Review eines BarCamp-Freitags – BarCamp Kiel

Kiel ist jetzt nicht gerade die schönste Stadt auf Erden, aber doch ganz nett, wenn das Wetter hält. Außerdem liegt es nicht so weit von Hamburg entfernt, so dass ich es immer schön finde, dass es im “Sommer” (reden wir dieses Jahr mal besser nicht von) ein BarCamp hier gibt und ich früh hin- und abends zurückfahren kann.

Shirt des BarCamps Kiel 2012

Shirt des BarCamps Kiel 2012

Nach dem Samstag letztes Jahr habe ich mich deshalb kurzfristig doch noch für den Freitag diesen Jahres entschieden – vor allem auch, weil das BarCamp letztes Jahr sehr kuschelig war und einfach auch Spaß machte. Dieses Jahr bin ich aber enttäuscht. Zwar ist das Ticketsystem grundlegend überarbeitet worden und man konnte das Wiki bei der Anmeldung dieses Mal auch ohne Probleme nutzen (das BarCamp Kiel ist eines der wenigen BarCamps, die explizit nicht mixxt nutzen), aber die Orga vor Ort war dieses Jahr sehr enttäuschend.

Es ist bei 150-200 Leuten allgemein sehr schwierig, überhaupt alle Teilnehmer auf einem Fleck stehen zu lassen, so dass sich alle sehen – dies gibt das Wissenschaftszentrum in Kiel leider auch nicht her – so stand man in einem L, aber dann kam für mich ein kleiner BarCamp Kulturschock – Vorstellungsrunde und gleichzeitig Sessionplanung? Wer weiter hinten stand, hatte bei der Sessionplanung schon mal keine Chance, seine Session auf’s Board zu bekommen. Außerdem gab es keine wirkliche Erklärung für die Newbies und viele pitchten in der Vorstellung (mal abgesehen von den üblichen überflüssigen Floskeln wie “Mein Name ist … und meine Tags sind …”). Statt Name und 3 Tags in einem 10 s-Modus, bei dem man schnell durch gewesen wäre und dies eine normale Sessionplanung möglich gemacht hätte, musste man sich ellenlange Vorstellung der Firmen, Namen und Jobbeschreibungen anhören und worum es in der Session gehen soll. Kein Wunder, dass manche sich absetzen und sich gar nicht erst vorstellten (inklusive mir). Selten habe ich so wenig von einer Vorstellungsrunde und/oder Sessionplanung mitgenommen. Langes Stehen am Sessionboard war da leider vorprogrammiert.

Die erste Session hatte ich leider aus beruflichen Projektabsprachegründen (soll ja mal vorkommen, dass man an einem Freitag auch arbeitet ;) ) ausfallen lassen, doch 2 Sessions vor dem Mittagessen reichten auch fürs Erste. Mein Schlaf- und Kaffeemangel hätte eh nicht mehr zugelassen. Dafür war die Qualität der Sessions recht gut – Spambekämpfung in Blogs ohne Captcha war zwar doch leicht IT-lastig, so dass ich gedanklich an mancher Stelle ausgestiegen bin, aber sehr informativ. Welche Tools und Möglichkeiten es noch gibt, Spam abzufangen – völlig neue Welt für mich. Die Tools hat der Redner auch gut erklärt, so dass ich da doch einiges für dies kleine Blog mitnehmen konnte. Außerdem nahm ich an der Aufzeichnung des Jura Funk Podcasts teil zum Thema “Pöbeln auf Facebook” – sehr spannend, witzig und informativ.

Beim Mittag gingen leider die Probleme weiter – erst 13 Uhr angesetzt, dann 14 Uhr, dann wieder 13 Uhr, dann doch 14 Uhr. Man konnte sich irgendwie nicht entscheiden, es kam zu Verwirrungen und manch verpasste Session. Das Essen war dann auch schon 13:30 Uhr da und diejenigen, die 14 Uhr aus der Session strömten, hatten das Nachsehen am Buffet. Dies war nämlich dann schon so gut wie leer. Ersatz dauerte, frustrierte und hungrige Gesichter war das Resultat. Wenigstens scheinen die Getränke dieses Jahr zu reichen. ;)

Der Planer des Wissenschaftszentrum sollte übrigens nachträglich mit einer Strafe belegt werden! Steckdosen sind mehr als nur Mangelware (aber die Orga hat hier einige Mehrfachsteckdosen in den Räumen verteilt, Lob dafür!). Endlich eine gefunden, gibt man die nicht so schnell auf und schwupps saß ich dann in einer HTML 5-Session (ist jetzt auch nicht so ganz das Verkehrteste, darüber etwas zu wissen) und nun in einer Git/Github-Session – beides wirklich verständlich und gute Sessions, so weit ich das beurteilen kann. Die Sprecherin der HTML 5-Session hielt damit übrigens ihre erste Session, fightete anfangs mit Technikproblemen und war offensichtlich nervös – aber ihr Thema brachte sie trotz kritischer Nachfragen gut an den Mann. Inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen, aber muss ja auch nicht.

Schlecht hingegen – weil es halt auch mein Themenfeld betraf – fand ich die Session “Social Media im Unternehmen”. So ganz klar war das Ziel nicht. Ging es um Handlungsempfehlungen aus der eigenen Strategie? War es reine Werbung? Bettelte man nur um die Likes für die Seite (aktuell 285)? Irgendwie war es wohl alles und das aber zum Teil mit Aussagen, die ich höchst unseriös fand und die ich keinem (größeren) Unternehmen empfehlen würde. Die Folien waren aber schön vorbereitet und die Sprecher waren sehr selbstbewusst. Tröstete leider nicht darüber hinweg, dass man hier auf Like-Fang war, denn für Unternehmensvertreter bot sich da aus meiner Sicht kein Mehrwert. Das Unternehmen hat keine Postingstrategie, keinen Redaktionsplan – aber (Achtung! positiver Punkt!) das Gewinnspiel ist in einer App! #thumbsup

Aber BarCamps sind ja auch immer ein Ort zum Netzwerken und die Gespräche vor Ort brachten mich zum Schmunzeln, erhellten meinen Tag voller Schlafmangel und Orgaproblemen. Danke.

BarCamp Kiel Logo

BarCamp Kiel Logo

Morgen kann das übrigens schon wieder ganz anders aussehen, leider habe ich dann keine Zeit. Aber ich wünsche es dem BarCamp Kiel, dass es morgen ohne Probleme eine gute Sessionplanung mit spannenden Themen auf die Beine stellt. Allen Teilnehmern wünsche ich viel Spaß!

Edit: Den Dank an die Sponsoren vergessen. Tut mir leid! Danke allen Sponsoren, dass ihr BarCamps unterstützt!

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