Warum Mutti nicht twittern muss

Gestern erschienen sowohl im SPON als auch in der Frankfurter Rundschau (auf die ich aus LSR-Gründen nicht verlinke, aber hier schreibt die Autorin einen guten Blogpost zum Thema) zwei Artikel, welche Politiker twittern und dass Angela Merkel dies nicht tut und auch im anstehenden Wahlkampf nicht tun wird.

Gefühlt sei ja jeder Politiker ab diesem Jahr auf Twitter, zumindest jeder wichtige Staats- und Regierungschef. Man könne ja wunderbar viel damit erreichen, so z.B. den Tweet mit den meisten RTs (Re-Tweets), wie Barack Obama eindrucksvoll nach seiner Wiederwahl Anfang November 2012 bewies.

Warum also nicht Angela Merkel? Warum nicht Mutti?

Die gefühlte Empörung, als sie ankündigte, nicht twittern zu wollen, ist mir einfach unverständlich. Nicht jedem liegt Twitter (vielleicht hat Twitter in Deutschland deshalb auch nur ca. 800.000 aktive Accounts) und es sollte nicht aus wahlkampftaktischen Spielchen einer Person aufgezwungen werden. Die Botschaften der Regierung und auch der Kanzlerin präsentiert Steffen Seibert sehr gut in 140 Zeichen auf „seinem“ Account des Regierungssprechers @RegSprecher. Es ist also nicht nötig, dass eine Frau, der diese Art von Kommunikation vielleicht gar nicht liegt, die dafür vielleicht keine Zeit oder gar Lust hat, von diesem Medium zu überzeugen. Sie schreibt vielleicht immer noch nach wie vor lieber SMS.

Wem Twitter einfach nicht liegt, der sollte sich auch damit nicht rumquälen. Das wirkt immer gestellt, gequält, verrenkt, unehrlich. Solche Art von Kommunikation mag ich persönlich einfach nicht. Ganz zu Schweigen von der unnötigen Angriffsfläche, die sich damit böte. Angela Merkel regiert eines der flächenmäßig größten Länder in Europa, mit den meisten Einwohnern und der Zeitplan wird zum Bersten voll sein – es gibt einfach Wichtigeres auf der Agenda. Außerdem halte ich sie für eine ziemlich pragmatische und durchstrukturierte Person, da mag Twitter für mich irgendwie nicht dazu passen.

Vielleicht wird sich das in der Zukunft ändern und sie wird uns alle überraschen. Hoffentlich wird das aber nicht so ein Reinfall wie bei Hannelore Kraft, deren Account direkt nach der Wahl zu verwaisen drohte. Das ist alles Wahlkampfshow gewesen und erzeugt hinterher nur Unmut bei den netzaffineren Wählern. Das hat Angela Merkel einfach nicht nötig. Das hat auch Social Media nicht nötig. Twitter würde sich sicherlich freuen, wenn die Kanzlerin den Microbloggingdienst nutzen würde. Was für eine PR! Doch man sollte den Menschen und seine Art der Kommunikation nicht außen vor lassen.

Romy (*1981) hat ihre Heimatbasis in der Ruhrmetropole Dortmund, Deutschland und arbeitet als Blogger und Freelancer im Bereich Social Media und Community Management.

Sie ist Blogger seit 2006.
Sie bloggt auf Deutsch über Reisen seit 2013.
2016 startet sie auch einen englischen Reiseblog.

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