Liebe Eltern im Social Web, wir müssen reden!

Liebe Eltern da draußen im Social Web, wir müssen reden! Wir müssen reden über die Bilder eurer lieben Kleinen, die ihr öffentlich teilt. Wir müssen darüber reden, welche Pflichten ihr gegenüber euren Kindern habt.

Wir müssen reden - Cover

Liebe Eltern, warum müssen wir reden?

Ständig sehe ich Fotos von euren mehr oder weniger süßen Babies, Kleinkindern und Heranwachsenden in meinen Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram. Ihr seid stolz wie Bolle auf die Kleinen und ihre Entwicklung und wollt dies mit der Welt, euren Freunden und Familie teilen. Kann ich durchaus verstehen. Die Kleinen sind süß, unbeholfen, tollpatschig oder einfach nur herzallerliebst – doch das muss nicht jeder sehen.

Klar, ihr könnt mir jetzt sagen, dass ich das durch Entfolgen oder mit bestimmten Einstellungen ja nicht mehr zu sehen brauche. Doch das löst das Problem nicht, was ich damit habe. Vor allem auf Instagram kommen mir immer mehr Kinderfotos unter – vor allem leider auch innerhalb meiner Familie :( , von Reisebloggern, die als Familie reisen oder diejenigen, die es eigentlich besser wissen müssten: Kommunikationsberatern. Ausschlag gegeben für diesen Artikel, der euch wachrütteln soll, war aber ein Artikel über Instagram-Accounts von multikulturelle und expat Familien.

Screenshot einer Expat Familie und Kinderfotos

Screenshot einer Expat Familie und Kinderfotos

Problem 1 – die Kinder können sich nicht wehren

Ein Kind kann sich nicht wehren bzw. kann es noch nicht entscheiden, wann es fotografiert werden möchte und wann nicht. Ein Kind hat auch noch nicht die Medienkompetenz – und liebe Eltern, es ist eure Aufgabe, diese euren Kindern beizubringen! Also seid ein gutes Vorbild, bitte. – zu entscheiden, welche Fotos es von sich auf welchen Plattformen hochgeladen haben möchte. Ihr, liebe Eltern, seid also in der Verantwortung, mit den Rechten und Pflichten eurer Kinder behutsam umzugehen und als Vormund die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ihr seid diejenigen, denen der Schutz eures Kindes am Herzen liegen sollte. Verletzt also bitte nicht die Persönlichkeitsrechte eures Kindes! Dieses Recht ist unabhängig vom Alter, es steht jedem zu – nur können sich eure Babies und Kleinkinder nicht dagegen wehren! Eure Kinder stehen unter eurem Schutz, damit sich ihre Persönlichkeit ungestört entfalten kann. Macht sie also nicht schon frühzeitig zu potentiellen Opfern von Kinderpornographie und Mobbing im Internet oder hindert sie durch peinliche Bilder an einer ungestörten Entwicklung.

geändertes Coverbild, welches öffentlich auf Facebook sichtbar ist

geändertes Coverbild, welches öffentlich auf Facebook sichtbar ist

Problem 2 – viele Bilder sind öffentlich

Die Welt ist schlecht und gemein. Damit möchte ich keinem von euch Angst machen, doch es treiben sich da draußen gruselige Leute rum, die noch so harmlose Kinderfotos sammeln – siehe Fall Edathy. Und ihr, liebe Eltern, macht es den Menschen auch noch so unendlich einfach!

Niedlich sind ja die Kleinen, wenn sie spielend mit nacktem Oberkörper auf der Decke im Garten oder im Sandkasten sitzt. Doch diese Fotos sind nicht für die Öffentlichkeit geeignet. Doch selbst gestandene Kommunikationsprofis scheinen über den Stolz über den Nachwuchs hinaus zu vergessen, dass Fotos auf Instagram öffentlich und durchsuchbar sind. Andere Eltern kennen vielleicht nicht die Möglichkeiten, Fotos auf Facebook nur Freunden zugänglich zu machen. Auch sind meist Profilfotos und Header oftmals per default öffentlich sichtbar. Solche Fotos können schnell gefunden, gedownloaded und in anderen Plattformen, Gruppen und Foren wieder hochgeladen werden. Facebook-Gruppen wie „Europas schönste Teenys“ sind da noch die harmloseren möglichen Varianten der daraus resultierenden Kinderpornographie.

öffentliches Kinderbild auf Instagram

öffentliches Kinderbild auf Instagram

Problem 3 – die Spät- und juristischen Folgen

Mit dem Einstellen der Fotos ins Social Web gibt man als Elternteil ein ganz großes Stück Kontrolle über die eigenen Bilder ab. Nicht nur durch diverse Nutzungsrechte und Sharingmechanismen der diversen Social Networks und Plattformen weiß man nicht, wo ein Foto so überall landet. Auch kann man ein einmal eingestelltes Bild oder Video nie komplett aus dem Internet zu löschen. Das Internet vergisst nicht und irgendwo werden diese Fotos und Videos eventuell nach Jahren immer wieder auftauchen. Dann sind eure Kinder vielleicht gerade in der Pubertät und Peinlichkeiten werden euch pubertierende Kinder nicht so schnell verzeihen.

Solche Fotos von nackten Kindern am Strand, lustig planschend im Pool oder Kleinkindern in Windel bei den ersten Schritten können übrigens auch bald juristische Folgen haben, wenn es nach Bundesjustizminster Heiko Maas geht.

Dazu habe ich den Vater und digitalen Strategieberater Christian Henne um ein Statement gebeten:

In Zeiten sozialer, öffentlicher Kommunikation wird die persönliche Kommunikationsebene immer wichtiger. Zum einen bedeutet die Resonanz auf eigene Beiträge Selbstbestätigung. Zum zweiten schafft diese persönliche Ebene oft auch beruflich die nötige emotionale Bindung.

Ich kann nur dazu raten, die eigenen Kinder hier rauszuhalten. Es ist eine Frage von Medienkompetenz und Respekt, Fotos oder Videos der eigenen Kinder nicht oder nur sehr kontrolliert in soziale Netzwerke einzuspeisen. Ich will niemandem Angst machen, aber frei verfügbare Kinderbilder im Web haben auch etwas mit Persönlichkeitsrechten zu tun. Ich finde die Initiative der Bundesregierung, hier die Regeln etwas zu verschärfen, von daher völlig richtig. Diese Regeln noch einmal genau zu prüfen halte ich für legitim, ebenso wie das Ziel dieser Verschärfung als solches.

Darum möchte ich euch hier, liebe Eltern, einfach etwas sensibilisieren. Kinder sind nämlich nicht nur ein lustiges Fotomotiv, welche ihr stolz zeigen möchtet, sie sind Menschen mit Rechten und Pflichten und dienen nicht dazu, euer Ego und eure Social-Media-Kanäle zu puschen.

Bitte erst denken, dann posten! Euren Kindern zuliebe. 

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Gerne stehe ich als selbständiger Kommunikationsberater für den richtigen Umgang mit Fotos und auch zu Privatsphäreeinstellungen im Social Web zur Verfügung. Kontaktieren Sie mich gerne unter romy [at] snoopsmaus [dot] de.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie ist Blogger seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch über Reisen seit 2013.
2016 startet sie auch einen englischen Reiseblog.