Langsam werdet ihr sicherlich schon ungeduldig. Wo verschlägt es mich wohl beruflich hin verschlägt?! Fange wir vorne an.

Nach dem ich im Juni bekannt gab, dass ich wieder auf dem Berufsmarkt bin, ging es ziemlich heiß her in meinem Leben. Die ersten Wochen kam ich kaum zum Ausschlafen, Dinge ordnen oder mal einfach Freizeit genießen. Es kam so viel an Hilfe aus meinem Netzwerk, so viele direkte Anfragen zu Vorstellungsgesprächen und mein Lebenslauf wurde ständig angefordert – vor lauter Reisen und Nachrichten schreiben kam ich zu nichts anderem mehr. Es war überwältigend und ich danke allen ganz herzlich, die ihren Teil dazu beigetragen haben!

Am 25. Juni erreichte mich dann eine völlig überraschende Mail aus einem Unternehmen. Man bewarb sich aufgrund meines Blogpostes bei mir. Ein Unternehmen bewarb sich bei mir!
Mein zukünftiger Kollege folgte mir wohl schon länger auf Twitter, sah meinen Blogpost und reichte ihn an seine Vorgesetzte und auch nun meine zukünftige Chefin weiter. Von Anfang an war ich begeistert von dieser Mail, denn sie war ehrlich geschrieben, mit Vor- aber auch Nachteilen gespickt. Aber Unternehmen? War ich schon bereit zu wechseln? Passe ich in ein Unternehmen?

Aber folgender Passus überzeugte mich schon sehr:

Ein Web-Team sucht Dich:

neugierig, interessiert, offen, kreativ, kontrovers, innovativ, initiativ,
authentisch, leidenschaftlich, visionär, strategisch,
gestalterisch, extrovertiert, motiviert, mutig, sympathisch, global
denkend, humorvoll.

Du bist ein Spinner, ein Teamplayer, ein Kopfschüttler, der dann die Themen
in die Hand nimmt, ein Macher der auch einmal Nein sagt.

Irgendwie passte es wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge. Also telefonierten wir, trafen uns, hatten lange und lustige Gespräche und irgendwann waren wir uns einig. Doch Unternehmen haben so ihren eigenen Zeitrahmen. Ein Termin mit dem übergeordneten Chef, interne Ausschreibung überstehen, Betriebsrat muss zustimmen – und das alles in der Ferienzeit. Es zog sich also hin und als frühester Termin wurde mit der 15.09.  genannt, mit dem ich auch einverstanden war (bis ich mich für die Kanada Bloggertour entschied, das steht aber bald in einem anderen Beitrag). Schließlich ist es nun der 01.10. geworden.

Hoffentlich ist der Kaffee gut

Lange Zeit tat ich mich schon schwer mit der Entscheidung. Unternehmen sind meist starre Konstrukte, haben altbackene Hierarchien und Regeln, wenig flexibel, wenig modern, wenig Social Media affin. Und die Angebote anderer Unternehmen waren auch sehr verlockend. So war ich bei mehreren Start-ups, die mich gerne genommen hätten. Eins im schönen Wiesbaden sagte mir besonders zu. Dort fühlte ich mich sofort zu Hause und willkommen, meine Arbeit wurde wertgeschätzt und wir hatten ähnliche Vorstellungen und Werte. Doch bei all den Angeboten, die ich außerhalb von Hamburg erhielt, hatte ich immer ein Problem: meine supergünstige und lieb gewonnene, kleine Wohnung. Es ist eine Wohnungsbaugenossenschaftswohnung am Rande von Eimsbüttel. An jedem anderen Ort hätte ich mehr Miete zahlen müssen – jede angebotene Gehaltssteigerung hätten diese Mehrkosten sofort aufgefressen, mal abgesehen von Mietkaution, Umzugs- und Renovierungskosten. Es ging vorne und hinten nicht auf.

Und dann machte mir auch noch das Unternehmen ein unschlagbares Angebot – auch wenn es nicht immer auf das Geld ankommt. Es passte ja auch so zwischen den zukünftigen Kollegen und mir:

  • 38 h/Woche
  • 30 Tage Urlaub
  • bezahlte Überstunden
  • Anerkennung meiner Arbeit ab MySpace-Zeiten (Berufsbeginn wurde auf 01.03.2007 datiert!)
  • Sozialleistungen

usw.

Doch der Hammer war, dass ich eine Zahl nannte und eine nicht unerhebliche Summe oben drauf gelegt wurde, eben weil mein Berufsbeginn von meiner nebenberuflichen Selbständigkeit aus anerkannt wurde und ich somit mit einem Schlag 3 Jahre mehr Berufserfahrung auf dem Zettel habe – und so bleiben uns nächstes Jahr auch leidige Gehaltsverhandlungen erspart. ;)

Leider musste ich ganz vielen wunderbaren Arbeitgebern absagen. Danke aber allen für ihr Interesse und ihre Angebote, aber ich habe mich nun mal irgendwann entscheiden müssen. Google war übrigens lange in der Auswahl, aber sie führen zu der Stelle immer noch Gespräche und man konnte mir nicht sagen, wann sie sich nach all der Zeit, den vielen Gesprächen nun für oder gegen einen entscheiden und ab wann die Stelle besetzt wird. Es wäre eine tolle Chance gewesen, leider wäre die ausgeschriebene Community Manager Stelle bei Google nur zeitlich befristet (max 11 Monate) und über eine Zeitarbeitsfirma. Alles ein großer Unsicherheitsfaktor, das Angebot meines zukünftigen Arbeitgebers nicht anzunehmen und auf Google zu hoffen.

Sorry, Google. Es wäre schön gewesen.

Vielleicht werde ich dies eines Tages bereuen, vielleicht aber auch nicht. You’ll never know! Ich bin mit meiner Entscheidung bisher sehr glücklich und freue mich auf meine Stelle zum 01.10.2012 als Social Media Specialist bei der Generali Deutschland Informatik Services GmbH in Hamburg (offiziell nennt es sich Mitarbeiter in der Systementwicklung in der Abteilung Vertriebsysteme Generali und BI, Gruppe Online Medien bei der General Deutschland Informatik Services GmbH am Standort Hamburg).

Es ist also ein Versicherungsunternehmen und ja, ich werde nicht aktiv Communitys oder Profile betreuen, sondern es wird sich hauptsächlich um die operative und strategische Beratung im Bereich Social Media im Generali Konzern drehen. Beratung und Weiterbildung also in Bezug auf Strategie, Communitys, Monitoring, aber auch Agenturen. Es wird also spannend, für beide Seiten. ;)

Nun ist es also raus, der Vertrag in der Post und ich hab endlich meine Ruhe vor euren Nachfragen!

„Lust einen Konzern auf den Kopf zu stellen?“ – Auf jeden Fall!

Ich bleibe Hamburg erhalten.

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