Listicals – ein Trend, aber was ist mit #4sq-Listen? – Sessionreview #4sqcamp

Listicals sind ein andauender Trend – also Beiträge, Artikel, Blogposts in Listenform mit kurzen und leicht zu verdauenden Fakten, am Besten mit den magischen Zahlen drei und sieben oder durch fünf teilbaren Zahlen. Sie haben in fast jedem Bereich Einzug gehalten und bescheren Plattformen wie Buzzfeed ungeahnte Abruf- und Verbreitungszahlen. Doch nicht überall haben Listen Erfolg. Listen sind das ungeliebte foursquare-Feature (#4sq) vieler Nutzer in Deutschland. So recht weiß man nicht, was man damit anfangen soll. Es gibt einige Vorteile, aber so ganz ohne das #4sqcamp wäre dies einigen anderen Campern und auch mir noch immer nicht bewusst. Gibt es aber darüber hinaus auch Cases und Vorteile, die es auch für Unternehmen spannender machen würde, sich mehr mit #4sq auseinander zu setzen und aktiv(er) zu werden? Das war die Intention meiner Session im Rahmen des erwähnten #4sqcamp am Sonntagnachmittag im Dortmunder U.

Ich selbst habe erst vor Kurzem Listen für meine Interessen und mich entdeckt. Ab und zu habe ich schon vor Jahren etwas auf meiner To-Do-Liste gespeichert – sei es bewusst oder unbewusst über Tipps, die ich geliked habe. Dies ist die einzige Liste, die jeder foursquare-User zu seinem Account quasi gratis mit dazu bekommt. Bei Orten, die man auf Listen speichert – korrigiert mich, falls ich das eventuell aus der Diskussion falsch wiedergebe – und dann abgearbeitet werden, erhält man beim ersten Check-in mehr Punkte. Dies ist vor allem für die Highscore-Sammler unter den foursquare-Nutzern vielleicht nicht uninteressant. Aber auch für To-Do-Listenabhaker sind Listen ein großartiger Zeitvertreib: auch da kann man mittels Check-ins die Listen regelrecht abhaken.

abgehakter Listenpunkt auf #4sq

abgehakter Listenpunkt auf #4sq

Mittlerweile speichere ich zu verschiedenen Orten die wichtigsten Restaurants, Cafés und Sehenswürdigkeiten ab, die ich besucht habe und somit empfehlen kann. Auch habe ich eine Liste für Hotels angefangen, da ich ab und zu doch gefragt werde, welches Hotel ich an einem bestimmten Ort empfehlen kann. Außerdem versuche ich nun auch immer zu den gespeicherten Orten Tipps zu hinterlassen, um Wissen weiterzugeben. Vor allem für Reiseplanungen und Reisenachbearbeitung, z.B. für Blogposts können Listen hilfreich sein. Man wird ja schließlich auch nicht jünger. ;) Daniel plant so seinen London und Brighton Urlaub 2014 zusammen mit einem Freund – denn Listen beinhalten die Möglichkeit, durch mehrere Accounts bearbeitet werden zu können.

Des weiteren können Listen ein gutes Mittel sein, einen Case für sein Blog zu kreieren, den Blog und die Listen quer zu verlinken. Ein Beispiel, bei dem mir das das erste Mal bewusst aufgefallen ist und wo die Bloggerin auch zu mir meinte, ich sollte ruhig mehr mit Listen arbeiten, ist Nicole von Bitten by the Travel Bug. Wir haben uns letzten Mai in Kanada kennengelernt und sie hat mir auch in der Vorbereitung der Session einem Beispielblogpost ausgeholfen sowie einem anderen Beispiel im Bereich Travel. Doch erst einmal zu Nicole. Sie schreibt ab und zu sehr ausführliche City Guides (z.B. für New York), die ähnlich einem Reiseführer durch die entsprechende Stadt führen. Dort gibt sie Tipps zu verschiedenen Preiskategorien von Hotels/Hostels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten. Zusätzlich stellt sie eine Liste auf foursquare zur Verfügung, die quasi den Blogpost mobil in der App abbildet. Unter dem Beitrag findet man prominent einen Hinweis auf die #4sq-Liste, innerhalb der Liste gibt es einen Link zum City Guide. Swen gab dabei den Hinweis, in die Beschreibung auch ein Aktualisierungsdatum hinzuzufügen. So erhält ein Interessent die Information, dass die Liste gepflegt wird und wann die letzte Aktualisierung vorgenommen wurde.

