Blogparade: Mein erstes BarCamp

Long time no Blogparade. ;)

Zu meinem ersten BarCamp bin ich eher wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. In 2009 fing ich gerade damit an, mich beruflich in Richtung Social Media/Digitale Kommunikation zu bewegen, hatte die ersten kleinen Jobs und lernte nach und nach Menschen in Hamburg kennen, die sich wie ich auch im Internet zu Hause fühlten. Bei einem Netzwerktreffen meinte dann Ralph – glaube ich zumindest – “Romy, Du musst unbedingt zum BarCamp Hamburg kommen”.

BarCamp?

Niemals zuvor gehört – wem das auch so geht, für den gibt es eine schöne Erklärung von Jan (animierte Kurzfassung):

Damals war das für mich alles #Neuland. ;) Vier Jahre später fühle ich mich zum Altinventar der Szene in Deutschland gehörend. War 2009 das BarCamp Hamburg mein erstes BarCamp und ein sehr entscheidendes (lernte ich da z.B. Hans kennen), findet nun dieses Wochenende das erste von mir mit organisierte BarCamp in Frankfurt/Main statt. Dazwischen liegen viele BarCamps, bei denen ich Gast war – allgemeine Camps, Themencamps, Camps von Kiel bis zum Bodensee.

Was ich so an BarCamps mag?

Jeder ist auf einem BarCamp willkommen, jeder kann sich einbringen, Fragen stellen und austauschen zu allem, was einen bewegt. So kann es bei allgemeinen BarCamps dazu kommen, dass man einen Yogalehrer neben einem Marketing Chef sitzen sieht und diese sich trotzdem auf Augenhöhe über gemeinsame Interessen austauschen. Uwe formulierte das in seinem Blogpost zu dieser Blogparade ganz simpel:

It’s not about titles, it’s about people.

Genau dies ist der Reiz. Heraus aus seinem normalen Umfeld andere Menschen kennenlernen, Wissen austauschen, inspiriert werden – bisher gab es noch kein BarCamp, aus dem ich ohne einen Mehrwert für mich, meine Arbeit oder meine Hobbys herausgegangen wäre. BarCamps haben meinen Horizont erweitert und sind ein stetiger Quell für Inspiration. Das war von Anfang an so und ist immer so geblieben. Angefixt auf Lebenszeit.

Das erste eigene BarCamp

Nach dem ich nun seit vier Jahren gefühlt kreuz und quer durch die Republik gefahren und geflogen bin, veranstalte ich nun mit anderen BarCampbegeisterten am Sonntag mein erstes “eigenes” BarCamp. Kein allgemeines Camp sondern ein Themencamp. Ein außergewöhnliches Thema, für den es am Anfang Spott gab: Wolle, Garn & DYI, gebündelt im YarnCamp. Doch wir können mit Fug und Recht behaupten, wir haben etwas für die komplette Szene getan. Wir sind seit Wochen ausverkauft, werden mit rund 80 Teilnehmern den ersten Laufversuch als Eintagescamp starten, mit einer tollen Gemeinschaft nicht nur um den Austragungsort Frankfurt herum und besonders freuen wir uns, dass wir ganz viele BarCampneulinge bewegen konnten, sich anzumelden. 18 Sessions sind geplant, was auch für einen ersten Gehversuch voll zu bekommen sein sollte – volle Sessionpläne sollten ein Ziel jedes BarCamps sein, meiner Meinung nach. Wir haben dazu auch ganz viele tolle Vorschläge auf mixxt, der bekanntesten BarCamporganisationsplattform, eingestellt bekommen. Und eins steht schon fest: nächstes Jahr wird es zwei volle Tage geben, wenn wir das bisherige Feedback von Teilnehmern, der Community und auch der Sponsoren betrachten.

Am Sonntag ist es nun soweit. Alle Orgamitglieder sind ganz aufgeregt, doch bei solch positivem Feedback schon im Vorfeld kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen. Ach ja, wir haben sogar Männer vor Ort. ;) Ein ganz seltener Umstand auf BarCamps, dass die Frauenquote so hoch ist. Meist sind typische BarCamps doch geprägt von Entwicklern, Social Media Menschen und Webworkern jeglicher Coleur. Wir erschließen daher einen ganz neuen Markt und “Frischfleisch” für all die anderen BarCamps. Mehr BarCamps gibt es übrigens auf barcamp-liste.de.

