Blogger Relations ist die derzeitige Buzzwordsau, die neben Content Marketing und Content Strategy durch das digitale Dorf getrieben wird. Diverse Branchen entdecken Blogger für sich und wollen sie für ihre Zwecke einspannen, Blogger hingegen oft ihre Blogs vermarkten bzw. bekannter machen – es sollte im besten Fall zu einer fruchtbaren Beziehung zwischen beiden Seiten kommen. Doch da liegt der Hund begraben.

Deutsche Blogger und das Geld verdienen

Bei Blogger Relations stellen sich beide Seiten immer wieder und immer noch stark tollpatschig an. Doch bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dafür scheinen aber Blogger vom Himmel zu fallen, denn noch nie war es so einfach, mit dem Bloggen zu beginnen wie heute. Es gibt zig gehostete Blogsysteme und auch ein selbstgehostetes Blog ist kein Hexenwerk mehr – jeder kann also in Null Komma Nix Blogger werden.

Die weiße Weste

Ein Teil dieser Blogosphäre möchte natürlich mit den erstellten Inhalten irgendwann Geld verdienen. An der Stelle unterscheiden sich die Blogger mit der weißen Weste und die, die sich der dunklen Seite der Maschinerie zuwenden.

Ein Blogger mit weißer Weste ist bemüht, gute Kooperationen an Land zu ziehen und dabei für sein Blog auf der sicheren Seite zu sein. So lehnt er unseriöse Linktauschangebote ab, möchte für Inhalte anständig bezahlt werden, hat vielleicht Google Ads und ein gekennzeichnetes Affiliatesystem laufen, lässt bei Sponsored Posts nur nofollow-Links zu und kennzeichnet diese Posts auch. Doch dies ist vielen Markenverantwortlichen nicht gut genug, da nur dofollow-Links auf das Google-Ranking (“Linkjuice”) einzahlen. Doch wer einen Post als Werbung kennzeichnet und trotzdem keinen nofollow-Link setzt, den straft Google früher oder später ab (Verstoß gegen die Webmaster Richtlinien).

In dem Beispiel krankt es also an der geringen Wertschätzung des Bloggers. Aus reinem SEO-Interesse wird dort eine lieblose Kooperation angestrebt, die – wenn überhaupt – einmalig bleibt. An dem Blog oder dem Blogger ist man dort selten interessiert, es kann gar nicht zu einer fruchtbaren Beziehung, zu einer Blogger Relations kommen.

Die dunkle Seite der Macht

Steht der Blogger aber auf der dunklen Seite der Macht, dann hat er meist nicht nur ein Blog sondern mehrere. Dann wird das Geld über Linktauschangebote oder unseriöse Blogvermarktungsangebote eingenommen. Vermarkter, die fast ausschließlich dofollow-Beiträge ohne Kennzeichnung als Sponsored Posts verkaufen oder einen Blogger gar nicht erst aufnehmen, wenn er keine dofollow-Links in bezahlten Beiträgen anbietet. Es ist ein schmutziges Geschäft (und rechtlich bedenklich!) und wird ein Blog abgestraft, dann hat der Blogger meist noch eine Handvoll weitere Blogs, mit denen er weiterhin gut Geld verdient oder macht einfach neue Blogs auf. So kommen manche – in der “Szene” unbekannte Blogger – auf mehrere hundert bis tausende Euro pro Monat. Da ist man auch nicht unbedingt an langfristigen Beziehungen interessiert, von keiner Seite aus. Ein reines SEO-Geschäft, bei dem der Blogger fast schon selbst SEO-Experte sein muss (da wird in der Anforderungen teilweise von Sichtbarkeitsindex, Domainpopularität und Page Rank sowie anderen SEO-Faktoren gesprochen).

Die dunkle Seite der Macht - Linkkauf
Die dunkle Seite der Macht – Linkkauf

Von Blogger zu Influencer Relations

Doch es gibt auch die guten und fleißigen Blogger, die sich eine Nische erarbeitet haben, die sich vermarktet haben und selbst zu einer bekannten Marke/Persönlichkeit wurden – und gute “Blogger Relations” mit Firmen unterhalten. Darunter zähle ich z.B. im Tech-Bereich Caschy (Carsten Knobloch, Stadt-Bremerhaven.de), Gilly (Sascha Israel, Gilly’s playground) und Sascha Pallenberg (netbooknews, mobilegeeks), aber auch Meinungsbildner wie Johnny Häussler (spreeblick), Nico Lumma (lummaland) uvm.

