blumen auf dunklem Hintergrund. Düfte und Aromen werden mit dem deutschen Titel "Das kleine Buch vom RIECHEN und SCHMECKEN" in einem beigen Kreis in der Mitte lebendig.

Lesetipp

Gerade eines meiner Lieblingsbücher, weil es auch so gut zu meiner Genussreise und Weinausbildung passt. Gibt es auch im Museumsshop, im Buchhandel oder bei amazon*.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung neue Einsatzfelder für Geruch: in der Medizin, im Marketing und sogar in Virtual-Reality-Anwendungen. Die Frage ist nicht mehr, ob Düfte unsere Zukunft beeinflussen, sondern wie stark.

Warum diese Ausstellung so erfolgreich ist und Du sie besuchen solltest

Fast 100.000 Besuchende haben die Ausstellung bereits erlebt und zeigen, wie erfolgreich der Kunstpalast neue Wege beschreitet. Ein wesentlicher Grund: die Interaktivität. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt. Glashauben dürfen gelüftet, Diffusoren aktiviert und Duftproben getestet werden. Der Spieltrieb ist Teil des Konzepts. Dazu gefällt mir das Farbkonzept persönlich sehr, und allein deswegen hätte ich die Ausstellung gerne noch einmal besucht.

Insgesamt 81 verschiedene Duftkompositionen sind raffiniert im Rundgang integriert. Mal subtil im Raum verteilt, mal punktuell inszeniert. Diese Einladung zur aktiven Teilnahme schafft ein emotionales Erlebnis, das weit über klassische Museumsbesuche hinausgeht. Besonders lustig fand ich ja den Raum, der nach muffigem Museum riecht oder wie die Farbe Weiß riecht. Der Kunstpalast schaffte es, immer wieder im Rundgang zu überraschen.

Gäste berichten, dass sie durch einen einzigen Geruch in ihre Kindheit zurückversetzt wurden. Genau darin liegt die „geheime Macht“ der Düfte: Sie umgehen den Verstand und sprechen direkt die Emotionen an. Doch wie immer gibt es auch hier Kritiker, denen ich mich nicht anschließen kann: “Geruchsbelästigung zwischen Bordell und Douglas. Arme Kunstwerke”. Trotz meiner empfindlichen Nase hatte ich in der Ausstellung keine Reizüberflutung und habe jede Station genossen und mit Freude erkundet.

Ein aufgeschlagenes Gästebuch zeigt handschriftliche Notizen, blaue Stiftskizzen eines Frosches und eines Vogels. Auf der rechten Seite liegt ein weißer Stift, während das gelbe "Lust auf mehr?"-Schild dahinter auf dem weißen Schreibtisch oder der Auslagefläche steht.
Gästebuch des Kunstpalasts

Der Kunstpalast-Duft für Zuhause

Wenn Du das (Duft-)Erlebnis mit nach Hause nehmen möchtest, kannst Du das tatsächlich tun. Anlässlich der Ausstellung entwickelte Robert Müller-Grünow einen eigenen Duft für den Kunstpalast. Die Komposition aus u.a. Bergamotte, Jasmin und Zedernholz spiegelt die Offenheit, Experimentierfreude und Dynamik des Hauses wider, die es auch mit dieser Ausstellung zeigt.

Ein strukturiertes, abstraktes Kunstwerk aus gebündelten Materialien hängt an einer hellen Wand über einem geschwungenen Display mit beschreibendem Text in Englisch und Deutsch. Die Ausstellung erforscht Düfte und ihre Verbindung zu Identität und Ort. Der Boden ist aus poliertem Holz.
Duft und Identität – Unsichtbare Signatur eines Ortes

Der Duft ist im Museumsshop als exklusive Kerze für 49 Euro erhältlich. So bleibt Dein Museumsbesuch noch länger in Deiner Erinnerung und auch in der Luft der eigenen vier Wände.

Kunstpalast Düsseldorf

Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

Website zur Ausstellung

📅 Laufzeit: 29. Oktober 2025 bis 22. März 2026 (verlängert)
🕒 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr
🎟 Tickets: regulär 13 €, ermäßigt 10 €
👧 Freier Eintritt: für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
🌐 Tickets & Infos: online über die Website des Kunstpalasts oder an der Tageskasse erhältlich
🚇 Haltestelle: Tonhalle/Ehrenhof (U-Bahn U78 & U79)

Weitere Ausstellungen im Kunstpalast Düsseldorf der letzten Zeit, die unglaublich gut waren:
Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter
Hans-Peter Feldmann – Kunstausstellung
Gerhard Richter – Verborgene Schätze

Fotos: Die Fotos unterliegen meinem Urheberrecht, wenn nicht anders angegeben. Die gezeigten Werke unterliegen zum Teil noch den Rechten der Nachfahren der Künstler:innen. Das Ausstellungskonzept unterliegt dem Urheberrecht des Kunstpalasts Düsseldorf. Alle meine Fotos sind auf Flickr zur Inspiration zu finden.

Offenlegung: Ich konnte die Ausstellung im Rahmen der Pressekonferenz kostenlos besuchen. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt. Die Kosten für die Anreise wurden selbst getragen.


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Romy

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund und arbeitet als Bloggerin und Freelancerin im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Übers Reisen regelmäßiger seit 2013. Wenn sie Zeit dazu findet.

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