Negative Erfahrungen über die Zeit

Negative Erfahrungen sind immer subjektive Erfahrungen. So kann ich es einerseits verstehen, dass man mittlerweile – vor allem wegen hohen No-Show-Raten – eine geringe Schutzgebühr für BarCamps nimmt, auch wenn das auf dem ersten Blick nicht dem BarCampgedanken entspricht. Andererseits ist es persönlich als viel reisender BarCamper auf Dauer ein enormer Kostenfaktor (Anreise, Hotel + Ticket) und es gibt auch immer wieder Camps, die horrende Ticketpreise haben. Oft impliziert da zwar nur das “Camp” im Namen, dass es ein BarCamp sein soll. So ist es zumindest gelernt: Camp = BarCamp.

Doch meist ist dies eine fehlerhafte Interpretation. Camp ist kein geschützter Begriff und man kann dieses Etikett auf jede herkömmliche Konferenz oder Open Space-Format kleben. “BarCamp” ist hipp und einige versuchen, darüber Reibach zu machen. Andere ruhen sich gefühlt mit der Schutzgebühr aus, da damit ein gewisser Stock an Geld vorhanden ist, für denen keine Sponsoren gewonnen werden müssen. Warum auch aktiv werden (Vorsicht: Ironie)? Reicht doch, wenn man in Newslettern an die Community schreibt und darin die Sponsoren bittet, sich doch unter Mailadresse xyz zu melden. Das kann man sich vielleicht bei großen und alteingesessenen BarCamps erlauben, bei denen die Location sicher ist und eventuell sogar unentgeltlich gestellt wird. Das stößt mir persönlich oft einfach sauer auf, da ich weiß, wie Lutz sich um unsere Sponsoren bemüht hat und wie viel Geld wir für das “Haus des Buches” in Frankfurt bezahlen. Aber nun genug gefrotzelt. ;)

#yarncamp goes print - in der aktuellen Simply Stricken

#yarncamp goes print – in der aktuellen Simply Stricken

BarCamps verbinden – BarCamps sind Familie

Kann Lutz gar nicht genug dafür danken, wie gut er die Sponsoren betütelt hat, immer auf dem Laufenden gehalten, alle Anfragen gut dokumentiert und mit einem sehr schönen Sponsorenbriefing letztendlich eingefangen hat. Generell ist ein gutes Team bei der Organisation von Events immer wichtig. Selten hatte ich eine solch unkomplizierte Organisation, weil einfach das Team mit Sara, Rebekka und Lutz so fantastisch ist! Alle an unterschiedlichen Orten wohnend, haben wir uns über eine Facebookgruppe und Google Hangouts sowie Drive über alles auf dem Laufenden gehalten und ausgetauscht. Die Leidenschaft für das Thema BarCamp sowie Wolle, Häkeln, Stricken, Nähen, … ist einfach überwältigend groß gewesen, so dass wir nun nach knapp sechs Monaten Planung unser Baby laufen lassen werden – oder um es mit anderen Worten zu sagen: dieses BarCamp hat uns verbunden.

Generell ist jedes BarCamp für mich mittlerweile etwas wie Familie – und die kann man sich bekanntlich nicht immer aussuchen. ;) Da hat man die Alten, die Jungen, die Quängelnden, die Besserwisser, die Ruhigen, die Aufgedrehten… alles ist vertreten. Irgendwie ist auch zumeist ein harter Kern von anderen DauerbarCampern da, die man immer wieder trifft. Sie sind der Sturm in der Brandung, die auch als erstes bei der Sessionplanung stehen und ihre Sessions präsentieren. Sie nehmen so den BarCampneulingen etwas die Angst, motivieren sie und haben immer schon gute Ideen im Gepäck, auf denen sich weitere Sessions aufbauen lassen. Da man unter Gleichgesinnten ist, fällt dies dann den meisten Neulingen auch nicht schwer – schließlich ist man “in Familie”. Keine Bühne, keine “Unbekannten” (denn meist gibt es eine Vorstellungsrunde, so dass man sich zumindest formal nicht mehr fremd ist), dafür aber gute Diskussionen garantiert diese Art des Konferenz- oder eben Unkonferenzformat.

Probier auch Du es aus! 

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Danke, Uwe, dass ich durch Dich auf diese Blogparade aufmerksam geworden bin.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie bloggt seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch und über Reisen seit 2013.
2017 startete sie auch ein englisches Reiseblog.