Auf einem orangefarbenen, gemusterten Hintergrund ist eine stilisierte Illustration einer Japanerin in traditioneller Tracht mit Haarnadeln zu sehen, die Reis und Essstäbchen in der Hand hält. Eine rote Sprechblase mit der Aufschrift „OiSHii!“ und japanischem Text drückt Begeisterung oder Genuss aus und fängt den freudigen Ausruf beim Entdecken von etwas wahrhaft „oishii“ perfekt ein.

Stuttgarter Kulturherbst 2016: Oishii-Esskultur und Schwaben

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An einem Wochenende im November 2016 war ich in Stuttgart und habe gleich zwei Kulturausstellungen besucht. Zum einen die große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ im Landesmuseum Württemberg, zum anderen die Ausstellung „Oishii! Essen in Japan“ im Linden-Museum.

Oishii-Esskultur in Japan – Linden-Museum

Auf einem orangefarbenen, gemusterten Hintergrund ist eine stilisierte Illustration einer Japanerin in traditioneller Tracht mit Haarnadeln zu sehen, die Reis und Essstäbchen in der Hand hält. Eine rote Sprechblase mit der Aufschrift „OiSHii!“ und japanischem Text drückt Begeisterung oder Genuss aus und fängt den freudigen Ausruf beim Entdecken von etwas wahrhaft „oishii“ perfekt ein.
Oishii! – Key Visual der Ausstellung

Die Ausstellung “Oishii! Essen in Japan” (“Es schmeckt mir!”) widmete sich vor allem der Frage, wie sich die Kultur am Begriff des Essens darstellt. Denn in Japan ist Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme.

  • Wer ist wann was?
  • Wie verändert sich dies zum Beispiel durch industrielle Fertigungsprozesse oder politische Veränderungen?
  • Was macht die Globalisierung?

Das, was sich hier gerade sehr abstrakt und akademisch anhört, wurde im Linden-Museum auf wunderbare Art und Weise sehr poppig und spielerisch erzählt. Im ersten Raum gab es vor allem eine Sammlung aller Dinge, die wir aus der japanischen Küche kennen – Sushi, Nudelsuppe, Hokkaido-Kürbis, Kugelfisch etc. Dann erfuhren wir alles über Reis und Sake.

Bentobox

Mein Lieblingsthema war aber die Bentobox. Diese Boxen, in denen Essen mit zur Arbeit, ins Büro oder aufs Feld genommen wird, gibt es in Japan bereits seit dem 5. Jahrhundert.

In einer weißen Bento-Box befinden sich leckere Reisbällchen in Form von Pandas, Sushi-Rollen, Karottenscheiben, Salat, Brokkoli, Kirschtomaten und verschiedene Obstsorten. Über der Box liegen Essstäbchen. Eine kleine Sojasoßenflasche und grüne Trennwände sind im Lieferumfang enthalten.

Bentobox, Copyright/Foto: Franziska Schaper
Bentobox
Copyright/Foto: Franziska Schaper

Kinder von drei bis neun Jahren zeigten in einem Video ihre Lieblingsbentobox. Ich war von der künstlerischen Gestaltung des Essens in diesen Boxen fasziniert (und so einen Katzen-Reis-Former brauche ich ganz ganz dringend!).

Auf einem roten Hintergrund ist ein verpacktes japanisches Set aus einer Reisförmchen und einer Presse in Katzenform zu sehen. Auf der Verpackung sind im Hintergrund Beispiele für „Oishii“-Reisbällchen in Katzenform mit niedlichen Gesichtern abgebildet. Das Set besteht aus einer braunen Form und einem weißen Griff in Form eines Katzenkopfes.
Bentoformer

Symbolisch gingen wir dann durch blaue Stoffbahnen nach unten, unter Wasser, und befassten uns mit Fisch und Meeresfrüchten. Oder auch mal mit sehr schlecht gelaunten Kraken.

Oktopus in einem Topf Krakenfleisch war lange Zeit ein Armeleuteessen. Hier schaut ein Krake (tako) aus einem Fangtopf hervor. Die Falten um seine Augen drücken sowohl seine Verärgerung über das "Gefängnis" aus als auch die Anstrengung, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Netsuke aus Elfenbein, Pupillen aus Horn, Japan, 2. Hälfte 19. Jh., Linden-Museum Stuttgart, Slg. Trumpf, Stiftung 1966, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. OA 19.234 (TN 492)
Oktopus in einem Topf

Krakenfleisch war lange Zeit ein Armeleuteessen. Hier schaut ein Krake (tako) aus einem Fangtopf hervor. Die Falten um seine Augen drücken sowohl seine Verärgerung über das “Gefängnis” aus als auch die Anstrengung, sich aus der misslichen Lage zu befreien.

