BAW und Facebook-Gewinnspiele – wenn „Profis“ das Falsche empfehlen #rant

Heute scheint der Tag der Rants zu sein (und ich stimme Gilly übrigens 100%-ig zu) und auch meinen Rant trage ich schon seit etwas mehr als zwei Wochen mit mir herum.

In einer Facebookgruppe hatten wir Mitte April eine interessante Diskussion zum Thema Gewinnspiele auf Facebook und wie man die umsetzen könnte, welche Bedingungen man reinschreiben könnte, etc. pp.
Im Laufe der Diskussion kamen wir auf ein Gewinnspiel zu sprechen, dass von einer Bekannten einer Diskutierenden (nennen wir sie B.) veranstaltet wurde. B. hat die Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass das Gewinnspiel so nicht den Richtlinien von Facebook entspricht. Sie meinte es gut mit ihr, doch zurück kam nur, dass das Gewinnspiel völlig in Ordnung gehe, man hätte es mit einer Marketing Akademie abgeklärt.

Auf Nachfrage handelte es sich um die BAW (Bayrische Akademie für Werbung und Marketing), an der ich auch einige Dozenten kenne. Es schockte mich zutiefst, dass man dieses Gewinnspiel durchgehen ließ und es auch noch für akzeptabel und durchaus rechtens erklärte!

Gewinnspiel entspricht nicht den Promotion Guidelines von FB

Gewinnspiel entspricht nicht den Promotion Guidelines von FB

Dabei sind die Facebook Promotion Guidelines eindeutig! Für die „Profis“ der BAW erkläre ich aber gleich noch mal ausführlich, dass an dieser Stelle schlichtweg BULLSHIT verkauft wurde und der Admin nicht mehr klar mit sich reden ließ!

Dieses Totschlagargument bezüglich „Profis“ wurde vom Admin an B. geschrieben: „Danke, haben wir bei der BAW von den Profis checken lassen.“ – NEIN! Ihr seid keine Profis! Darum halte ich von solchen „Fortbildungsangeboten“ im Bereich Social Media immer weniger und weniger. Man kann Social Media nicht einfach mal im Vorbeigehen lernen – Wochenendseminare, Zertifikat und fertig?! Lebt Social Media, setzt euch mit den Portalen und der Kultur auseinander – aber AKADEMIEN UND CO. SIND EINFACH NUR MÜLL!!

Dies sind die Facebook Promotion Guidelines:

Facebook Promotion Guidelines, Screenshot (Stand: 29.04.2013)

Facebook Promotion Guidelines, Screenshot (Stand: 29.04.2013)

Punkt i.: Promotions auf Facebook sind im Rahmen der Anwendungen auf facebook.com zu organisieren, entweder auf einer Canvasseite oder in einer Seiten-Anwendung.

Alle Promotions/Gewinnspiele sind in Apps zu veranstalten. Da gibt es schon in Punkt i. nichts dran zu ruckeln, dass alle Gewinnspiele auf Pinnwänden – seien es Foto- oder Textstatusupdates – schlichtweg nicht zulässig sind! Teaser zu den Apps sind dabei durchaus zulässig.

Apps sind auf Facebook meist nicht als externe Angebote wahrzunehmen, da diese als iFrames in den Rahmen von Facebook eingebunden werden. Dort kann man dann auch Teilnahmebedingungen und Datenschutzbestimmungen hinterlegen, die man laut Deutschen Wettbewerbsrichtlinien (man möge mir hier die juristische Ungenauigkeit verzeihen – bin kein Jurist und weiß nicht 100%-ig, wie das genau heißt) braucht.

Es gibt genügend preiswerte und kostenlose Baukastenlösungen für solche Zwecke, es muss nicht unbedingt ein Entwickler angestellt werden!

Punkt ii.: Promotions auf Facebook müssen folgende Elemente enthalten:

a.    Eine vollständige Freistellung von Facebook von jedem Teilnehmer.
b.    Anerkennung, dass die Promotion in keiner Verbindung zu Facebook steht und in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert wird.
c.    Offenlegung, dass der Teilnehmer die Informationen [dem/den Empfänger(n) der Informationen] und nicht Facebook bereitstellt.

Damit nimmt sich Facebook rechtlich aus der Haftung. Einfacher Passus, sehe ich oben bei dem „BAW-approved“-Gewinnspiel auch nicht. Was ist daran so schwer? Am Besten macht man das mit Teilnahmebedingungen, die man anhaken muss (Checkbox).

