Die Ausstellung Kirchner. Picasso im LWL-Museum Münster zählte seit Ende September 2025 zu den kulturellen Highlights der Stadt. Im renommierten LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster trafen die Werke von Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso in einer außergewöhnlichen Gegenüberstellung aufeinander.
Kirchner. Picasso zeigte nicht nur zentrale Werke beider Künstler, sondern stellte auch ihre Biografien, Motive und Einflüsse gegenüber und machte das LWL-Museum Münster damit zu einem wichtigen Ort für moderne Kunst in Nordrhein-Westfalen. Wer in Münster unterwegs ist oder sich für expressionistische und moderne Kunst interessiert, sollte die Ausstellung Kirchner. Picasso auf keinen Fall verpassen. Sie läuft noch bis zum 18. Januar 2026.
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Kirchner. Picasso: 100 Werke – 100 Facetten der Moderne
Die Ausstellung Kirchner. Picasso versammelte rund 100 herausragende Werke von zwei der prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts und zeigte sie erstmals in einem so umfassenden Dialog. Diese Gegenüberstellung – realisiert in Kooperation zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster und dem Kirchner Museum Davos – beleuchtete Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Bildsprachen sowie im künstlerischen Blick auf ihre Zeit.

Dabei ging die Ausstellung weit über eine traditionelle Retrospektive hinaus: Sie verknüpfte biografische Stationen der Künstler mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Moderne, etwa mit dem urbanen Lebensgefühl, politischen Krisen und künstlerischen Revolutionen um 1900. Das LWL-Museum beleuchtete ihr Schaffen von den Umbrüchen des fin de siècle bis hin zur Abstraktion.
Kirchner. Picasso. Biografien: Wege in die Moderne
Direkt zu Beginn widmete sich Kirchner. Picasso anhand eines Zeitstrahls den Lebenswegen von Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso. Geboren nur ein Jahr auseinander – Kirchner 1880, Picasso 1881 – entwickelten beide sehr unterschiedliche künstlerische Wege zur Moderne. Der eine audodidaktisch, der andere studiert an bedeutenden Kunstakademien.

Während Kirchner als Mitbegründer der expressionistischen Künstlergruppe Brücke alternative Formen der Malerei und Gruppendynamik suchte und zu einem der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus wurde, setzte Picasso mit dem Kubismus Maßstäbe für die abstrakte Bildsprache der Moderne. Doch wiederholt näherten sie sich in ihren Bildwelten einander an, übersetzt in ihre eigene Bildsprache.





Obwohl sie sich nie begegnet sind, wurde in Münster deutlich, wie die gesellschaftlichen Umbrüche ihrer Zeit – vom aufkeimenden Großstadtleben bis zu Weltkriegen – in den Werken beider Künstler reflektiert wurden. Kirchner war nie in Paris, Picasso nie in Deutschland und dennoch war die französische Künstler:innenszene nichts Fremdes. Kirchner verfolgte über Jahrzehnte Picassos künstlerische Entwicklung. Auch andere Künstler:innen nahmen sich dem Ausbau der deutsch-französischen Kunstbeziehungen an, denen das LWL-Museum einen eigenen kleinen Bereich in der Ausstellung einräumte.



Lebendige Großstadt und intime Räume
Ein besonders faszinierender Abschnitt der Ausstellung widmete sich dem aufregenden Nachtleben in Paris und Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Sowohl Kirchner als auch Picasso thematisierten in ihren Bildern Menschen in urbanen Sphären – sei es beim Tanz, im Varieté oder bei alltäglichen Begegnungen. Diese Motive stehen für den Puls der Zeit: Sie spiegeln Glamour ebenso wie Einsamkeit, Bewegung ebenso wie Stillstand.







Im Kontrast dazu standen intime Räume wie Porträtstudien und Atelierszenen. Hier rückten persönliche Beziehungen, künstlerische Reflexion und die Darstellung des menschlichen Körpers ins Zentrum. Besonders eindrücklich waren die zahlreichen Porträts ihrer Freundinnen und Ehefrauen sowie die Darstellung von Badenden – ein klassisches Motiv, das beide Künstler auf jeweils eigene Weise interpretierten.