Ein weiteres Beispiel ist „Travels of Adam“, ein amerikanischer Travel Blogger aus Berlin, der Hipsterlocations zu Listen hinzufügt. Für manche ein Grund, diese Locations zu meiden – aber vielleicht doch der Liste zu folgen, um zu wissen, wo man eben nicht hingehen sollte. Die Möglichkeit, Listen zu nutzen, ist also in diesem Bereich schon sehr vielfältig.

Wer viel unterwegs ist, der ist bestimmt auch immer sehr dankbar über kostenfreies WiFi – auch da gibt es fleißige foursquare-User, die Listen zur Verfügung stellen. Oder packt Dich gerade ein kleines Hüngerchen? Daniel hat für diesen Fall eine sehr schöne Liste mit Dinern in Deutschland angelegt – wenn es mal nicht die üblichen Großketten sein sollen (und auf seiner Liste über API Calls und mit Google Maps visualisiert). Ebenso finden Kunstinteressierte Listen wie „Museen in Hessen“ oder die „UNESCO Weltkulturerbe“-Liste für Deutschland. Auch der #4sqcamp-Sponsor allesfoursquare.de hat Listen für die Frühstücks- sowie Abendgestaltung für Camper angelegt, so dass man als vielleicht Ortsunkundiger schon eine vertrauensvolle Vorauswahl an die Hand bekam. Ein netter Service, der sich bei anderen Barcamps hoffentlich fortsetzt.

Die dieses Wochenende viel angepriesenen Superuser nutzen zum Teil auch Listen für die Arbeit als Superuser. Swen nannte das die „langweiligen“ Listen. So führt er eine Liste für doppelte Locations. Für mich als Neuling in der Stadt sind übrigens Listen wie „Dortmund must visits“ sehr hilfreich und helfen mir, mich in der Stadt besser zurecht zu finden.

Natürlich gibt es auch eher sinnlose Listen, wie die „Places on Mars“-Liste der NASA. Orte, an denen sich womöglich nur Curiosity und Jadehase batteln werden, wie Sascha auf Twitter anmerkte.

Doch da steckt das Potential für Firmen. Die NASA bedient ihre Zielgruppe mit witzigen Ideen und Badges. Ab und zu sind nämlich Listen mit Spezialbadges gekoppelt, bei dem man der Seite der Firma folgen muss sowie bestimmte Orte auf der Liste abarbeiten muss, um an diesen Badge zu bekommen. Auch die Lufthansa experimentierte 2011 mit diesen Badges und Listen herum. So bekam ich z.B. den Oktoberfestbadge 2011, für den Eurovision Song Contest gab es ebenfalls 2011 ein solches Spezialbadge. Für die Badgehunter ein gefundenes Fressen, sich mehr mit Marken und Listen auseinander zu setzen. Für Städtebadges (foursquare cities) stellt #4sq selbst Listen zur Verfügung, z.B. für Istanbul. Dort finden sich auch die Kriterien für den Erhalt des Badges.

Doch in Amerika ist es ein Leichtes für Firmen, mit Listen nicht nur Badgehunter an sich zu binden. Dort ist foursquare ähnlich beliebt wie Facebook und Twitter, in Deutschland ist die foursquare-Plattform eher „die Nische der Nische“ (OH beim #4sqcamp). In Deutschland scheint es daher eher erstmal die Aufgabe von Usern und Firmen zu sein, mehr Nutzer für foursquare zu begeistern – was zumeist mit der Datenschutzdebatte zum Scheitern verurteilt ist.

Wenn wir also mehr User von Location Based Services überzeugen können, dann könnte es auch für Firmen interessanter werden, dort vertreten zu sein. Dies heißt aber auch noch nicht automatisch, dass Listen auch interessanter werden. Warum sollte man einer Firmenfilialenliste folgen? Badges werden sich die wenigsten Firmen leisten können, um diese mit Listen zu koppeln. Quo Vadis, foursquare?

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Dies konnten wir leider nicht abschließend klären. Vielleicht habt ihr noch Ideen?

Vielen Dank an die Organisatoren des #4sqcamps und die Sponsoren, die dies möglich machten.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie ist Blogger seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch über Reisen seit 2013.
2016 startet sie auch einen englischen Reiseblog.

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