Abendhimmel über Bergkette von Doi Nang Non in der Nähe von Chiang Rai, Thailand. Foto: Stefan Wagner

Ist Chiang Rai ein ideales Ziel zum Auswandern nach Thailand?

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Thailand ist beliebt bei Auswanderern. Sie sind überall im Land zu finden, im ländlichen Nordosten oder im verrufenen Pattaya, auf der modernen Insel Phuket oder in der Großstadt Chiang Mai. Sie kommen wegen der günstigen Lebenshaltungskosten, den freundlichen Einwohnern und dem tropischen Klima. Auswanderer kommen aus den USA, aus Russland, aus Europa, aus dem Nahen Osten und zunehmend aus China. Doch ist Chiang Rai ein ideales Ziel zum Auswandern nach Thailand?

Ich lebe in Chiang Rai, der nördlichsten Provinz Thailands. Nahe am Golden Triangle, dem Dreiländereck, das seinen Namen dem Reichtum der großen Opiumschmuggler vergangener Zeiten zu verdanken hat.

Kann ich die Gegend hier empfehlen für Auswanderer? Meine Antwort auf diese Frage ist eine klares Jein.

Was hat Chiang Rai für Auswanderer zu bieten?

Die nördlichste Provinz Thailands ist als Reiseziel bei den Leuten aus Bangkok sehr beliebt. „Agaht yen“ – kühles Wetter ist die Begründung. Dabei hat die Gegend hier so viel mehr zu bieten als nur angenehm kühle Temperaturen im Winter.

Menschen

Da sind zunächst einmal die Einwohner Thailands, die es einem Ausländer so einfach machen sich hier wohlzufühlen. Auch wenn man nach und nach hinter die Fassade schauen lernt, macht das berühmte Lächeln der Thais den Umgang angenehm.

lächelnde Thais - eine Frau mit Brille, eine jüngere Frau oder Mädchen, ein Junge am Beginn seines Teenageralters, ein kleineres Mädchen im Grundschulalter. Foto: Stefan Wagner
lächelnde Thais, Foto: Stefan Wagner

Wie oft war ich schon von einer Hilfsbereitschaft erstaunt, wie ich sie in meinem Heimatland selten erleben konnte. Der Respekt vor Älteren ist in der thailändischen Kultur genauso als Erziehungsziel verankert wie die Einstellung, bei anderen Menschen keine unangenehmen Gefühle verursachen zu wollen.

Essen

Die thailändische Küche ist die beste der Welt. Punkt. In Vielfalt und Geschmackskombinationen unübertroffen. Hier in Nordthailand bekommt man neben den südthailändischen Curries auch die Varianten ohne Kokosmilch. Ein Khao Soy oder Hang Lä ist mindestens genauso lecker, wie das berühmte Massaman-Curry.

Gemüse auf einem Food Market in Bangkok, 2015
Gemüse auf einem Food Market in Bangkok, Foto: Romy Mlinzk

Ananas, Bananen und Papaya gibt es das ganze Jahr über. Weitere 20 Obstsorten – von Mango über Lychee zu Durian – nur in der jeweiligen Saison. Als Tourist lernt man nur wenige der vielen Gemüsesorten kennen, die täglich auf dem Markt angeboten werden. Gesünder kann man sich kaum ernähren.

Landschaft

„Lanna“ war ein mächtiges, nordthailändisches Fürstentum mit eigener Kultur. „Lan na“ bedeutet „eine Million Reisfelder“. So finden sich weite Flächen mit Reisfeldern eingebettet in Hügel- und Bergketten. Diese sind mit dschungelartigem Wald bedeckt, aus dem häufig schroffe Felsformationen herausragen. Ein faszinierender Anblick.

Zwei Berge in der Provinz Chiang Rai sind berühmt geworden. Auf dem Doi Chang wird der beste Kaffee Thailands angebaut – und in die ganze Welt exportiert. Wo thailändischer Kaffee draufsteht, ist meist Doi Chang drin.

Doi Chang Ausblick, Thailand, Foto: Stefan Wagner
Ausblick Doi Chang, Foto: Stefan Wagner

Der Doi Nang Non ist bekannt geworden durch die wunderbare Rettung der 13 Jugendlichen einer Fußballmannschaft aus einer Höhle. Beide Berge laden ein zu einem Ausflug. Denn das Straßennetz ist gut ausgebaut.

Doi Nang Non, Thailand. Panorama bei Sonnenauf- oder -untergang. Foto: Guido Brüggen
Panorama von Doi Nang Non, Foto: Guido Brüggen

Lebenshaltungskosten

Das Leben in Chiang Rai kann sehr günstig sein. Die durchschnittlichen Einkünfte liegen bei einem Drittel bis Viertel unter dem mitteleuropäischer Länder. Entsprechend stark ist die Kaufkraft unseres Geldes. Dennoch gilt: je mehr man wie Einheimische leben kann und will, um so günstiger wird es; je mehr man westliche Produkte konsumieren will, um so teurer wird es.

Oder anders ausgedrückt: Im Inland produzierte Produkte sind für uns Westler verhältnismäßig günstig, importierte Waren verhältnismäßig teuer. Man kann tatsächlich von 800 Euro leben. Die Frage ist, wer damit zufrieden ist. Wohl nur Minimalisten oder extreme Naturliebhaber.

Community

Hier gibt es eine vergleichsweise kleine, aber aktive Auswanderergemeinde. Der Chiang Rai Expat Club ist zwar hauptsächlich englischsprachig, bietet dafür aber viele Aktivitäten von Sport bis Kultur. Wer mit offener Einstellung durch die Welt geht, wird auch schnell deutschsprachigen Anschluss finden.