Diese Menschen sind Influencer und dies ist nicht mehr nur auf ihr Blog beschränkt. Durch die Verbreitungskanäle Facebook, Twitter, Google+ und Co. haben sie sich auf diesen Kanälen eine interessante Masse an Followern und Freunden erarbeitet, die ihre Meinungen und Botschaften nicht nur lesen sondern im besten Fall auch weiterverbreiten. Diese Social Reach ist nicht zu unterschätzen und da jedes Netzwerk auch für sich eine relevante Plattform zur Meinungsäußerung darstellt, ist für mich Blogger Relations schon längst überholt. In jedem Kanal finden sich Influencer, die nicht mehr unbedingt ein Blog besitzen.

Nehmen wir mal Robert Basic als Beispiel. Seit längerem bloggt er nicht mehr in seiner früheren (täglichen) Frequenz, zählt aber immer noch in diversen Branchen als Meinungsführer und wird zu Events eingeladen und bekommt Testgeräte gestellt oder andere Vergünstigungen. Robert schreibt natürlich über diese Events, verbreitet Fotos und teilt mit, was er von den Produkten hält. Doch nicht mehr unbedingt per Blog, sondern immer in dem Medium, welches ihm gerade liegt und angemessen scheint. Dies kann eines seiner Blogs sein, in letzter Zeit war es verstärkt Facebook. Dort schrieb er täglich Dutzende von Statusmitteilungen. Er profitiert von langjährigen und mittlerweile sehr engen und persönlichen Beziehungen zu den Marken- und PR-Verantwortlichen und diese wissen, was sie an ihm haben – egal, welches Medium er für die Verbreitung seiner Meinung nutzt.

Diese Influencer Relation lebt also vom Geben und Nehmen, der persönlichen Beziehung, aber auch von klaren Ansagen, was von beiden Seiten erwartet wird. Trotzdem bleibt sich jeder treu und es wird auch Kritik geübt. Eine gute Beziehung jeglicher Art sollte konstruktive Kritik immer verkraften können, auch zwischen Influencern und Firmen.

Positives Beispiel von Influencer Relations

Mein liebstes Beispiel, wie die Zukunft von Beziehungen zwischen Meinungsmachern und einer Marke auch in Deutschland aussehen könnte, ist die Kanadische Tourismusbehörde CTC (Canadian Tourism Commission). Kanada bietet hervorragenden Inhalt für die verschiedensten Kanäle – und nicht nur für Texte und Blogger.

Bildmaterial zum Beispiel – egal, ob Fotos oder Bewegtbild – spricht Menschen intensiver an als ein reiner Text. Es ist also nicht verwunderlich, dass Kanäle wie Instagram und YouTube so erfolgreich sind. Dort kristallisieren sich Influencer heraus, die nicht vergessen werden sollten.
Kanada lädt darum zu Bloggertouren nicht nur reine Blogger ein sondern auch Menschen mit großem Social Reach, Videofilmer, Dokumentarfilmer, Fotografen, Instagramer oder veranstaltet dezidierte Touren für eine bestimmte Gruppe, wie bekannte Fotografen mit Instagram-Followern im mindesten 6-stelligem Bereich.

Die CTC versucht also, das Beste an Inhalten über alle möglichen Bereiche – Bild, Foto, Video – zu erhalten und agiert zielgruppenspezifisch auch bei ihrer Influencerauswahl. So gab es im September die #Alberta1x1-Tour, bei der es sieben Tage mit sieben Instagramern aus aller Welt durch die Rocky Mountains ging. Bei allen Touren gibt es dabei ein sehr detailliertes Briefing für die Influencer mit der genauen Erwartungshaltung der CTC, z.B. wie viel Content in welchem Zeitrahmen geliefert werden soll und welchen Beitrag die CTC im Gegenzug leistet (z.B. werden Inhalte auf tourspezifischen Tumblr-Seiten “gefeatured”, Tweets retweeted und Facebookstatusupdates auf deren eigenen Kanälen geteilt). Hinterher wird aber auch ganz klar ausgewertet, was die Aktionen der Influencer für die Marke Kanada gebracht haben. Ein umfassendes Reporting wird dabei eingefordert.

Fazit

Die Onlinelandschaft hat sich geändert, Blogs sind nicht mehr die alleinigen Meinungsführungsplattformen im Internet. Auf vielen Netzwerken gibt es spezifische Influencer und selbst die re:publica verkauft keine Bloggertickets mehr. Jeder kann zu einem Influencer auf diesen verschiedenen Plattformen werden und jeder davon verdient es dann, Aufmerksamkeit von Firmen zu bekommen und gute Beziehungen mit diesen zu entwickeln. Es ist nun also an der Zeit, diese neuen Meinungsbildern zu identifizieren und langfristig die richtige Strategie mit ihnen zu entwickeln, um das Beste an Inhalten zu generieren. Nicht nur in Blogs.

