Traditionelle Smoke Sauna in Finnland – ein Guide und Erfahrungsbericht

Vor Kurzem war ich für ein paar Tage in der Natur Finnlands unterwegs. In der Region Päijät-Häme war ich u.a. Hiken, im Hochseilgarten und Kanu fahren und abends brauchte ich dringend Erholung von so viel Outdooraktivität! Was bietet sich da in Finnland besser an, als einen anstrengenden Tag mit einer Sauna zu beenden?!

#outdoorsFinland

Was ist eine Smoke Sauna?

In der Region um Vierumäki hatte ich einen Abend die Gelegenheit mit meinen mitreisenden Bloggern eine traditionelle Smoke Sauna (Finnisch: savusauna, Deutsch: Rauchsauna) zu genießen. Es gibt viele unterschiedliche Arten von Saunen, doch die Smoke Sauna ist eine der traditionellsten Saunen. Dabei wird der Saunaraum ca. 8-10 Stunden vor Besuch der Sauna einmalig richtig angefeuert und angeheizt. Der Raum füllt sich mit Wärme und Rauch, der nicht entweichen kann, da die Smoke Sauna über keinen Abzug oder Schornstein verfügt. Ist die entsprechende Temperatur erreicht, wird das Feuer gelöscht und die Rauchklappen geöffnet, der Rauch kann entweichen. Dann ist es die richtige Zeit, sich einen Holzstuhl oder eine Unterlage zu schnappen und die Sauna zu genießen!

Warum ist die Unterlage so wichtig? Die Saunabänke sind durch den Rauch mit Ruß bedeckt und um nicht schmutzig zu werden, ist es einfach empfehlenswert, sich nicht direkt ohne eine Unterlage hinzusetzen oder gar anzulehnen. Glaubt mir, das ist einfach nicht schön, hinterher den Ruß abzurubbeln. ;)

Mein Smoke Sauna Erlebnis

Mitten im Wald war unsere Smoke Sauna mit Umkleidehäuschen und kleinem Restaurant versteckt. Die Gebäude werden als Kalliokammi bezeichnet. Kammi ist dabei ein Wort für alte Gebäude der Samen in Lappland, welche unterirdisch gebaut oder zum Teil in die Erde gebaut wurden. Kalliokammi bedeutet dann ein Kammi, welches in den Felsen gebaut wurde und es hängt wohl davon ab, wie die Gebäude mit dem Felsen eine bauliche Symbiose eingehen.

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Als wir am späten Nachmittag ankamen, war die Sauna für uns schon fertig angeheizt. Wasser, Bier und alkoholische Mixgetränke standen auch in Mengen bereit. Also ging es schnell in die gegenüberliegende Hütte zum Umziehen und rein in die Badeklamotten – keiner der Blogger traute sich nackt dem anderen gegenüber zu sitzen – und schon konnte es los gehen! Die Handtücher liessen wir wegen des Russes draußen vor der Saunahütte am Haken hängen. Jeder schnappte sich ein Getränk seiner Wahl, einen Holzhocker sowie eines der Papierunterlagen (perfletti). Dies dient – wie oben schon erwähnt –  erstens dazu, sich nicht den Hintern zu verbrennen und ist zweitens auch hygienischer. Vor allem aber schützte es vor dem Ruß.

Holzhocker und Unterlagen

Holzhocker und Unterlagen

Hinein und: Aua! Ich vollführte einen Tanz von einem Fuß auf den anderen. Alles hatte sich schon wunderbar aufgeheizt, auch der Boden. Doch wohin nur? Es ist in einer Smoke Sauna ziemlich dunkel. Nur ein paar Kerzen spendeten etwas Licht. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten und ich die Treppe und somit den Weg nach oben unters Dach der Hütte fand. 10 bis 15 Minuten angenehme Hitze, lustige Gespräche, ein paar Aufgüsse auf die aufgeheizten Steine (kiuas) und viel Trinken – das ist das Geheimnis einer guten Sauna!

Doch dann kam das Abkühlen. Das Wetter ist schon recht herbstlich-kühl gewesen und ein paar Minuten an der frischen Luft in ein Handtuch gewickelt, kühlten mich schon gut ab. Doch um den Schweiß los zu werden, gehört es einfach dazu, sich gut kalt abzuduschen. Dafür gab es vor Ort zwei Möglichkeiten: die traditionelle Variante, sich mit Wasser aus Bottichen einfach mit einem Saunalöffel abzuspülen (dazu wird kaltes und heißes Wasser in einem kleineren Bottich selbst zusammen gemischt) oder den Sprung in den angrenzenden, ca. 13 °C kalten See Mustalampi.

Im ersten Moment ist der See wirklich einladend, aber 13 °C sind es leider weniger. Gott, war das kalt! Ich bin zwar nicht reingesprungen, wie die verrückten Franzosen, aber auch ich habe mich ins kalte Nass getraut. Es gab ja eine Leiter am Steg. Es hat einige Überwindung gekostet, sage ich euch! Doch es war wirklich angenehm, wenn man aus einer 80-110 °C warmen Sauna kommt. Nach wenigen Sekunden und etwas Schwimmen merkt man auch die Kälte des Wassers nicht mehr so sehr.

Die verrückten Franzosen ;)

Die verrückten Franzosen ;)

Drei bis vier Saunagänge später waren wir dann auch alle sehr ausgehungert. Nur gut, dass es dieses kleine Restaurant am Kammi gab. Dort wurde für uns in der kleinen Hobbithöhle, wie wir den Raum liebevoll nannten, mittelalterliche Speisen angereicht. Vor allem der Nachtisch aus gefrorenen Cranberries, heißer Karamellsoße sowie flambiertem Brandy war ein Highlight. Ein gelungener Abschluss eines anstrengenden Tages. Irgendwie sollte ja jeder Tag immer mit gutem Essen und einer anständigen Sauna enden – doch wer hat schon außer den Finnen eine Sauna zu Hause. Leider doch die wenigstens von uns. :(

Warum sollte man regelmäßig in die Sauna?

Sauna ist unglaublich erfrischend und gut für den Körper – physisch und mental. Auch wenn Du meinst, Dein Kreislauf würde das nicht mitmachen oder der Arzt rät davon ab: einfach mal ausprobieren – nur Neugeborene oder Menschen mit offenen Wunden sowie akuten Herzproblemen sollten es sein lassen.

Foto: VisitFinland

Foto: VisitFinland

Vorteil: Du kannst jederzeit rausgehen, aber kenne Deine Grenzen. 15 Minuten sind keine Pflicht, 5 Minuten zum Eingewöhnen können schon völlig reichen. Normal sind 3-4 Saunagänge. Der Körper gewöhnt sich schnell dran – wie wir auch an uns selbst vor Ort merken konnten. Aber es ist eine gute Abhärtung. Der Körper wird widerstandsfähiger, was in nördlichen Ländern wie Finnland bestimmt hilfreich ist.

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Magst Du Sauna? Warum ja/nein?

Schon mal in Finnland in einer Sauna gewesen? Wie sind Deine Erfahrungen damit gewesen?

Freue mich auf eure Kommentare. 

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Vielen Dank an VisitFinland für die Einladung zu #outdoorsFinland. Meine Meinung blieb davon unberührt.

Alle meine Fotos sind auch auf Flickr zu finden und stehen in einer Auflösung bis 600 x 400px unter CC BY-SA 2.0-Lizenz zur Verfügung. Für größere Auflösungen kann eine Lizenz bei mir angefragt werden.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie ist Blogger seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch über Reisen seit 2013.
2016 startet sie auch einen englischen Reiseblog.

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