Selbstinszenierung – Künstler als Mythos
Ein überraschend vielschichtiges Thema der Ausstellung war die Selbstinszenierung beider Künstler. Kirchner nutzte häufig Selbstbildnisse, um Momente seines Lebens und seinen inneren Zustand sichtbar zu machen – etwa seine psychische und körperliche Belastung im Wechselspiel mit Schaffensprozessen. Picasso dagegen setzte auf narrative Figuren wie den Minotaurus und fotografische Selbstporträts, um sein künstlerisches Ich zu inszenieren.




Diese Selbstporträts und Figurendarstellungen offenbarten nicht nur künstlerisches Selbstverständnis, sondern auch die Rolle des Künstlers in einer sich rasant verändernden Welt.

Buchtipp
Der Katalog ist im Museumsshop sowie im Buchhandel und auch auf amazon* erhältlich.
Es gibt ihn auch auf Englisch*.
Mein Eindruck von Kirchner. Picasso
Was diese Ausstellung so eindrucksvoll machte, war die intensive Vernetzung von Biografie, Zeitgeschichte und künstlerischer Entwicklung. Es ging hier nicht nur um schöne Bilder, sondern um die Frage, wie Kunst auf tiefgreifende historische Umbrüche reagiert und wie Künstler sich selbst – und die Welt – in ihren Werken verhandeln. Dazu wurde der langgehegte Wunsch Kirchners nun endlich in die Tat umgesetzt.

Die sorgfältig kuratierten Räume erzählten Geschichten von urbaner Aufbruchstimmung über persönliche Krisen bis hin zur künstlerischen Selbstentfaltung. Sowohl Kirchner als auch Picasso waren in ihren jeweiligen Ausdrucksformen Pioniere, und ihre Werke strahlen bis heute eine enorme emotionale und intellektuelle Kraft aus.
Praktische Tipps für den Besuch von Kirchner. Picasso
Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich 18. Januar 2026, perfekt also für einen kulturellen Kurztrip nach Münster. Das Museum bietet neben verlängerten Öffnungszeiten auch Sonderführungen sowie einen kostenlosen Audio Guide in der Museums-App für tiefere Einblicke an. Ich habe diesen gerne parallel zur Ausstellung auf meinem Smartphone und über meine eigenen Kopfhörer gehört. Diese also nicht vergessen!
Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Kunstfans, sondern auch für alle, die verstehen möchten, wie Kunst, Leben und Geschichte der beiden Künstler miteinander verflochten sind. Sowieso finde ich, dass Kirchner zu selten gezeigt wird. Ich mag ihn sehr und dieser spannende Vergleich war die Reise nach Münster auch im strömenden Regen wert!
LWL-Museum für Kunst und Kultur
48143 Münster
Deutschland
Website
📅 Laufzeit: 26. September 2025 – 18. Januar 2026
🎧 Audio Guide: kostenlos via App des LWL-Museums
🎟 Tickets (2026): regulär 13 €/ermäßigt 6,50 €, online buchbar, inkl. Sammlung
🚇 Haltestelle: Domplatz oder Aegidiimarkt/LWL-Museum
Die Ausstellung fand in Kooperation mit dem Kirchner Museum Davos statt. Dort wird sie anschließen vom 15. Februar bis 03. Mai 2026 gezeigt.
Fotos: Die Fotos unterliegen meinem Urheberrecht. Die gezeigten Werke unterliegen den Rechten der Nachfahren der Künstler. Das Ausstellungskonzept unterliegt dem Urheberrecht des LWL-Museums Münster. Alle meine Fotos sind auf Flickr zur Inspiration zu finden.
Offenlegung: Ich habe die Ausstellung privat besucht und die Anfahrt sowie den Eintritt und den Katalog selbst getragen.





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