Chiang Rai, Thailand. Baan Dam, Schwarzes Haus.
Baan Dam – Schwarzes Haus, eine der Sehenswürdigkeiten in Chiang Rai, Foto: Romy Mlinzk

Und sonst?

In Chiang Rai Stadt bekommen Ausländer alles, was sie brauchen. Neben Delis und Supermärkten mit ausländischen Produkten gibt es italienische, australische und chinesische Restaurants. Die Krankenhäuser der großen Anbieter brauchen sich nicht zu verstecken. Baumärkte und Einrichtungshäuser sind nicht nur bei den Ausländern beliebt. Im Central Plaza geht man nicht nur in der heißen Jahreszeit an den Schaufenstern bummeln. Bei angenehm klimatisierten Temperaturen versteht sich.

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Also was passt mir nicht?

Es gibt einen Grund, warum ich Chiang Rai nicht von ganzem Herzen für Auswanderer empfehlen kann. Einen einzigen.

Wie gesagt lieben die Leute aus Bangkok Chiang Rai wegen des guten Wetters. Denn hier gibt es, anders als in den südlichen Landesteilen, vier richtige Jahreszeiten. Ab März steigen langsam die Temperaturen an, um im Mai in der heißen Jahreszeit zu gipfeln. 40 Grad sind dann keine Seltenheit. Jede Bewegung oder jedes heiße Getränk löst Schweißausbrüche aus. Das lässt sich mit Siesta und Klimaanlage ganz gut schaffen.

Haus in den grünen Reisfeldern, Thailand. Foto: Stefan Wagner
Haus in den grünen Reisfeldern Thailands, Foto: Stefan Wagner

Wenn im Mai die kühlen Sommergewitter Erleichterung gebracht haben, sind ab Juni die Regenschauer länger und häufiger. Die Regenzeit hat begonnen. Auch wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, wird man durch kühlende Regenschauer und fantastischen Wolkengebilden belohnt. Diese Jahreszeit zieht sich bis Mitte September.

Ab Oktober nehmen die Temperaturen langsam ab. Ende November ist die beste Reisezeit für den Norden Thailands. Wälder und Reisfelder sind sattgrün, aber es regnet nicht mehr und es ist deutlich kühler geworden. Während der nächsten vier Monate sollte es so gut wie gar nicht regnen. Zu Beginn der heißen Jahreszeit wirken Natur und Gärten deutlich trockener.

Burning Season in Chiang Rai

Aber vorher kommt noch die Jahreszeit, wegen der ich Chiang Rai nur bedingt für ältere Auswanderer empfehlen kann: Die sogenannte Burning Season oder Smog-Saison. Die Feinstaubbelastung steigt dann auf PM 2,5 Werte von bis zu 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die EU-Grenzwerte liegen bei 25 Mikrogramm. Die Sicht verringert sich auf unter einen Kilometer, manchmal auch darunter. Klare Sicht auf die Berge? Fehlanzeige. Angenehme Luft beim Besichtigen der schönen Tempel? Wird mit einem Husten beantwortet.

Ausgelöst werden diese extremen Werte durch Brandrodung, Abfackeln von Reisstroh oder den Resten der Maisernte. Aber auch die Suche nach einer besonderen Art von Waldpilz, der angeblich nur auf abgebranntem Waldbogen wächst, oder auch dem Ausräuchern von Wildbienen beim Sammeln von Honig führt immer wieder zu unkontrollierten Waldbränden.

Zur Linderung während dieses bis zu zwei Monate anhaltenden Zustandes wählen viele Ausländer Luftreiniger. Diese Geräte lassen die Luft durch Filter zirkulieren. Fenster bleiben geschlossen und manche gehen so weit, dass sie mit Klebestreifen an den Türen und Fenstern jeden kleinen Luftschlitz verschließen.

Leider kann diese miserable Luftqualität bei empfindlichen Menschen zu Husten und Atembeschwerden führen. Langzeitfolgen wie Atemwegserkrankungen und Herzkrankheiten sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige Ausländer verbringen in dieser Zeit ein paar Wochen im Süden am Meer oder anderen Gegenden mit gesunder Luft.

Ich fühle mich wirklich wohl in Chiang Rai. Aber während der Burning Season frage ich mich, warum ich gerade im Norden Thailands hängen bleiben musste. Ja, ich zweifle, ob das eine gute Idee ist, gerade hier alt zu werden. Dann ist die Burning-Season vorbei und ich kaufe im Laden an der Ecke bei der Frau mit dem hinreißenden Lächeln eine frische Mango. Ich plaudre ein wenig mit dem Nachbarn über unsere Katze und schon sieht die Welt wieder ein bisschen besser aus.

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Offenlegung: Danke für den Gastbeitrag an Stefan im Rahmen des Bloggerwichtelns 2021/22.
Fotos: Die Fotos unterliegen dem Urheberrecht des:der jeweils angegebenen Urheber:in.


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Stefan

Stefan wurde schon Mitte der 80er mit dem Thailand-Virus infiziert. In Thailand zu leben, stand nie auf dem Plan. Das ergab sich als er in einem Waisenheim in Mae Sai als Volunteer arbeitete und dort hängen blieb. Sein Blog www.STEFANinTHAILAND.de begann als Bericht für Familie und Freunde und entwickelte sich zu einer verlässlichen Informationsquelle unter dem Motto „Leben, Reisen und Radfahren in Thailand“.

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