Netsuke aus Elfenbein, Pupillen aus Horn, Japan, 2. Hälfte 19. Jh., Linden-Museum Stuttgart, Slg. Trumpf, Stiftung 1966, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. OA 19.234 (TN 492)| Download

Mit Augenzwinkern schauten wir auch Gemälde an, in denen unter der Rubrik “Picknick” die Folgen von zu viel Sake dargestellt wurden. Dieses so herrlich leichte Ausstellungskonzept von “Oishii – Essen in Japan” wurde durch Zeremonien, Workshops, Lesungen, Filme und vieles mehr abgerundet. Wir konnten zum Beispiel einer Ikebana-Zeremonie beiwohnen – dabei fällt man einfach aus der Zeit – wunderbar!

Linden-Museum – Oishii! Essen in Japan

Linden-Museum Stuttgart
Staatliches Museum für Völkerkunde
Hegelplatz 1
70174 Stuttgart

Webseite zur Ausstellung

Die Ausstellung fand vom 15.10.2016 bis zum 23.04.2017 statt.

Preise:
Erwachsene: 6 Euro
ermäßigt (bis 18 Jahren frei): 4 Euro
inkl. Mediagudie (Deutsch/Englisch/Kinder)
Es gibt darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten der Ermäßigung bzw. des freien Eintritts – siehe Website.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 10-17 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10-18 Uhr
Montag geschlossen
Am 24./25. und 31.12. geschlossen.

Stand: Juli 2026

Die Schwaben – Landesmuseum Württemberg

Ähnlich und doch ganz anders war hingegen die Ausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ im Landesmuseum Württemberg.

Kunstausstellung mit mehreren transparenten, hängenden Kugeln. Jede Kugel umschließt einzigartige Objekte wie ein großes Fahrradrad, Schuhe und Miniaturgegenstände. Im Hintergrund sind informative Wandtexte und weitere ausgestellte Objekte auf einem weißen Tisch zu sehen. Die Beleuchtung unterstreicht die helle und moderne Atmosphäre und verleiht der Installation einen frischen und faszinierenden Reiz.

Raumaufnahme Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Franziska Schneider
Raumaufnahme Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Franziska Schneider

Auch hier nahm das Essen einen großen Teil ein! Wer denkt nicht bei Schwaben an Käsespätzle oder Linsen mit Saitenwurst?! In der Ausstellung gab es natürlich eine echte schwäbische Hausfrau, die erzählte, wie sie kocht und was Essen für sie bedeutet. Auch die Frage „Wie viel Schwabe steckt in Dir?” wurde sinnigerweise mit einem Linsen-Barometer beantwortet.

Ein Teller mit cremigen Spätzle wird mit karamellisierten Zwiebeln belegt und mit gehacktem Schnittlauch bestreut. Dieses in einer dunklen Pfanne servierte Gericht wird mit Petersilie garniert und im Hintergrund von einer leuchtenden Tomatenscheibe geschmückt. Die Textur der Spätzle wirkt weich und reichhaltig.
Käsespätzle

Das, was die Schwaben ausmacht, ist aber natürlich mehr als nur das Essen. Vor allem sind die Schwaben „Sowohl als auch“.
Sie sind sparsam und verschwenderisch. Rebellisch und treu. Weltoffen und eigenbrötlerisch. Dies wird an verschiedenen Exponaten plastisch veranschaulicht.

Aufwendig verziertes mittelalterliches Kreuz mit Gold, Edelsteinen und Perlen, in dessen Mitte ein gekreuzigter Jesus zu sehen ist, flankiert von zwei Figuren. Der Hintergrund besteht aus weißen Feldern, roten und blauen Edelsteinen sowie goldenen Medaillons mit eingravierten Porträts. Die Ränder sind mit weiteren Edelsteinen verziert, die dem gesamten Werk eine Pracht verleihen – visuell opulent, wobei jedes Detail so gestaltet ist, dass es Bewunderung hervorruft, als würde man es genüsslich genießen.

