Pseudoshitstorm zum Huffington Post Start in Deutschland

Shitstorm. Pseudoshitstorm. Laues Lüftchen. Vielleicht purer Neid, selbst nicht gefragt worden zu sein?

In meiner Social Media Filterbubble ging heute ein Anschreiben eines Huffington Post Redakteurs herum, welches eine Anfrage an einen Blogger enthielt. Da die Deutsche Huffington Post (in Kooperation mit Tomorrow Focus) am 10.10. an den Start geht, werden Blogger gesucht, die für die HuffPo schreiben wollen. Das Prinzip der seit 2005 in Amerika existierenden Onlinezeitung von Arianna Huffington ist dabei, dass die Blogger Inhalte kostenlos liefern. Das ist seit langem bekannt, trotzdem ist es heute der Stein des Anstosses.

Logo der (deutschen) Huffington Post

Warum? 

In Deutschland kämpfen viele Blogger darum, dass man für seine Inhalte Geld bekommt. Vor allem Links tauschen und Gastbeiträge (sponsored posts) werden oft von kleinen und größeren Firmen unentgeltlich bei Bloggern angefragt. Nun kommt ein Onlinemagazin, eine Onlinezeitung daher, mit einer großen Medienpartner im Nacken und will nichts zahlen? Ja, das ist so. Das ist das Prinzip und es funktioniert sehr erfolgreich seit nun acht Jahren.

Darüber kann man sich aufregen, muss man aber nicht.

Allgemeine Fakten

Die Huffington Post hat weltweit ca. 77 Mio. Zugriffe in einem Monat! Eine Reichweite, die nicht unerheblich ist und kaum ein anderes Medium erreicht – Gegenargument: ein Großteil der Zugriffe erfolgt auf die amerikanische HuffPo (ca. 48 Mio.). Außerdem verfügt sie über einen guten Ruf, vor allem im Ausland. Wer Kooperationen mit ausländischen Marken, Brands und Firmen anstrebt, sollte sich daher meiner Meinung nach diese Chance nicht entgehen lassen. Durch Reichweite und Ruf sowie Anknüpfung an klassische Medien über den Kooperationspartner und dessen Netzwerk innerhalb des Burdakonzerns kann ein guter, wenn auch kostenlos geschriebener Blogpost Aufmerksamkeit erregen. Wie oft haben sich mir unverhofft durch Zufall oder spontane Hangouts Möglichkeiten ergeben, die ich mit „nur gegen Geld“-Aktionen nie ergeben hätten?

So war ich Dank eines spontanen Hangouts mit dem Digitalen Quartett auf einer Podiumsdiskussion in Moskau oder heute durfte ich eine Keynote zu „Social Business“ im wunderschönen Warnemünde halten, weil ich einem mir völlig Unbekannten ein Hangoutinterview zu Social Media Guidelines gegeben habe. Durch einen Zufall kam ich auch an meine Kooperationen mit der kanadischen Tourismusbehörde.

Wo ist euer Pioniergeist?

Wo ist bei euch der kindliche Geist geblieben, neue Dinge zu entdecken, offen zu sein für Neues, Dinge einfach mal auszuprobieren? Man verpflichtet sich dabei doch nicht auf Jahre! Oder ist es einfach der pure Neid, dass manche Blogger nicht gefragt wurden? Nicht jeder hat ein hochspezialisiertes Nischenthema, nicht jeder ist vielleicht auf dem Radar der Redakteure, doch es ist bekannt, wer Blog Editor und Chefredakteur ist. Irgendwer kennt immer irgendwen, den man dazu ansprechen kann und der einen Kontakt ermöglicht. Doch das moralinsaure Getue und Genörgele nervt mich nur und fühlt sich für mich mal wieder „typisch Deutsch“ an. Wenn ihr dabei sein wollt: tut was! Wenn ihr die HuffPo jetzt schon auf Englisch lest, dann fragt euch: warum mache in Deutschland auf ein Mal so einen Aufriss? Das Prinzip ist seit Langem bekannt. Werdet ihr deshalb auf Informationen verzichten und die HuffPo boykottieren?

Warum ich für die HuffPo bloggen werde?

Für mich war klar, ich werde dafür bloggen (Anmerkung: ich habe keine solche eine Mail bekommen, der Redakteur ist mir auch nicht bekannt). Reichweite, Möglichkeiten und vor allem der gute Ruf außerhalb von Deutschland sind Gründe für mich genug. Ich darf mit dem Logo und der Tatsache, für die Huffington Post zu schreiben, hausieren gehen und so für mich neue Kooperationen erschließen. Vor allem im Bereich Travel, für den ich bei der Huffington Post schreiben werde, ist es wichtig, Destinationen, Airlines, Hotels und Tourism Boards von sich zu überzeugen. Die Huffington Post als Referenz dabei angeben zu können, ist schon jetzt Gold wert! Das Ansehen des mittlerweile mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Blogs ist hoch und warum davon nicht auch profitieren?! Wenn es nicht klappt, dann kann ich immer noch aufhören. Die Referenz wird aber immer bleiben.

Des weiteren gibt es bei anderen Onlinemedien für Veröffentlichungen auch meist nur ein Logo zum Einbinden als Referenz, eine nette Dankesmail und vielleicht noch ein Autorenprofil auf deren Seite. Außerdem: welches Onlinemagazin kann den weltweiten Ruf und Akzeptanz vorweisen? In Deutschland: keines.

Fazit: ich werde für die Huffington Post ab dem 10.10. schreiben. Wie das jeder andere Blogger handhabt, sei ihm überlassen.

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P.S.: Meine Eitelkeit wird auch bedient – wenn ich für die Huffington Post schreibe, dann reihe ich mich neben Alex Baldwin und John Cusack als Schreiber/Blogger ein. ;)

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie ist Blogger seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch über Reisen seit 2013.
2016 startet sie auch einen englischen Reiseblog.

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