Wie das gehen kann? Einfach kommunizieren. Nicht verstellen. Und vor allem: keine Pressemitteilungen. Dann klappt’s auch mit dem Influencer. ;)

Ansonsten: das, was Johannes sagt.

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Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Mike Schnoor

Disclaimer: Ich wurde selbst zwei Mal von der CTC zu Bloggerreisen eingeladen.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media, Content Strategie und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013.
2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.

12 Kommentare

  1. Pingback: Aufruf zur Blogparade “Blogger Relations” | Mike Schnoor

  2. Hi Romy,

    ich habe das ja schon als Reaktion auf den HuffPo-Artikel von Jo geschrieben: warum wollt ihr es den Unternehmen denn schon wieder schwerer machen? Brauchen wir wirklich noch ein neues Buzzword? https://www.falkhedemann.de/2013/11/11/blogger-relations-vs-influencer-relations-brauchen-wir-wirklich-ein-neues-buzz-word/

    Und so sehr ich euch beiden ja zustimme, dass es nicht mehr nur um das Blog und dessen Reichweite geht: Welcher Blogger nutzt die sozialen Netzwerke denn nicht? Und welcher Influencer hat denn kein Blog? Nun können sich ja auch nicht alle Unternehmen bei Robert melden ;) Und aus meiner Erfahrung aus Gesprächen mit Unternehmen wissen die doch längst um die Wichtigkeit der Social Reach. Klar kann ein Facebook-Post oder ein Instagram-Foto auch eine schöne Reichweite erzielen, aber das sind sehr temporäre Phänomene, die in unserer dynamischen Wirklichkeit von heute nicht die nötige Nachhaltigkeit mitbringen.

    Lass uns doch einfach den sich gerade etablierenden Begriff Blogger Relations um den Faktor Social Reach erweitern, statt schon wieder ein neues Buzzword zu erzeugen ;)

    Liebe Grüße,
    Falk

    • Die Welt steht nun mal nicht still. Zwar kann jeder Blogger sein, doch nicht jeder hat einen Blog als Herzstück seiner Tätigkeiten. So kann ich z.B. bei Alex Strohl, einer der Fotografen von #Alberta1x1 sagen, dass er eine Portfolioseite besitzt, aber kein Blog. Klar ist er auch auf Facebook, aber die Reichweite hat er nun mal auf Instagram (mit über 200.000 Followern).

      Bei meiner Bloggertour gab es auch einen chinesischen Dokumentarfilmer, der hat die meiste Zeit noch nicht mal Facebook…

  3. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 48 in 2013 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2013

  4. Pingback: Museum trifft Blogger: Von misslungenen Flirts und glücklichen Ehen | Blogparade: Blogger Relations | MUSEUM & SOCIAL WEB

  5. Sehr guter Artikel dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist.
    Finde als Unternehmer “Deine” Influencer, hege und pflege Sie und dabei bitte plattformunabhängig, man kann dies auch einfacher definieren “nur aus toller Zusammenarbeit kann dies entstehen auf gleicher Augenhöhe”.
    Herzliche Grüsse sendet
    Daniela

    • Vielen lieben Dank!
      Auf gleicher Augenhöhe bedeutet auch für mich, dass man klar abstimmt, wie die beiderseitige Erwartungshaltung ist. Bloggen ist dann für mich ein Geschäft und wenn sehr viel Geld ausgegeben wird, dann gibt es immer Bedingungen zu erfüllen. Die CTC gibt z.B. klar vor, wie viele Blogposts nach einer Reise herauskommen sollen und wie viele Statusupdates pro Tag mit einem speziellen Hashtag. Wer das nicht will, der muss nicht auf das Angebot der Reise eingehen – aber man weiß, woran man ist und keiner kann sich dann hinterher beleidigt zurückziehen und schmollen, Bedingungen beider Seiten waren klar. Es liegt daher auch immer viel am Meinungsmacher, was er aus einem Angebot macht (siehe Blogpost heute von Kai Thrun https://kaithrun.de/bloggen/blogger-relations-missverstaendnisse/).

      Dass ich ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis sowohl zum deutschen ASP als auch zu den kanadischen ASP vor Ort entwickelt habe, ist der guten Organisation und Betreuung vor, mit persönlichen Einladungen zu Events und unkomplizierter Kommunikation rund um diese Geschäftsbeziehung Blogger – Firma CTC zu verdanken.

      LG, Romy

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