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Elisabethkirche Marburg, 13. Jh., Südostansicht

Postcard of the Week: Marburg, Deutschland

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Manchmal scheint es, dass meine Leser und Postkartenschreiber mehr unterwegs sind als ich! :D
Wieder einmal hat mir Carlo, ein Freund aus Studientagen in Gießen, eine wunderbare Postkarte geschickt. Dieses Mal aus der Studentenstadt Marburg, die sich in direkter Nachbarschaft zum mittelhessischen Gießen befindet.

Die Person hinter der Karte

Carlo zählt zu den Rekordhaltern hier, wenn es ums Postkarten schreiben geht. Vor kurzem erst war er in Wien und schickte mir (erneut) eine Karte. Nun war er anscheinend direkt im Anschluss in Marburg auf Tour mit seiner Studentenverbindung. Eigentlich ein Unding, als Gießener (Ex-)Student in Marburg zu feiern! ;)

Der Hintergrund der Karte aus Marburg

Elisabethkirche Marburg, 13. Jh., Südostansicht
Elisabethkirche Marburg, 13. Jh., Südostansicht

Die Rivalität der Studentenstädte, die nur wenige Kilometer von einander getrennt sind, ist wohl geschichtlich seit Jahrhunderten verbrieft. Die Grenze der Ländereien der Landgrafen von Thüringen und der Erzbischöfe von Mainz verlief hier. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: beide Städte liegen an der Lahn inmitten der Lahnberge (bzw. in Gießen der Seltersberg).

Wer nie von Gleibergs Mauerkranz
erschaut das weite Land,
vom Staufenberg im Sonnenglanz
des Flusses Silberband.
Wem holder Maitrank nie gelacht
auf Schiffenbergs Altan,
der kennt nicht deiner Gegend Pracht,
mein Gießen an der Lahn.

In Marburg ist das Stadtbild durch die Berge beeinflusst. Vor allem der Schlossberg und die umgebende Altstadt („Oberstadt“) prägt die Stadt. Am Fuße des Schlossbergs beherbergt Marburg die angeblich älteste gotische Hallenkirche Deutschlands – die Elisabethkirche („E-Kirche“) aus dem 13. Jahrhundert, die auf der Postkarte abgebildet ist. Sie ist der erste rein gotische Bau Deutschlands und wird oft in diesem Zusammenhang mit dem Dom in Magdeburg, dem Dom zu Köln und der Liebfrauenkirche in Trier genannt. Diese Bauwerke der Frühgotik zeigen zum Teil noch romanische Bauelemente, gelten als Vorbild für die Elisabethkirche oder orientieren sich eher an der französischen Gotik – dennoch sind alle Bauwerke maßgeblich Beispiele für den Beginn der deutschen Gotik.

Die Elisabethkirche in Marburg wurde ab dem 14. August 1235 vom Deutschen Orden errichtet, gefördert vom Landgrafen von Thüringen zu Ehren der heiligen Elisabeth von Thüringen. Diese gründete 1225 in Marburg das Hospital und versorgte dort bis zu ihrem Tod im Jahre 1231 Kranke und Bedürftige. Sie fand ihre letzte Ruhestätte in der Hospitalkirche zu Marburg. Der Deutsche Orden plante, aus Marburg einen Wallfahrtsort zu machen, da direkt nach dem Tod der beliebten Landesfürstin Pilgerströme zum Grab einsetzten. Daher begann man im Jahr ihrer Heiligsprechung 1235 mit dem Bau der gotischen Kirche. Die Kirche wurde dabei so geplant, dass die Hospitalkapelle abgetragen werden musste. Die Umbettung fand am 01. Mai 1236 im Beisein von Kaiser Friedrich II. statt. Heute befindet sich ein Mausoleum im nördlichen Kreuzarm der Elisabethkirche mit einem rund 100 Jahre jüngeren Sarkophag. 1539 wurden aber die Gebeine der heiligen Elisabeth entfernt, um Pilger aus dem protestantischen Marburg zu vertreiben. Die Reliquien sind über ganz Europa verstreut, z.B. in Wien und Stockholm.

Geweiht wurde die Kirche 1283, die Bauarbeiten an den Kirchtürmen zogen sich aber noch bis 1340 hin. Eine der schönsten Sakralschmuckstücke, der Elisabethschrein, ist noch heute in der Kirche zu bewundern. Außerdem ist hier der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg mit seiner Frau bestattet, nachdem Hitler die Särge aus Schutz vor den herannahenden Sowjettruppen aus Ostpreußen über Umwege nach Thüringen schaffte. Dort lagerten sie bei Kriegsende in einem Salzbergwerk, wo die Amerikaner die Särge – ebenso die von preußischen Könige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm I. – fanden und sie in die Elisabethkirche von Marburg brachten, um ihre letzte Ruhe zu finden. Die Särge der preußischen Könige hingegen wurden 1952 erneut umgebettet und befinden sich nun auf Burg Hohenzollern.

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