How to get away from Penticton, British Columbia?! #stuckinPenticton

… oder, wie komm ich hier bloß raus?! Diese Frage stellte sich mir und eine kleine Propellermaschine voll Menschen am 01. Oktober im kanadischen Penticton (British Columbia).

Rund acht Stunden saßen wir – zum Großteil Vertreter von Destinationen sowie Reisejournalisten/Blogger –  an dem kleinen Provinzflughafen fest – wir waren #stuckinPenticton. Dabei fing der Tag ganz entspannt an: Duschen, Packen, schönes Frühstück in einem kleinen Café im Ort, dann Transfer zum Flughafen.

Wie alles begann…

Auch am Flughafen lief gegen Mittag noch alles wie immer: Check-in, Koffer wiegen – huch, etwas zu schwer? Kurz umgepackt, alle happy – noch mal schnell auf Toilette und dann ab zur Security. Erst den Koffer aufgeben, dann das Handgepäck durchchecken, durch den Scanner und schon saß ich am Gate im wohl kleinsten Wartebereich, den ich jemals gesehen habe. Während ich dort auf Heike und Jörg wartete, erzählte der eine Security-Mann übrigens lauthals von einer Poutinery in Kelowna – ich bekam Hunger. Doch nach der Security gibt es noch nicht einmal eine Toilette!

Kleines Update: aktuell sitzen wir in Penticton fest. Der Flug wurde gecancelt. Maschine von Air Canada ‘putt. Ach es…

Posted by KÖLN FORMAT on Thursday, October 1, 2015

Als sich der Raum stetig füllt, das Flugzeug quasi zum Greifen nah, kommt der erste Schock des Tages: wir dürfen nicht durch die Tür zum Flugzeug, der Flug wird wegen eines technischen Problems am Flugzeug gecancelt. Ein neues Flugzeug soll aus Vancouver kommen, um uns später zumindest an die Westküste Kanadas zu bringen. Der Flug wird auf späten Nachmittag verschoben. Und husch, husch, mussten wir raus aus dem Wartebereich. Ein anderer Flug stand zum Einsteigen bereit – denn der Wartebereich kann immer nur Passagiere eines Flugs fassen.

 

Frohen Mutes bei #stuckinPenticton

Noch sind wir positiver Stimmung und hoffen. Vorsorglich checkt Heike die Einwegmieten bei Budget. Noch könnten wir einen Mietwagen für 650 $ bis nach Vancouver (inkl. 5 Stunden Autofahrt) buchen. Wir sind kurz davor, das so zu machen und uns einen Mietwagen zu dritt zu teilen. Doch erstmal gibt es aus Frust für uns Bier und für mich eine Poutine bei den zwei älteren polnischen Damen vom Grill. Noch immer dröhnt mir das “Piroogki” und “Cheezbuhrgaar” im Befehlston im Ohr.

Irgendwann gab es auch Essensgutscheine – mehr Bier, mehr Poutine für alle! Cheers. Dafür und auch für weitere Informationen mussten wir uns aber lang, sehr lange, in die Schlange am Schalter anstellen. In der Zwischenzeit wollten aber von den wenigen Mitarbeitern vor Ort weitere Flüge abgefertigt werden. Es ging alles irgendwie nicht vorwärts. Vor allem diejenigen, die nach Europa wollten und vielleicht sogar noch mit einer anderen Fluglinie wie Lufthansa – also z.B. ich – weiter wollten, mussten viel Geduld aufbringen und warten, warten, warten. Manch einer ließ sich auf 24 Stunden später umbuchen und konnte entspannt bei Freunden den Nachmittag und die Nacht verbringen. Wir anderen hielten vor Ort die Fahne hoch und übten uns in Galgenhumor – plus einigen witzigen Gags auf Snapchat (Nutzername: snoopsmaus) und photobombend bei anderen Mitreisenden.