Scheibenkreuz aus dem Villinger Münster Freiburg i. Br., Mitte 13. Jahrhundert Kath. Münstergemeinde Villingen-Schwenningen, Villingen-Schwenningen © Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu; Foto: Erwin Reiter, Haslach
Scheibenkreuz aus dem Villinger Münster Freiburg i. Br., Mitte 13. Jahrhundert Kath. Münstergemeinde Villingen-Schwenningen, Villingen-Schwenningen © Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu; Foto: Erwin Reiter, Haslach
Ein minimalistischer Holzhocker mit einer rechteckigen Sitzfläche und zwei massiven Seitenteilen, die durch eine runde, horizontale Stützleiste im unteren Bereich miteinander verbunden sind. Das Holz weist eine natürliche, leicht verwitterte Oberfläche auf, die die ruhige Schlichtheit widerspiegelt. Der Hocker steht auf einer hellgrauen Fläche vor einem neutralen Hintergrund.

Arbeitshocker Sgabillo („Ulmer Hocker“) Entwurf: Max Bill (1908– 1994), Paul Gugelot (1920– 1965) Herstellung: Paul Hildinger Ulm, 1954/ 1962 Fichten- und Buchenholz, unbeschichtet, H. 45 cm, B. 40 cm, T. 29,5 cm © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch
Arbeitshocker Sgabillo („Ulmer Hocker“)
Entwurf: Max Bill (1908– 1994), Paul Gugelot (1920– 1965) Herstellung: Paul Hildinger
Ulm, 1954/ 1962
Fichten- und Buchenholz, unbeschichtet, H. 45 cm, B. 40 cm, T. 29,5 cm

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch

Schwaben räumlich zu fassen, ist fast noch schwerer. Schwaben wann? Das ist dann eine spannende Frage.
Das, was als große Gemeinsamkeit gilt, wird auch groß behandelt. Das Schwäbisch! Es gibt sogar ein Sprachlabor, in dem, wer will, Schwäbisch lernen oder zumindest sein Schwäbisches Lieblingswort verewigen kann.

In einem hellgrünen Ausstellungsraum befinden sich Ausstellungstafeln, ein runder Tisch in der Mitte mit einer Karte, interaktive Bildschirme, Exponate in Glasvitrinen sowie weiße, gewölbte Türöffnungen, durch die Tageslicht hereinströmt. An den geschwungenen Wänden reihen sich Informationstafeln aneinander.

Raumaufnahme Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Franziska Schneider
Raumaufnahme Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Franziska Schneider

Die sieben Superschwaben

Zusätzlich gab es noch die Kinderausstellung „Die sieben Superschwaben“ (die natürlich die Geschichte der sieben Schwaben karikiert). Superschwaben sind Identifikationsfiguren, mit deren Leben spielerisch umgegangen wird. Hier kommen der Astronom Johannes Kepler, der Dichter Friedrich Schiller sowie die Unternehmerin Margarete Steiff vor.

Abschließend wird nochmal versichert: „Schwabe kann man werden!“
Humor haben sie – die Schwaben.

Landesmuseum Württemberg – Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke

Landesmuseum Württemberg
Altes Schloss
Schillerplatz 6
70173 Stuttgart

Website zur Ausstellung

Die Ausstellung fand vom 22.10.2016 bis zum 23.04.2017 statt.

Preise:
Erwachsene: 8 Euro
ermäßigt: 6 Euro
Kinder/Jugendliche (bis einschließlich 17 Jahre): frei

Ab 16 Uhr: Eintritt in die Schausammlungen zum halben Preis. Tickets dafür gibt es direkt an der Museumskasse. Im Haus der Musik ist der Eintritt frei.

Öffnungszeiten:
Montag geschlossen, außer an Feiertagen
Dienstag bis Sonntag: 10-17 Uhr für die meisten Ausstellungen

Stand: Juli 2026

Lesetipps


Fotos: Die obigen Bilder unterliegen, wenn nicht anders angegeben, dem Urheberrecht von Andrea Keßler.
Bearbeitung: Romy Mlinzk

Offenlegung: Der Beitrag entstand im Rahmen der Bloggerreise #kulturherbststuttgart, die von der Stuttgart-Marketing GmbH und ausgewählten Partnern initiiert und finanziert wurde. Meine Meinung blieb davon unbeeindruckt. 

Der Beitrag erschien zuerst am 12. Dezember 2016 und wurde zuletzt am 27. Juli 2026 aktualisiert.


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Andrea

Andrea lebt in Dortmund und arbeitet nach vielen Irrungen und Wirrungen jetzt an der Kaffeefront.
Als Botschafterin des guten Filterkaffees liegt der (Kunst-)Historikerin die Liebe zur Oper, der Musik und den schönen Künsten immer noch im Blut.
So oft es ihr möglich ist reist und schreibt sie auch für snoopsmaus.

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