Punkt iii.: Du darfst die Registrierung für bzw. die Teilnahme an eine/r Promotion für Nutzer nicht davon abhängig machen, dass sie durch die Nutzung von Facebook-Funktionen eine Handlung durchführen – außer durch die „Gefällt mir“-Angabe auf einer Seite, das Besuchen eines Ortes auf Facebook oder das Verbinden mit deiner Anwendung. Beispielsweise darfst du für die Registrierung bzw. Teilnahme nicht zur Bedingung machen, dass dem Nutzer ein Pinnwandeintrag gefällt bzw. der Nutzer ein Foto kommentiert oder ein Foto an einer Pinnwand postet.

Hier steht nun wirklich ganz klar, dass jegliche Facebook-Funktionen wie Likes, Kommentare oder Fotos posten absolut nicht zulässig sind für eine Teilnahme! Liebe BAW, was ist daran nicht zu verstehen?!

Zulässig bei Apps ist das sogenannte Fan-Gate, welches man in Apps einbauen kann, um nur den Fans der Seite die Teilnahme am Gewinnspiel zu ermöglichen. Die Teilnahme nur auf Fans einer Seite zu beschränken, ist also absolut zulässig (ebenso Einchecken in einem Ort bzw. Verbinden mit einer Anwendung/App.), Likes auf ein Posting/Foto/Video, Kommentare, Teilen/Shares, auf Foto taggen, usw. eben nicht!

Punkt iv.: Du darfst keine Facebook-Funktionen als Registrierungs-/Einstiegsmechanismen für die Promotion verwenden. Beispielsweise darf das Anklicken von „Gefällt mir“ auf einer Seite bzw. der Besuch eines Ortes nicht zur automatischen Registrierung bzw. Teilnahme eines Teilnehmers an einer Promotion führen.

Fans einer Seite dürfen aber nicht automatisch an einem Gewinnspiel teilnehmen, nur weil sie Fans einer Seite sind oder sich gerade an einem bestimmten Ort eingecheckt haben. Die Teilnehmer eines Gewinnspiels müssen sich also immer pro-aktiv beteiligen und teilnehmen wollen. Ohne Einwilligung sind also Gewinnspiele nicht durchzuführen.

Punkt v.: Du darfst keine Facebook-Funktionen – wie z. B. die „Gefällt mir“-Schaltfläche – zur Abstimmung über eine Promotion verwenden.

Sprich: Votings mittels „Gefällt mir“/Like-Button und andere Social Plugins sind nicht zulässig. Alle anderen Funktionen von Facebook auch nicht. Ist doch ganz einfach…

Punkt vi.: Du darfst die Gewinner nicht über Facebook benachrichtigen, wie z. B. über Facebook-Nachrichten, -Chat oder -Beiträge in Profilen (Chroniken) bzw. auf Facebook-Seiten.

1. Als Seite besteht gar nicht die Möglichkeit, Privatpersonen direkt anzuschreiben.

2. Nach deutschem Wettbewerbsdings dürfen Privatpersonen auch nicht ohne Einwilligung angeschrieben werden!

3. Gewinner – wenn geht noch mit vollem Namen – im Status zu nennen ist auch datenschutzrechtlich mal mehr als Grauzone!

Ergo: Immer in den Apps E-Mailadresse abfragen (entweder über App-Zugriff auf die bei FB hinterlegte E-Mailadresse oder mit Freifeld und angeschlossener Datenbank) und darüber benachrichtigen!

Alles nicht so schwer, oder? Für die BAW wohl schon… und leider für viele (unwissende?) Community Manager auch. 

Wir sind alle nur zu Gast auf Facebook. Facebook ist ein Unternehmen mit AGB und Richtlinien, an die man sich halten sollte. Denn Gäste können jederzeit bei Verstößen gegen die Hausordnung vor die Tür gesetzt werden. Das passiert ohne Vorwarnung und bei größeren Seiten ist schon viel Zeit und somit auch viel Geld in die Seite geflossen. Muss man daher unbedingt solche Risiken fahren, nur weil sogenannte „Profis“ einen falsch beraten und man selber nicht mal etwas Zeit für eine Recherche investiert? Springt auch ihr von der Brücke, wenn der Profi sagt „Spring!“? NEIN!! Also fangt endlich an zu denken und nach gesundem Menschenverstand zu handeln, wenn Menschen auf euch zukommen und euch helfend beraten! Für lau, so wie B.

Weitere Richtlinien von Facebook – z.B. auch den markenrechtlich sicheren Umgang mit dem Facebook-Logo – gibt es natürlich auch online: https://www.facebook.com/policies

Ausführlicher beschreibt der Schweizer Kollege Thomas Hutter zulässige und unzulässige Facebook Gewinnspiele in seinem renommierten Blog.

Edit:

Wie es weiter ging: Teil 1 „Nachtrag zum Rant: Die BAW hat sich gemeldet“ und Teil 2 „Statement der BAW – Rückmeldung nach Nachforschung zu meinem Blogpost“

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