— Dave & Deb Travel (@theplanetd) October 2, 2015

 

Der zweite Versuch #stuckinPenticton

Endlich ging es dann auch bei uns irgendwie weiter. Doch so schnell, dass man fast von der Toilette fällt, als plötzlich der “last call” für den erneuten Security-Check über die Lautsprecher ertönt. Schnell, schnell, Laptop und Flüssigkeiten extra, Jacke aus, Schal ablegen, wo ist die Boardkarte?, noch was in den Taschen? – und nach knapp fünf Stunden sitzen wir wieder in der Ausgangsposition im Warteraum. Das Flugzeug landet mit Verspätung – angeblich gab es nicht rechtzeitig einen Startslot in Vancouver – und Jörg sieht nur, wie der Pilot aussteigt und mit der Bodencrew redet, Köpfe geschüttelt werden. Fünf Minuten später haben wir erneut Gewissheit: für uns geht es heute nirgendwo mehr hin. Das Lustigste: die Mitarbeiter vor Ort wollen sich nicht mehr um uns kümmern und verweisen uns an die Hotline. Weder Taxi noch Hotelzimmer sollen übernommen werden. Hilflosigkeit und Wut macht sich breit. Die Hotline will von nichts wissen, da das Gepäck noch eingecheckt ist. Andere erhalten die Antwort, man könne nichts machen, Tickets lägen bei Lufthansa. Lufthansa daraufhin: nein, Tickets sind bei Air Canada. Beides sind wohlgemerkt Mitglied von Star Alliance und keiner fühlte sich für uns verantwortlich. Die Zusammenarbeit innerhalb des Verbunds scheint nicht sehr stark ausgeprägt. Nach all den Anrufen scheint aber Bewegung vor Ort zu entstehen – also zurück in Reih und Glied und mit den Mitarbeitern am Schalter reden. Nach einigen Telefonaten ist klar: alles auf Anfang. Wir kommen zurück ins gleiche Hotel, das wir am Morgen freudig verlassen hatten, Taxi- und Essensgutscheine inklusive. Morgen sollen wir es einfach mit einem weiteren, neuen Flug probieren, der dazwischen geschoben wird. Wir verzichten auf das Taxi, da Ange aus Vernon noch mit dem Auto in der Stadt ist, unser Unglück mitbekommen hat und uns kurzerhand inklusive Wein und Äpfeln im Gepäck abholte. Dankbar nahmen wir das Angebot an. Jetzt wollten wir nur noch an die Bar – doch (ihr wisst, was kommt?!): geschlossene Gesellschaft. Doch im Restaurant ist noch ein Plätzchen frei und gönnen uns ein leckeres Abendessen. Plus mehr Bier. Klar. Irgendwann ist auch jeglicher Galgenhumor einfach zu Ende. Das Zimmer ist aber okay, zum Schlafen reicht es ja – und endlich hat auch Heike Seeblick und kann den Sonnenaufgang genießen.

Wir sitzen noch immer in Penticton fest, aber dieser Ausblick zum Wachwerden macht die verlorenen 24h so gut wie wett!…

Posted by KÖLN FORMAT on Friday, October 2, 2015

Zweiter Versuch, #stuckinPenticton zu entkommen

Ein Frühstück bekomme ich vor Aufregung nicht mehr unter. 10:40 Uhr sollen wir nun endlich fliegen – doch unsere Reisegruppe ist nicht mehr die Selbe. Manche flogen schon mit den ersten zwei regulären Maschinen aus Penticton raus, während wir hofften, dass die zusätzliche Maschine nicht erneut die gleiche, defekte Propellermaschine sein wird. Nur noch 14 von uns schaffen es durch die Security und dann auch endlich in die Maschine – inklusive der Weiterflugtickets für Lufthansa und Co. So ganz glauben kann ich es erst, als die Maschine vom Boden abhebt.

Endlich, endlich, endlich – und jeder von uns 14 hat einen Fenstserplatz, den er sich aussuchen konnte und nach rund einer Stunde Flugzeit sind wir endlich in Vancouver. Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen. Denn es hieß nur noch ein wenig weiter warten, bis die Lufthansa uns nach Deutschland ausfliegen würde (wenn auch mit leichter Verspätung, aber hey, ich bin zu Hause!). Yeah!

So richtig leid tut es mir aber für Jörg, der am 01.10. Geburtstag hatte und sogar seine Geburtstagsparty am 03.10. deswegen absagen musste. Hoffentlich hat die Lufthansa oder Air Canada da noch etwas als Wiedergutmachung in der Hinterhand. Das wäre wenigstens eine schöne Geste für die verschwendete Lebenszeit.

Fazit

Lieber keine Hotlines anrufen, sondern immer direkt und sofort an den Schalter gehen. Hotlines stiften nur Verwirrung vor Ort und wenn man nicht rechtzeitig am Schalter steht, steht man sich eventuell stundenlang die Beine in den Bauch. Aber hey, niemals die gute Laune verlieren und ich war immerhin 24 Stunden mehr in Kanada, auch wenn diese Zeit eher verschwendete Lebenszeit war. ;)

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013.
2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.